Was sich im ersten Moment als Konflikt zwischen dem Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) und der Gewerkschaft Unia präsentierte, entwickelt sich immer mehr zu einer verbandsinternen Auseinandersetzung: Nach dem Nein der Baumeister zum neuen Landesmantelvertrag ist SBV-Präsident Werner Messmer unter Beschuss geraten.

Jetzt werfen grosse Unternehmen wie Implenia, die an der DV den Mantelvertrag unterstützten, dem Verbandspräsidenten vor, durch falsche Verhandlungsführung das negative Ergebnis provoziert zu haben. Nach Meinung von Implenia-Chef Christian Bubb habe sich Messmer zudem zu wenig für den Kompromissvorschlag engagiert. Implenia versucht nun, mit anderen Grossen der Branche, über eine ausserordentliche Delegiertenversammlung dem Landesmantelvertrag doch noch zum Durchbruch zu verhelfen.

Implenia hat in diesem Zusammenhang ihre Mitgliedschaft im SBV zur Diskussion gestellt. Das zeigt, dass es in der aktuellen Auseinandersetzung um eine grundsätzliche Frage geht: Kann der Verband gleichzeitig die unterschiedlichen Interessen der grossen und kleinen Unternehmen vertreten? Beim Landesmantelvertrag ist die Sache klar: Grosse sind stärker auf Spielregeln im Verhältnis von Arbeitgeber – Arbeitnehmern angewiesen als kleine Baunternehmen, denen die Gewerkschaften kaum täglich im Nacken sitzen.

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Pikant: Vor zwei Jahren hatte der SBV mit einer Austrittsdrohung Economiesuisse in eine tiefe Strukturkrise gestürzt. Die Baumeister sahen ihre Interessen vom Spitzenverband der Schweizer Wirtschaft ungenügend vertreten. Unterstützt wurde der SBV von der Swissmem. Der Druck der beiden mächtigen Mitglieder führte bei Economiesuisse zu einer personellen, strukturellen und politischen Neuorientierung.

Grundsätzliche Fragen

Auch im Schweizerischen Gewerbeverband (SGV) brodelt es: Mitten in eine Strategiediskussion platzt dieser Tage ein Frontalangriff der SVP. Sie versucht, mehr Einfluss auf die ihrer Ansicht nach lahmen Wirtschaftsverbände zu nehmen. Jetzt droht sie mit dem Aufbau einer eigenen Organisation, sollte der SGV nicht konsequente Ordnungspolitik betreiben.

Der SVP missfällt auch, dass die SGV-Spitze mit Präsident Edi Engelberger und Direktor Pierre Triponez freisinnig besetzt ist. Während Triponez 2008 in Pension geht, will sich Engelberger im Mai der Wiederwahl stellen – der Grund, weshalb die SVP-Attacke gerade jetzt erfolgt.