Die Krise setzt auch dem grössten Schweizer Reiseunternehmen zu: Die Kuoni-Gruppe rapportiert für das 1. Halbjahr 2009 einen Konzernverlust von 51 Mio Fr., nachdem der Gesamtumsatz um 21% auf 1,76 Mrd Fr. eingebrochen ist.

Wie sich Kuoni aktuell im Heimmarkt schlägt, lässt sich infolge des modifizierten Reporting des Reisekonzerns nicht mehr sagen. Neu werden die Zahlen nach Divisionen statt Ländern ausgewiesen. Kuoni Schweiz gehört zu den Bereichen «Style» (Premiumreisen) und «Smart» (Pauschalreisen).

Kuoni Schweiz verliert 13 Prozent

Einzig die Subdivision «Style Switzerland» wird für das 1. Halbjahr 2009 offengelegt. Hier ging der Nettoerlös um 10,7% auf 242 Mio Fr. zurück. «Style Switzerland» umfasst vor allem die Marke Kuoni und die mehr als 100 eigenen Reisebüros. Zu «Smart Switzerland» gehören etwa die Marke Helvetic Tours sowie die Bahnreisenspezialisten Railtour und Frantour.

Aus gut unterrichteten Kreisen weiss die «Handelszeitung», dass «Style Switzerland» gut zwei Drittel zum Umsatz beiträgt. Dies bedeutet, dass «Smart Switzerland» im 1. Halbjahr 2009 etwas über 120 Mio Fr. zum Ergebnis beigetragen hat, was für Kuoni Schweiz einen Nettoerlös von fast 370 Mio Fr. ergibt. Dies sind 13% weniger als im 1. Halbjahr 2008, wobei im Resultat von 426 Mio Fr. noch die Einnahmen der Edelweiss Air enthalten sind, die Kuoni per 1. November 2008 an Swiss verkauft hat.

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Zum hiesigen Geschäftsgang erklärt Konzernleitungsmitglied Stefan Leser, Head Division Smart und CEO Kuoni Schweiz, auf Anfrage einzig: «Aufgrund der Überkapazitäten ist der Schweizer Reisemarkt einer der wenigen mit sinkenden Durchschnittserträgen. Deswegen geht die Profitabilität in der gesamten Branche zurück.»

Falls diese noch vorhanden ist - nach den ersten sechs Monaten weisst «Style Switzerland» einen Betriebsverlust von 10,9 Mio Fr. aus. Im Vorjahr war es noch ein Betriebsgewinn von 0,8 Mio Fr. Dies ist laut Kuoni-CEO Peter Rothwell «das schlechteste Resultat aller Einheiten». Trotzdem hofft er, das Geschäftsjahr 2009 mit einem positiven Betriebsergebnis zu beenden; vorausgesetzt, die Schweinegrippe verläuft weiter glimpflich.

Schalter bei M-Travel wie gekippt

Auch M-Travel Switzerland bekommt die Krise zu spüren. «Weil wir das Heft aber selbst in die Hand genommen haben, wirkt sich der Abschwung weniger schlimm aus», sagt Thomas Stirnimann, CEO der Schweizer Geschäftseinheit der Migros-Reisetochter Hotelplan. «Nachdem die Konkurrenz 2008 von unserer Reorganisation profitiert hat, gewinnen wir 2009 Marktanteile zurück.» M-Travel Switzerland liegt derzeit geschätzte 7 bis 8% hinter dem Vorjahr zurück. Fest steht, dass M-Travel Switzerland das Geschäftsjahr 2008/09 mit einem Verlust abschliessen dürfte.

Gemischt sind Stirnimanns Gefühle für die Zukunft: «Seit vier, fünf Wochen sind die Buchungseingänge wirklich schlechter - als ob ein Schalter gekippt worden sei.» Erklären könne er sich dies nicht. «Wenn es so weitergeht, werden auch wir dieses Jahr beim Umsatz noch mehr verlieren.»

Knecht vermag Umsatz zu halten

Im Gegensatz zu den Top-Drei setzt die Nummer vier, Knecht, nicht auf den Massenmarkt mit Badeferien, sondern auf massgeschneiderte Fernreisen. Dieses Segment scheint krisenresistenter.

«Während der Schweizer Markt dieses Jahr zwischen 15 und 16% verliert, liegen wir per Ende Juli 10,6% hinter dem Vorjahr», sagt Roger Geissberger, CEO des zur Knecht Holding gehörenden Reiseunternehmens. Alles in allem liege man für 2009 in etwa auf dem Budgetkurs, in dem ein Umsatzminus von 9 bis 11% einkalkuliert sei. «80% dieses Umsatzes haben wir bereits in unseren Büchern», fügt Geissberger hinzu. Effektiv werde der Umsatz aber im Bereich des Vorjahres - damals 174,5 Mio Fr. - liegen. Dies dank der Übernahme von vier weiteren Reisebüros.

«Wir werden auch im von der Krise geprägten Geschäftsjahr 2009 profitabel bleiben», ergänzt Geissberger. Doch der Gewinn dürfe sich nach den Rekordjahren 2007 und 2008 mit Betriebsmar-gen von 4,5 bzw. 3,8% tendenziell mehr als halbieren, «weil wir an unserem Personal festhalten, was einen Impact auf unseren Gewinn hat».

Keine Veränderung bei den Prognosen gibt es von der Nummer drei der Schweiz, TUI Suisse: «Für das Geschäftsjahr 2008/09 liegt der Umsatz im Veranstaltergeschäft rund 15% unter dem Vorjahresniveau», sagt CEO Martin Wittwer. Und: «Wir werden dieses Jahr mit einem positiven Resultat abschliessen.»