Vier der grössten europäischen Banken bereiten sich unter einer neuen Unternehmensführung auf einen Umbau vor. Was sind ihre wichtigsten Herausforderungen, und wie gehen sie damit um?

Deutsche Bank

Was ist das grösste Thema? Kapital. Selbst nachdem die Deutsche Bank in den vergangenen zwei Jahren bei Anlegern fast 12,5 Milliarden Euro beschafft hat, weist sie weiterhin die, gemessen an der Bilanzsumme, geringste Eigenkapitalquote unter den grossen europäischen Banken auf. Co-Vorstandschef John Cryan könnte für 2015 die Dividende streichen, um Kapital zu erhalten.

Wie kann Cryan den Gewinn steigern? Durch Kostensenkungen. Im April teilte die Deutsche Bank mit, dass sie bis Ende 2020 die Bruttokosten um 3,5 Milliarden Euro senken will. Einige Analysten wollen ein Nettoziel, nachdem vorangegangene Senkungen den Gewinn nicht erhöht haben.

Pläne für die Investmentbank? Der Konzern kündigte im April an, die Bilanz des Bereichs bis Ende 2018 um bis zu 17 Prozent zu kürzen. Einige Analysten prognostizieren, dass Cryan, der im Juli das Steuer übernahm, stärkere Einschnitte ankündigen wird, wenn er seine Strategie am 29. Oktober vorstellt.

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Wie sieht es im Privatkundengeschäft aus?  Die Deutsche Bank will die Postbank fünf Jahre nach Abschluss der Übernahme abstossen. Die Postbank beschäftigt fast 15'000 Mitarbeiter.

Wo will die Bank wachsen? Die Deutsche Bank hat angekündigt, sie wolle mehr als 1,5 Milliarden Euro in die Vermögensverwaltung und in das Transaktions-Banking investieren. Die Transaktionsbank will in Asien und den USA wachsen, während das Vermögensverwaltungsgeschäft Berater für vermögende Kunden anheuert.

Barclays

Wie sieht es mit der Umstrukturierung aus? Barclays kündigte im vergangenen Jahr eine Neuordnung an und hat dabei stärkere Fortschritte als andere Banken gemacht. Bis Ende Juni hatte sie die für 2016 gesteckten Kapitalziele erreicht.  

Was bedeutet das für die Investmentbank? Tiefe Einschnitte. Barclays wollte die Bilanzsumme des Bereichs um mehr als 40 Prozent kürzen. Die rund 7000 geplanten Stellenstreichungen sind fast abgeschlossen.

Wie sieht es in anderen Bereichen aus? Barclays konzentriert sich auf Grossbritannien, die USA und Südafrika, ihre drei wichtigsten Märkte. Das bedeutet Investitionen in das Geschäft mit Unternehmenskunden, in das Kreditkartengeschäft, die Vermögensverwaltung und das britische Verbraucherbankengeschäft.

Standard Chartered

Ist der Asien-Fokus der Bank ein Problem? Ja. Die Bank leidet unter dem Einbruch der Rohstoffpreise auf den tiefsten Stand seit 16 Jahren und unter der Besorgnis, dass die chinesische Wirtschaft sich stärker als erwartet abschwächt.  

Wie ist sie davon betroffen? Über faule Kredite. Die Erträge im Geschäft mit Unternehmens- und institutionellen Kunden sind im ersten Halbjahr um 10 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar gesunken, da sich in Indien und China Kreditverluste anhäuften.

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(bloomberg/chb)