Trotz dem Frankenschock und mehreren Attentaten in Tourismusdestinationen ist der Reiseveranstalter Hotelplan Gruppe operativ in den schwarzen Zahlen. «Ich kann vorwegnehmen, dass die Hotelplan Group operativ, auf Ebit-Stufe vor Kaufpreisallokation, positiv abschliessen wird», sagte Gruppenchef Thomas Stirnimann in einem Interview.

Das Schweiz-Geschäft alleine tauchte indes in die roten Zahlen. «Wir wussten am 16. Januar, dass Hotelplan Suisse ein negatives Ergebnis abliefern wird. Die Frage war nur noch wie viel wir abfedern können», sagte Stirnimann dem Touristikmagazin «Travel Inside».

«Dann haben Sie ein Problem»

Am 15. Januar hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben. Am nächsten Tag habe man dann die Millionenverluste bei Hotelplan Suisse zusammenzählen können. «Wenn Sie mehrere Dutzend Millionen Euro für 1,20 Franken gekauft haben und die Preise über Nacht um 20 Prozent senken müssen, haben Sie ein Problem», sagte Stirnimann.

Zudem hätten mehrere Attentate aufs Geschäft geschlagen. Bis Juni sei man mit einem wunderbaren Passagierwachstum von rund 10 Prozent unterwegs gewesen, bis am 26. Juni das Attentat von Sousse in Tunesien geschehen sei, sagte Stirnimann: «Hotelplan Suisse ist Schweizer Marktführer in Tunesien. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt Plätze für 15'000 Kunden gebucht, drei Tage später hatten fast alle annulliert.»

Angst übergeschwappt

Dann sei die wachsende Angst vor islamischen Destinationen auf Marokko und Ägypten übergeschwappt, später wegen dem Syrien-Konflikt auch auf die Türkei. Das Attentat in der thailändischen Hauptstadt Bangkok im August sei mit dem Start der Winterbuchungszeit für Asien zusammengefallen. Und im immer wichtiger werdenden Herbst hätten die Flüchtlingsströme das Griechenland-Geschäft torpediert.

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«Es entstanden Überkapazitäten, die Airlines und Veranstalter reduzierten die Preise nochmals, seither haben wir Dauer-Discounting in der Branche», sagte Stirnimann. Und jetzt seien noch die Attentate von Paris hinzugekommen. «An Probleme in dieser Akkumulation und Regelmässigkeit kann ich mich in meiner ganzen Karriere nicht erinnern.»

Zehntel günstiger als letzte Saison

Im laufenden Jahr dürften sich die Währungsschwankungen nicht in so extremen Ausmass wiederholen. Der Euro sei ja wieder auf dem freien Markt. «Aber die Preise bleiben natürlich unten und werden rund 11 Prozent günstiger sein als im vergangenen Winter. Wir müssen also 11 Prozent mehr Kunden haben, um den Umsatz zu halten», sagte Stirnimann. Dagegen hätten die übrigen Divisionen der Hotelplan Gruppe gut gewirtschaftet.

(sda/dbe/ama)