Mit einer Umfrage an die Medienverantwortlichen von einem halben Dutzend Schweizer Unternehmen fing alles an. Doch kam keine der Fragen wirklich bei den Personen an, um die es ging. Die waren (über) beschäftigt, im Ausland, gerade im Flugzeug, in Sitzungen, an Generalversammlungen und Aktionärsanlässen. Die Fragen wurden deshalb fast ohne Ausnahme von der PR-Abteilung beantwortet - und zwar eher unverbindlich.

Harry Hohmeister, CEO der Swiss, sass bei der Anfrage der «Handelszeitung» gerade im Flugzeug nach China; zusammen mit Bundespräsidentin Doris Leuthard und einem Tross von Wirtschaftsführern. Alle in freudiger Erwartung, den chinesischen Präsidenten Hu Jintao zu treffen und den Schweizer Pavillon an der Expo in Schanghai zu besuchen. Im besten Sinne kann man auch das als Weiterbildung gelten lassen. Vor allem, wenn sie sich kulturell und soweit möglich sprachlich auf das Land ihrer Wirtschaftshoffnungen vorbereitet haben. Das wäre Weiterbildung in Reinkultur.

Eigentlich wäre es ja wichtig ...

Auch Monika Ribar, CEO von Panalpina, war gerade auf einer Auslandsreise. Pressechef Martin Spohn fand aber die aufgeworfenen Fragen sehr interessant, schon weil sie selten thematisiert würden. Das Thema sei aber zu wichtig, «als dass man es zwischen Tür und Angel mit PR-Phrasen abtut», so die freundliche Absage.

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Die an Jasmin Staiblin, CEO von ABB Schweiz, gerichtete Umfrage konnte wegen Ferienabwesenheit ebenfalls nicht beantwortet werden. Pressechef Lukas Inderfurth gab jedoch ein generelles Statement ab. Bei ABB gelte: Je höher die Funktion, desto individueller die Weiterbildung. Für Mitglieder des oberen Kaders gibt es deshalb das globale Senior Leadership Development Program (SLDP). Dieses wurde in Zusammenarbeit mit dem IMD Lausanne nach den Bedürfnissen und Anforderungen von ABB entwickelt.

Dass Riet Cadonau, CEO der Ascom-Gruppe, Ende August Gast am Business-Lunch im Mövenpick Beef Club ist, kann man im Programm der ZfU - International Business School nachlesen, die den Anlass auch organisiert. Drei Wochen später folgt als Keynote dann Thomas E. Kern, CEO des Flughafens Zürich.

Überhaupt scheinen sich Top Executives in angesehenen Bildungsinstitutionen wohl zu fühlen. Den Auftritt von Brady Dougan, CEO der Credit Suisse, am IMD Lausanne im letzten Oktober gibt es gar auf Youtube. Ein Beispiel eines sonst eher zurückhaltenden Chefs, der damit zeigt, dass er auch ausserhalb von Geschäftsverbindungen den Diskurs pflegt und auch Fragen beantwortet.

Erfahren, wo der Schuh drückt

Der Kommentar von Isabelle Welton, CEO von IBM Switzerland, was sie unter Weiterbildung versteht, ist vergleichsweise bodenständig und erfrischend, weil sie die Nähe der Menschen sucht und damit Erfahrungen sammelt.

Ihre Antwort lautet: «Die wohl ergiebigste Quelle sind für mich die Gespräche mit Kunden, um zu spüren, wo sie der Schuh drückt, was sie beschäftigt, wie mit dem Einsatz von IT-Technologie auf ihre spezifischen Bedürfnisse eingegangen werden kann. Wichtig ist mir auch der Austausch mit den Forschern unseres Labors in Rüschlikon, wo absolute Spitzenforschung im Dialog mit Kunden betrieben wird. Dazu kommen Gespräche mit den eigenen Mitarbeitern, welche einen unglaublichen Pool an Ideen und Kreativität bilden. Bei alldem steht für mich gut Zuhören im Vordergrund. Durch meinen vielleicht nicht so orthodoxen Werdegang konnte ich Kontakte zu Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen und Branchen knüpfen, welche ich auch jetzt noch pflege. Da IBM zudem ein weltweit tätiges Unternehmen ist, komme ich naturgemäss mit vielen Kollegen aus den unterschiedlichsten Kulturen zusammen und kann von ihnen lernen.»

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