Mit drastischen Einsätzen und verdeckten Kontrollen in und vor den Fussballstadien, aber auch auf den Fan-Meilen und an den Landesgrenzen will der Europäische Fussballverband (Uefa) zur kommenden FussballEuropameisterschaft ihre Sponsoren schützen.

Wer im Hoheitsgebiet der Uefa, dem Veranstalter der Euro 08 in der Schweiz und in Österreich, das falsche Bier trinkt, ein nicht zugelassenes Markenlogo auf der Brust trägt oder Fan-Hüte eines Nicht-Sponsors der Uefa aufsetzt, hat keine Chance. Wie Recherchen der «Handelszeitung» ergeben haben, überprüft die Uefa die technischen und rechtlichen Möglichkeiten der Kontrollen.

Grosser Bruder Uefa

Verdeckte Crews sollen etwa im Umfeld der Spielorte eingesetzt werden. Ihre Aufgabe ist es, eventuelle Markenverstösse aufzudecken und fotografisch zu dokumentieren. Sechs bis sieben Stunden vor Spielbeginn werden geschulte Uefa-Teams vor den Stadien, aber auch an Bahnhöfen und Zufahrten stehen und beobachten, welche Fan-Gruppen mit welchen Ausrüstungen Richtung Spielort strömen. Sie informieren über Funk die Kontrollpunkte an den Stadientoren. Mit allen Mitteln soll verhindert werden, dass Hunderte von Fans mit Utensilien von Nicht-Sponsoren im Stadion einrücken und in der teuren Sponsorenzone die falschen Marken in die TV-Kameras rutschen könnten.

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Auch im Internet wollen die Uefa-Kontrolleure verfolgen und festhalten, welche Marken und Logos, die nicht für offizielle Sponsorendienstleistungen an die Fussballveranstalter Millionen Franken bezahlt haben, auf die Stadien zurollen könnten. Die Euro 08 ist ein Geschäft von schätzungsweise über 2,6 Mrd Fr.

Uefa-Sprecher Wolfgang Eichler bestätigt gegenüber der «Handelszeitung» lediglich, dass es Stichproben geben werde. «Wir verraten aber keine Rezepte oder Details, wo und wie Kontrollen stattfinden werden.» Der «Überraschungseffekt» soll schliesslich gewahrt bleiben.

Ambush-Marketing (Schmarotzer-Werbung) werden die Trittbrettfahrer genannt, die sich im Glanz der Europameisterschaft sonnen wollen. Prominentestes Beispiel ist die Migros mit ihrer bereits vor zwei Jahren gestarteten M08-Kampagne.

Mittlerweile haben sich Abertausende von Fans im Internet gefunden, die sich an den Fussball-Fan-Spielen von Migros beteiligen. Der Uefa ist diese inzwischen landesweit bekannte Aktion ein besonderer Dorn im Auge. Anfang dieser Woche erst wollten die Uefa-Verantwortlichen die M08-Fernsehspots von der Bildfläche verbannen. «Wir sollten unsere Spots vor und während der EM nicht mehr im Schweizer Fernsehen zeigen dürfen», berichtet Migros-Sprecher Urs-Peter Naef. Doch die verantwortlichen TV-Chefs und der zuständige Fernsehvermarkter Publisuisse schmetterten das Begehren der Uefa ab.

450 Abmahnungen verschickt

Auch die Luzerner Marketing-professorin Uta Jüttner macht die Uefa nervös. Sie hat jüngst eine Studie veröffentlicht, die die Möglichkeiten von legalem Ambush-Marketing, quasi als Checkliste, aufzeigt. Eine entsprechende Broschüre ist im Compendio-Verlag erschienen und wird gemäss Verlagsangaben rege nachgefragt.

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Bis zum Anpfiff der EM dürften daher die Sponsorenhüter der Uefa noch einiges zu tun bekommen. Bislang wurden angeblich schon über 450 Abmahnungen an Firmen, die Sponsorenrechte verletzt haben sollen, verschickt. Marketingexperte Martin Platzer (MPM, Wien und Zürich) versteht die Aufregung nicht: «Ambush-Marketing wird in den nächsten Wochen noch extrem zunehmen. Doch letztendlich profitieren alle davon, auch die offiziellen Sponsoren und die Uefa selbst.»