Sie hört es nicht gern, aber die Swisscom ist eine Staatsfirma. Aktuell gehören 51 Prozent der Aktien der Eidgenossenschaft. Der Staat hält dabei nicht nur die Mehrheit des wichtigsten Telekomunternehmens des Landes. Sondern gleichzeitig auch die Mehrheit an einem wachsenden Medienriesen. Neben der im Jahr 1,6 Milliarden Franken umsetzenden SRG – ebenfalls staatlich kontrolliert und zusätzlich durch Zwangsgebühren finanziert – mischt auch der 12-Mi­lliarden-Franken-Gigant Swisscom tüchtig mit im Mediengeschäft.

Etwa über Bluewin. Mit über 40 Millionen Besuchen («Visits») im März 2015 ist die Swisscom-Nachrichtenseite nach den Boulevardportalen der beiden privaten Grossverlage Ringier (blick.ch) und Tamedia (20min.ch) die Nummer drei der Schweizer Newsseiten.

Bluewin ist voll mit Swisscom-Werbung

Bluewin ist seit Oktober 2013 als «TV- und Entertainment-Portal» positioniert – und voll mit Werbung. Vor allem mit Werbung für Swisscom-eigene Produkte: Live-TV oder Swisscom TV sind immer nur einen Klick entfernt. Auch Informationen für Privat- und Geschäftskunden warten an bester Stelle. Neben den Teleclub-Inhalten wird auch Swisscom TV beworben. Und dafür scheut man sich auch nicht, eine Nachricht daraus zu machen, wenn neue Inhalte eingestellt werden.

Die Geschichte «Dritte Staffel von ‹House of Cards› auf Swisscom TV 2.0» wird immerhin mit dem Hinweis «Bluewin ist eine Unternehmenseinheit der ­Swisscom (Schweiz) AG. Die Bluewin-Redaktion berichtet in regelmässigen Abständen über neue Produkte und Dienstleistungen von Swisscom. Teleclub-Inhalte können auch direkt erworben, Live-Streams für Bundesliga-Spiele direkt über Bluewin gemietet werden.

Swisscom ist auch Werbeagentur

Ein Medienkonzern ist Swisscom aber nicht nur, weil sie journalistische Inhalte und Unterhaltungsangebote selbst bereitstellt. Seit der Übernahme der Lausanner Werbevermarkterin Publigroupe im letzten Sommer für rund eine halbe Milliarde Franken ist der Konzern auch eine Werbeagentur. Damit hält der blaue Riese eine 47,5-Prozent-Beteiligung an Zanox. Die Mehrheit liegt beim deutschen Medienkonzern Axel Springer.

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Za­nox tritt als Mittler zwischen Werbekunden und Webseitenbetreibern auf und übernimmt das Tracking der Werbemassnahmen – auf allen möglichen Kanälen: Von der Preisvergleichsseite bis hin zur E-Mail-Kampagne. So unterhält Zanox Geschäftsbeziehungen mit über 4000 Werbetreibenden weltweit, von denen Swisscom künftig auch profitieren dürfte.

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