Mitte November 2010 vergab das Bundesamt für Verkehr den Auftrag für den Betrieb der Rollenden Autobahn (Rola) durch die Schweizer Alpen in den Jahren 2012 bis 2018 an die RAlpin AG. Diese Perspektive erlaubt der Betreibergesellschaft wichtige Investitionen. Ab sofort stehen deshalb auch wegweisende Projekte in Planung und Realisierung.

Das Vergabeverfahren des Bundesamts für Verkehr (BAV) für den Betrieb der Rola wurde Mitte November 2010 nach intensiven Verhandlungen abgeschlossen. Damit ist die Verlagerung von Lastwagen von der Strasse auf die Schiene mittelfristig sichergestellt. Der Auftrag ist für die RAlpin die Basis für wichtige Investitionen. «Als Erstes haben wir bereits mit den SBB den Kaufvertrag für 20 klimatisierte Begleitwagen unterschrieben», freut sich René Dancet, Geschäftsführer der RAlpin AG. Die Liegewagen werden für die Bedürfnisse der RAlpin umgebaut und ab Ende 2011 in Betrieb genommen. Damit verbessert die RAlpin ihr Angebot vor allem im Bereich Komfort für ihre Kunden, vorab die Lastwagenfahrer.

Personen- und Güterverkehr

Die Rola ist ein komplexes Angebot, bildet sie doch eine Kombination aus Personen- und Güterverkehr. RAlpin ist die einzige Unternehmung in der Schweiz, die Güter transportiert und gleichzeitig die Lastwagenfahrer mitnimmt. RAlpin will den Chauffeuren, die häufig unter Zeit- und Termindruck stehen, einen mühelosen und entspannenden Transit durch die Schweiz ermöglichen. Dazu gehört einerseits eine angemessene rollende Unterkunft auf der Fahrt durch die Alpen und anderseits eine hohe Qualität in der Produktion. Doch gerade im Jahr 2010 mussten beispielsweise wegen kurzfristig geplanter Bauarbeiten auf der Simplon-Südrampe Verspätungen und Ausfälle verzeichnet werden.

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Zusätzlich zu den infrastrukturellen Engpässen beeinträchtigen fehlende Ressourcen, also Lokomotiven und Lokführer, die Produktionsqualität. «Es ist an und für sich erfreulich, dass die Güterbahnen vom raschen Aufschwung nach der Wirtschaftskrise überrollt wurden», sagt Dancet, «weniger erfreulich sind die Konsequenzen für die RAlpin. Verspätungen sind leider an der Tagesordnung, und wir lassen mehr oder weniger regelmässig Züge ausfallen, um das Transportsystem zu stabilisieren.» Dieser Zustand ist weder für die Kunden noch RAlpin befriedigend. Dancet: «Da wir lieber auf Qualität statt Quantität setzen, reduzieren wir eher das Angebot, als dass unsere Kunden zu spät ihre Ziele erreichen.» Der Fokus für das Jahr 2011 liegt daher klar auf der Verbesserung von Komfort, Pünktlichkeit und Sicherheit. Dancet: «Hier sind grundlegende Veränderungen gefordert, nicht nur Kosmetik.»

Die Nachfrage nach dem Produkt Rollende Autobahn im alpenquerenden Verkehr ist trotz Unkenrufen ungebrochen. Die Marktnachfrage ist grösser als das Rola-Angebot. Denn der Preis, die Zeitersparnis und das Vorwärtskommen während der Ruhezeit bewegen immer mehr Kunden, die Rola für den Transit durch die Schweiz zu wählen. Vorerst kann die Verlagerungsmenge aber infrastrukturbedingt kaum mehr wachsen. Auf der Lötschberg-Achse besteht zwar ein 4-Meter-Korridor, dieser ist aber stark ausgelastet. Um das verbleibende Marktvolumen abzuschöpfen, ist der Ausbau der Einspurstrecke zwischen Domodossola und Novara oder der Aufbau einer neuen Relation von beziehungsweise nach Domodossola nötig.

Gotthard: Profilanpassungen notwendig

Um dem Verlagerungsziel wirklich näher zu kommen, sind mit der Inbetriebnahme der Gotthard- und Ceneri-Basistunnels Ausbauten für Profilanpassungen für einen 4-Meter-Korridor an den Zulaufstrecken der Nord-Süd-Achse via Gotthard sowie neue Terminals im Norden wie auch im Süden erforderlich. Die Kosten dafür sind marginal im Vergleich dazu, was in die Neat investiert wird. Sollte dieser Ausbau nicht stattfinden, wäre mit massiv mehr Strassenstaus auf dieser Achse zu rechnen.

Auch um die Kapazitäten der bestehenden Rola zu steigern, gilt es, eine zusätzliche Verbindung aus dem Norden nach Domodossola aufzubauen. Dafür sind neue Terminalkapazitäten in Domodossola nötig. RAlpin und das BAV haben vereinbart, diesbezügliche Gespräche mit den italienischen Partnern zu intensivieren.

Konnte RAlpin im Krisenjahr 2009 einen neuen Verlagerungsrekord erzielen, rechnet sie für 2010 mit einem Ergebnis auf Niveau des Vorjahres. Ein Rückschritt angesichts der sich im Aufwind befindenden Logistikbranche? «Jein», erklärt Dancet, «absolut betrachtet hätten wir 2010 einen neuen Verlagerungsrekord erzielen können. Wegen Bauarbeiten auf der Simplon-Südrampe und den erwähnten Ressourcenproblemen mussten wir aber Abstriche in Kauf nehmen. Dies war uns von Anfang an bekannt. Entsprechend erwarteten wir keine Wunder. Wir sind mit den erzielten Leistungen zufrieden.»

«Die Nachfrage nach begleitetem Kombiniertem Verkehr wird auf hohem Niveau bleiben», ist Dancet überzeugt, «im europäischen Fernverkehr ist nach wie vor die grosse Mehrheit der Güterverkehre nicht für den Unbegleiteten Kombinierten Verkehr geeignet. Die nicht kranbaren Lastwagen holt die Rola von der Strasse auf die Schiene. Damit bieten wir eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternative und leisten zugleich einen nicht zu vernachlässigbaren Beitrag zum Erfolg der Schweizer Verlagerungspolitik.»