Die Ankündigung war selbstbewusst, wie üblich. Als Etihad in der vergangenen Woche ein neues Luftfahrtbündnis bekannt gab, betonte Konzernchef James Hogan, dass die Partnerschaft von bisher sechs Airlines über eine traditionelle Allianz hinausgehe.

Etihad will also nicht nur auf Augenhöhe mit den grossen Kooperationen spielen, sondern gleich einen Schritt weiter sein. Ein gewagter Anspruch, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt: Etihad verbindet mit seinen Partner-Airlines – darunter die Schweizer Etihad Regional und Air Berlin – gerade einmal 250 Destinationen miteinander.

Weltgrösste Allianz rund um Lufthansa

Zum Vergleich: Die weltgrösste Kooperation rund um die Lufthansa, die Star Alliance, verknüpft 27 Fluggesellschaften und 1316 Destinationen miteinander. Selbst der kleinste Zusammenschluss – Oneworld – verbindet mit 15 Mitgliedern noch 982 Ziele.

Ausserdem bietet das Vorteilspaket für Kunden von Etihad wenig Innovatives: ein erweitertes Streckennetz durch untereinander abgestimmte Flugpläne und ein Meilensammel-Programm für Vielflieger.

Puzzleteil in Europa-Strategie von Etihad

Dennoch ist Luftfahrtexperte Andreas Wittmer sicher, dass der Verbund Etihad dabei hilft, in Europa weiter Wurzeln zu schlagen. «Etihad fährt eine knallharte Strategie, um den europäischen Airlines Marktanteile abzuwerben», sagt der Direktor des Aviatikzentrums der Universität St. Gallen. «Das neue Luftfahrtbündnis wird dabei helfen.»

Das Bündnis rund um die arabische Airline ist wohl ein wichtiges Puzzleteil in ihrer Strategie – vor allem um die Partner-Fluggesellschaften enger zu binden. Für Air Berlin zum Beispiel gäbe es die Möglichkeit, das Kabinendesign aus den Etihad-Kompetenzzentren in Abu Dhabi zu übernehmen, wie Sprecher Aager Dünhaupt sagt. So, wie die Lufthansa es für kleinere Fluggesellschaften liefert.

Mittelpunkt eines europäischen Netzwerkes

Etihad wird immer mehr zum Mittelpunkt eines europäischen Netzwerkes. Das zeigen auch die Codesharing-Abkommen, die derzeit entstehen. Für Fluggäste hat das Vorteile: Bei diesen Abkommen erhalten Flüge von zwei Airlines die gleiche Flugnummer, der Kunde kann über beide Anbieter buchen.

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Das ist wichtig auch bei Umsteigeflügen, die Strecken von beiden Airlines enthalten. Bei einem Codesharing-Angebot braucht der Kunde nur ein Ticket. «Codeshare-Flüge sind ökonomisch und ökologisch sinnvoll, weil sie dafür sorgen, dass die Flüge besser ausgelastet sind», sagt Luftfahrtexperte Widmer. «Hier ist ausserdem noch Luft, um Kosten zu senken – die Etihad nutzen möchte.»

Gemeinsame Flüge mit Air Berlin

Die arabische Airline konnte dabei gerade einen Erfolg verbuchen: Am Donnerstag gab das deutsche Luftfahrtbundesamt die gemeinsamen Flüge mit Air Berlin doch frei, die es zunächst untersagt hatte. Air-Berlin-Sprecher Dünhaupt nannte diesen Sinneswandel eine Entscheidung auch von politischer Seite. Verkehrsminister Alexander Dobrindt hatte Air Berlin zuvor zugesagt, die Auswirkungen der des Codeshare-Verbotes abzumildern. Eine Woche später kam die Genehmigung doch.

Gleichzeitig haben sich Air Berlin und Alitalia für eine Flug-Kooperationen entschieden. An beiden Airlines ist Etihad beteiligt. Auch die Schweizer Etihad Regionals arbeitet bereits mit Alitalia zusammen und verhandelt derzeit mit Air France, die wiederum ihrerseits gemeinsam Flüge mit Etihad durchführt. Das Netzwerk rund um die arabische Airline wird stets dichter.