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Analyse
Wie der Schweizer Handel Milliarden einsparen könnte

Abfall: Das Sparpotenzial im Handel ist riesig. Keystone

Für die Mitglieder von Handel Schweiz ist Verschwendung ein dringendes Problem. Das zeigt eine neue Umfrage der Branchenorganisation. Das Sparpotenzial ist gewaltig.

Von Gabriel Knupfer
am 04.04.2017

Verschwendung ist nicht nur für Konsumenten und die Umwelt ein grosses Problem, sondern auch für Firmen. Ihnen geht damit viel Geld verloren, haben im Handel tätige Unternehmen erkannt. Gemäss einer Umfrage der Branchenorganisation Handel Schweiz befassen sich 92 Prozent der Handelsunternehmen mit der Thematik. Allerdings schätzen sich nur 16 Prozent der befragten Firmen als «sehr aktiv» ein.

Das wichtigste Motiv: Geld sparen. 89 Prozent der Firmen wollen aus wirtschaftlichen Gründen die Verschwendung reduzieren. Für Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz, ist klar: «Es ist ökonomisch, sich ökologisch zu verhalten.» Der Druck von Kunden (11 Prozent), Gesellschaft (7 Prozent) und Politik (3 Prozent) betrifft gemäss Umfrage nur die wenigsten Firmen. Wichtig ist dagegen die Imagepflege, die für fast die Hälfte der Befragten ein Motiv zu nachhaltigerem Wirtschaften ist.

Verpackung und Energie

Verschwendet wird laut Teilnehmern in vielen Bereichen. Am meisten Verschwendung stellen die Firmen bei der Verpackung fest (68 Prozent). Das dürfte teilweise der Mitgliederstruktur des Verbandes geschuldet sein, doch tatsächlich befindet sich die Verpackungsindustrie in einem Dilemma. einerseits müssen verschickte Produkte möglichst gut geschützt werden und andererseits sollte man möglichst wenig Material verwenden.

Die zweite grosse Quelle der Verschwendung ist für die Mitglieder von Handel Schweiz die Energie (58 Prozent). Bei den Massnahmen steht das Thema sogar an erster Stelle. Fast zwei Drittel der Handelsunternehmen versuchen aktiv die Energieverschwendung zu bekämpfen. Anders als bei der Verpackung ist der Nutzen einer Senkung eindeutig – und die möglichen Massnahmen sind einfacher umzusetzen.

Energie als grosser Kostenfaktor

Laut Engeli gibt der Handel 1 Prozent seines Umsatzes für Energie aus. Bei einem Gesamtumsatz von 345 Milliarden Franken ist das ein grosser Kostenfaktor für die Branche. «Würde der Handel 15 Prozent der Energiekosten einsparen, spart er rund eine halbe Milliarde Franken ein», so Engeli. Manche Experten gingen gar von einem Potenzial von 30 Prozent aus, womit sich rund eine Milliarde Franken sparen liessen.

Mit neuen und effizienten Geräten lässt sich viel Strom sparen. Für Handel Schweiz sind eine intensive Beschäftigung mit dem Thema entlang der gesamten Lieferkette und tägliches Monitoring ein vielversprechender Ansatz.

Food Waste als globales Problem

Zwar kommen nur 6 Prozent der Umfrageteilnehmer aus der Lebensmittelbranche. Dennoch ist das Thema Food Waste auch im Handel wichtig. Die London School of Economics schätzt die weltweiten Kosten von Nahrungsmittelabfällen auf 4 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts. In der Schweiz geht ein Drittel der für den Schweizer Konsum produzierten Lebensmittel entlang der Lebensmittelkette verloren, so Handel Schweiz.

Hauptverursacher sind die Haushalte mit 61 Prozent der Verluste. Doch auch im Handel verschwinden wertvolle Lebensmittel. Der Verein Tischlein deck dich versucht seit 18 Jahren Food Waste zu reduzieren und gleichzeitig Armutsbetroffenen in der Schweiz zu helfen. Der Verein wurde von der Lebensmittelindustrie ins Leben gerufen und versteht sich weiterhin als Teil der Branche, erklärt Geschäftsführer Alex Stähli.

Eigenverantwortung der Industrie

«Wir verlängern die Wertschöpfungskette», so Stähli. Zwar arbeite man mit Produkten, die nicht mehr verkauft werden können und gespendet werden. «Aber wir sind ISO-9001-zertifiziert, haben genau dieselben Kontrollmechanismen, dieselbe Gesetzgebung wie die Lebensmittelindustrie.» Für Handel Schweiz ist Tischlein deck dich ein gutes Beispiel für die Eigenverantwortung der Industrie.

Nur 19 Prozent der befragten Unternehmen halten Lenkungsabgaben für den schonenden Umgang mit Ressourcen für sinnvoll. 41 Prozent sind dagegen. Dennoch gibt es durchaus Bereiche, wo auch Handel Schweiz die Mitwirkung des Staates wünscht. So habe etwa England mit einer Kampagne gegen Food Waste in nur fünf Jahren eine Reduktion von 15 Prozent erreicht.

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