Alibabas Ziele ehrgeizig zu nennen, wäre untertrieben. Der chinesische Internetriese plant den Mega-IPO, den Börsengang des Jahres, gigantische 21 Milliarden Dollar will er an Investitionen einspielen bei seinem Start an der Wall Street. Zum Vergleich: Facebook hatte mit seinem Gang aufs Parkett 2012 «nur» 16 Milliarden Dollar eingesammelt. Alibabas Börsengang wäre damit nicht nur der grösste Tech-IPO der Geschichte - es wäre derjenige mit dem grössten Volumen überhaupt.

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Der IPO von Facebook war weltweit fast mit Hysterie begleitet worden, die Börsenpläne von Alibaba wurden im Westen dagegen lange eher als Randnotiz wahrgenommen. Das mag damit zusammenhängen, dass die grösste Online-Handelsplattform ausserhalb Chinas ein dürftiges Angebot vorweisen kann – die deutsche Seite «german.alibaba.com» etwa ist ein äusserst magerer Ebay-Klon. Nichtsdestotrotz: Bis zum Handelsstart der Aktie am 19. September bleiben Alibaba noch zehn Tage – wie will Chinas Riese in dieser Zeit ausreichend Investoren locken?

Alibaba will 320 Millionen Aktien verkaufen

Auch hier gilt: Alibaba setzt auf Gigantismus. Heute startet die Roadshow des Konzerns, 320 Millionen Aktien sollen ihre Käufer finden. Mehr als 100 Termine mit potenziellen Investoren hat Alibaba angesetzt bei seiner Tour durch Europa, den Mittleren Osten und Asien. 

Auch dabei zeigt Alibaba seine Ambitionen: Die Investoren sollen nicht nur Aktien kaufen - passende Investmentfonds sollen Unternehmensanteile im Wert von mehr als einer Milliarden Dollar übernehmen, berichtet das «Wall Street Journal». Damit wäre Alibaba ein Schwergewicht im Portfolio so einiger Fonds - eine Bedeutung, die üblicherweise Riesen wie Google oder Amazon vorbehalten bleibt, an denen sich die Fondsmanager als Benchmark ausrichten.

Team «Orange» und Team «Rot»

Um Investoren zu überzeugen, haben sich die Top-Manager Alibabas laut «Wall Street Journal» jetzt in zwei Teams aufgeteilt. «Team Orange» wird angeführt von Vize-Chef Joe Tsai, der die Umsetzung des Börsengangs verantwortlicht. «Team Rot» wird dagegen von CFO Maggie Wu betreut. 

Beide Teams werden untersützt von den Banken, die den Börsengang betreuen. Ein beachtlicher Aufmarsch namhafter Geldinstitute: Die Deutsche Bank ist engagiert, ausserdem Goldman Sachs, JP Morgan Chase, Morgan Stanley und nicht zuletzt die Credit Suisse. Das private Geldhaus Rothschild wird allein dafür zuständig sein, die Aktivitäten der Banken zu koordinieren.

Aus dem holprigen IPO von Facebook lernen

Die Geldinstitute sind dabei tief involviert: Credit-Suisse-Chef Brady Dougan etwa wird Alibaba persönlich im Waldorf Astoria in New York vorstellen, wie das «Wall Street Journal» berichtet. Das Ziel ist dabei, aus dem holperigen Start für Facebook zu lernen – damals empfanden die Investoren den Raum für Fragen als zu knapp. Dougan wird sich darum bei dem Event so viel Zeit nehmen, bis alle Fragen beantwortet sind – auf das der Börsengang von Alibaba gelinge.