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Detailhandel
Wie der Black Friday das Weihnachtsgeschäft zerstört

Black Friday in der Schweiz
Zürcher Bahnhofstrasse: 2017 lockten die Händler wieder mit satten Rabatten.Quelle: Keystone

Der Abwärtstrend des Detailhandels scheint erstmals seit Jahren gestoppt. Doch importierte Rabattaktionen werden den Händlern zunehmend zum Nachteil.

Melanie Loos
Von Melanie Loos
am 12.02.2018

Für den Schweizer Detailhandel sind es gute Nachrichten: Der Abwärtstrend der vergangenen Jahre wurde gebrochen, 2017 stagnierte der Markt erstmals seit Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK.

Auffällig ist, dass es in den Monaten Oktober und Dezember einen Rückgang gab, während der Handel im November über zwei Prozent zulegte. Diese Entwicklung ist auch dem Black Friday geschuldet. Der ursprünglich aus den USA stammende Rabatt-Aktionstag wurde 2015 von der Warenhauskette Manor in der Schweiz eingeführt und etablierte sich recht schnell.

Schliesslich bot er der angeschlagenen Branche eine gute Gelegenheit, um am letzten Freitag im November das Weihnachtsgeschäft zu lancieren. Dabei profitieren viele Kunden von den aussergewöhnlichen Rabatte am Black Friday und ziehen ihre Weihnachtseinkäufe sehr oft vor. 

Rabattschlacht wirkt sich negativ aus

Doch die Rabattaktionen, die teilweise sogar mehrere Tage andauern, sind ziemlich umstritten. Denn für die Händler gibt es auch eine Schattenseite: Gerade in der Vorweihnachtszeit, wenn der Handel die höchsten Umsätze und hohe Margen einfahren sollte, sehen sich viele Händler gezwungen, Rabatte von bis zu 50 Prozent einzuräumen. Um keine Kunden zu verlieren, können sie sich dem auch nur schwer entziehen.

«Der Trend nimmt zu und beeinträchtigt das klassische Weihnachtsgeschäft im Dezember hinsichtlich Umsatz und Marge», sagt GfK-Markenexperte Luca Giuriato.

Jelmoli widersteht dem Black-Friday-Trend

Eine Ausnahme ist das Zürcher Warenhaus Jelmoli, das auf Black-Friday-Rabatte gänzlich verzichtet. Die Entscheidung habe sich sich positiv auf das Weihnachtsgeschäft ausgewirkt. «Unsere Marke ist nur glaubwürdig, wenn sich unsere Kunden auf Fairness verlassen können,» sagt Jelmoli-CEO Franco Savastano. Er ist davon überzeugt, dass der Black Friday der Qualität und den Umsätzen vor Weihnachten schadet.

Auch der CEO von Globus, Thomas Herbert, kritisiert den Black Friday. «Hierzulande ist Thanksgiving kein Feiertag und der Freitag danach auch kein Brückentag, daher macht das alles keinen Sinn. Es erschliesst sich mir nicht, warum man alles aus den USA übernehmen soll, auch dann wenn die Ausgangslage völlig anders ist.»

Dem Weihnachtsgeschäft der Migros-Tochter habe der US-Shopping-Import hingegen nicht geschadet. Der Umsatzrückgang im Dezember hängt nach Meinung des Globus-Chefs eher mit weniger Verkaufstagen im Dezember 2017 als mit dem Black Friday zu tun.

Detailhändler weiter unter Druck

Die Rabattschlacht setzt vor allem die Margen der Detailhändler weiter unter Druck. Wenn viele Konsumenten die ohnehin beabsichtigte Weihnachtseinkäufe bereits Ende November im Rahmen der Black-Friday-Aktionen tätigen, dann fehlen diese Einkäufe dem Handel im Dezember. Hinzu kommt, dass die Konsumenten sich an die Preisnachlässe gewöhnen und nur noch widerwillig höhere Preise zahlen könnten.

Aktionen wie den Black Friday seien daher für nicht hilfreich für den angeschlagenen Detailhandel, meint auch Thomas Lang, Geschäftsführer der Beratungsfirma Carpathia.

Nach Einschätzung des E-Commerce-Experten wird der Black Friday dem Schweizer Handel aber noch einige Zeit erhalten bleiben. Lang sagt: «Allerdings wird es wohl nicht zur langfristigen Strategie der Händler gehören, flächendeckend Rabatte anzubieten, sondern vielmehr einzelne Angebote, um auf der derzeitigen Welle mitsurfen zu können.»

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