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Automobil
Wie Apple und Google den Genfer Autosalon aufmischen

In Genf zeigen die globalen Autobauer ab heute ihre neusten Karossen. Die Stimmung ist angespannt – wegen den Techgiganten Apple und Google. Die schwerreichen Konzerne scheinen eine echte Bedrohung.

Von Dominic Benz
am 04.03.2015

Heute öffnet der 85. Internationale Autosalon in Genf seine Tore. Die grössten Autobauer der Welt präsentieren ihre neusten Karossen. Im Mittelpunkt steht auch das «vernetzte» Auto: Die Modelle sollen immer besser mit dem Internet und Onlinediensten verbunden werden. BMW warb bisher mit seinem Infotainmentsystem «Comand», Audi will mit «Connect» punkten. In Genf wird nun der neuste Schrei vorgestellt.

Kein Wunder, dass die jüngsten Autopläne der Technologie-Giganten Apple und Google die Chefs der globalen Autobauer aufscheuchen. In Genf sind die beiden Neulinge in der Autobranche schon jetzt Gesprächsstoff Nummer Eins – und werden als ernsthafte Konkurrenz betrachtet. «Die Autoindustrie wäre dumm, wenn sie die Technologiefirmen ignorieren würde», sagt laut «BBC» Sergio Marchionne, Chef von Fiat-Chrysler.

Autobauer können mit Apple und Co. nicht mithalten

Er sei daher sehr besorgt über Mitbewerber von solchem Kaliber. «Wenn dein Leben plötzlich gestört wird, dann ist das nicht unbedingt ein gutes Gefühl», so Marchionne. Man werde sich womöglich besser fühlen, wenn man sehe, wie die Geschichte ausgegangen ist. «Aber im Moment nicht.»

Tatsächlich kann die Autoindustrie in Sachen Digitalisierung und Vernetzung mit den Tech-Schwergewichten Apple und Google kaum mithalten. Sie muss sich mit anderen Baustellen beschäftigen. Langsam wälzen sich viele Firmen aus einer jahrelangen Rezession. Zudem kämpfen die Autobauer mit immer schärferen Abgasvorschriften, alternativen Antriebssystemen und auch der schwindenen Autobegeisterung bei jungen Kunden.

Apple könnte fast jeden Autobauer kaufen

Doch vernetzte Autos verlangen die Kunden immer mehr beziehungsweise dürften das in Zukunft tun. Daher bietet der Markt grosses Potenzial. Apple will sich diese Chance offenbar nicht entgehen lassen und beim Auto der Zukunft mitreden. Der iPhone-Hersteller soll gemäss Berichten unter dem Codenamen «Titan» an einem eigenen Wagen tüfteln. Der Internetriese Google hat bereits ein selbstfahrendes Auto vorgestellt.

Das schreckt die Autoindustrie auf. Nicht nur geben die US-Riesen weltweit den Ton bei der technologischen Entwicklung an. Sie verfügen auch über genügend Geld, um den Automarkt aufzumischen. Apples Kasse ist mit knapp 180 Milliarden Dollar prall gefüllt. Der Konzern könnte fast jeden Autobauer der Welt schlucken. Damit könnten Fabriken und komplexe Produktionsabläufe einfach übernommen werden. «Es ist schon Drohpotenzial genug wegen der schieren Grösse dieser Unternehmen» sagt Analyst Jürgen Piper vom deutschen Bankhaus Metzler gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Neulinge am Markt als Chance

Trotzdem bemühen sich einige Autobauer um Gelassenheit. Das Vorpreschen von Apple und Google sehen sie denn auch als Chance. Das sei genau das, was die Autoindustrie brauche, sagt Fiat-Chrysler-Chef Marchionne laut « BBC» in Genf. «Wir benötigen einen störenden Eindringling, der die Dinge durchschüttelt.» Er wäre sogar von einer Zusammenarbeit mit einem der Tech-Riesen begeistert. Kampflos will er der Entwicklung dennoch nicht gegenüberstehen: «Unterschätzen Sie nicht die Fähigkeit der Autoindustrie, auf die neuen kompetitiven Herausforderungen zu reagieren.»

Auch VW-Chef Martin Winterkorn kann der Situation Positives abgewinnen. «Auch wenn es Sie vielleicht überrascht: Ich begrüsse ausdrücklich das Engagement von Apple, Google und Co. beim Thema Automobil.» Er ist überzeugt, dass Autos dadurch wieder stärker in den Fokus jüngerer Kunden geraten.

«Wir müssen diese Unternehmen sehr ernst nehmen»

Angst vor den Veränderungen hat auch Daimler-Chef Dieter Zetsche nicht: «Das kann uns nur stärker machen.» Ein Zusammenwachsen beider Industriezweige würde gar neue Möglichkeiten bieten. Zetsche glaubt nicht, dass die Autoindustrie letztlich nur noch Zulieferer für Firmen aus dem kalifornischen Silicon Valley sein wird. «Wir haben momentan die gesamte Wertschöpfungskette in unserer Hand.»

Zurückhaltender gibt sich in Genf BMW-Chef Norbert Reithofer. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass in Zukunft Wettbewerber Autos bauen, die bisher nicht am Markt waren.» Gerade der anhaltende Trend zu Digitalisierung, Vernetzung oder dem automatisierten Fahren locke Unternehmen wie Google, Apple oder andere an, zitiert ihn die SDA. «Wir müssen diese Unternehmen sehr ernst nehmen.»

Kunden bestimmen mit

Bedenken äussert auch Didier Leroy, Europa-Chef des weltgrössten Autobauers Toyota. «Wir wollen nicht nur der Lieferant einer leeren Kiste sein.» Wie gross die Bedrohung durch die Technologie-Konzerne sein werde, hänge letztlich auch von den Kunden ab. Die würden das Verständnis von Mobilität und Auto mitbestimmen. Angst vor Apple hat Leroy zwar keine. Dennoch gesteht er: «Sie können sehr harte Konkurrenten in einigen Bereichen sein.»

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