Banken und Versicherungen: Beide spüren die Folgen der Kreditkrise. Doch im Unterschied zu den Banken übertragen die grossen europäischen Versicherungen wie Zurich Financials, Axa oder Generali ihre Verluste zu einem geringeren Teil den Aktionären. Die Hauptlast haben die Käufer von Versicherungspolicen durch tiefere Auszahlungen, Leistungsprämien und Boni zu tragen.

Bei Zurich Financial Services stehen nach dem 1. Halbjahr nicht realisierte Buchverluste auf Aktienpositionen von 1,7 Mrd Dollar, etwa 1,8 Mrd Fr., in den Büchern. Auf alle Wertpapiere wurden unrealisierte Buchverluste in einer Höhe von 2,4 Mrd Dollar über das Eigenkapital gebucht. Das Eigenkapital der Zurich wurde um diesen Betrag vermindert.

Via Erfolgsrechnung

Buchverluste von 20% und mehr, die über einen Zeitraum von zwölf Monaten und länger andauern, werden laut Zurich-Sprecher Angel Serna über die Erfolgsrechnung abgeschrieben. Damit verfolgt der Konzern eine ähnliche Linie wie die anderen grossen europäischen Versicherungen. Abschreiber über die Erfolgsrechnung sind keine zusätzliche Belastung für die Aktionäre; es wird vielmehr ein bereits im Eigenkapital reflektierter Buchverlust aus dem Eigenkapital herausgelöst und erfolgswirksam als Kapitalverlust verbucht. Umgekehrt gilt das Gleiche: Wenn die Aktien wieder steigen, wird der Buchgewinn über die Erfolgsrechnung als Kapitalgewinn verbucht.

Anzeige

Gestützt auf eine Analyse der Aktienpositionen beim Halbjahresergebnis, wäre laut Serna der maximale zusätzliche Abschreibebedarf nach Steuern und unter der Berücksichtigung der Aufteilung zwischen Aktionären und Policenhaltern in diesem Jahr weniger als 100 Mio Dollar, wenn die Aktienmärkte auf dem Niveau von Ende Juni bleiben würden.

Hauptlast bei Versicherten

Auch bei vergleichbaren anderen grossen europäischen Versicherungen mit starker Präsenz in der Schweiz tragen die Policenhalter die Hauptlast. Axa beispielsweise hatte per Ende Juni 2,4 Mrd Euro nicht realisierte Verluste in den Büchern; 538 Mio Euro nicht realisierte Gewinne trugen die Aktionäre, die übrigen Verluste gingen zulasten der Policenhalter, wie der französische Versicherungskonzern beim Halbjahresergebnis verlautbaren liess. Auch beim Subprime-Portfolio, das in den Büchern verblieb, wurden lediglich 38% den Aktionären zugewiesen.

Bei Generali waren es 7,5 Mrd Euro nicht realisierte Buchverluste, von denen lediglich 915 Mio Euro zulasten der Aktionäre gingen. Auch hier tragen die Aktionäre mit 34% den klei- neren Anteil des 5,4 Mrd Euro schweren Portfolios an strukturierten Krediten. Und auch bei der Allianz, wo 6,4 Mrd Euro nicht realisierte Verluste in den Büchern stehen, wurden die Aktienbesitzer weniger belastet als die Versicherten.

Bis ins nächste Jahr

Dennoch heben die Aktien der Versicherungen nicht ab – denn das operative Umfeld verschlechtert sich. Exemplarisch ist auch hier das an und für sich gute Ergebnis der Zurich: Der einzige Eckwert, der enttäuscht hatte, war das Combined Ratio aufgrund der höheren Rate grosser Schadensansprüche in den USA.

Zurich selber hatte keine Erklärung dafür, weil sich diese Schäden auf unterschiedliche Regionen und auf Neu- und Altkunden verteilten. Die Analysten von JP Morgan jedoch glauben, dass das auf das schwächere wirtschaftliche Umfeld zurückzuführen sei und sich bis ins nächste Jahr fortsetzen werde.

Anzeige