Neue Zeiten bei der Migros: Seit Beat Zahnd dem Deutschen Dieter Berninghaus vor gut einem Jahr als Chef des Departements Handel gefolgt ist, verblüfft der «orange Riese» mit bisher ungekannten Massnahmen. Trauriger Höhepunkt ist bislang die Streichung von 43 der 57 Filialen und von 114 Arbeitsplätzen bei der Medienhandelstochter Ex Libris.

Evaluation mit Extremszenario

Zahnd liess sein Portfolio (darunter Globus, Denner, Migrol, Interio, Ex Libris) von McKinsey-Beratern durchleuchten. Dem Ex-Libris-Chef Daniel Röthlin brauchten Zahnd und seine «Meckies» allerdings keine Beine zu machen: Röthlin hat Ex Libris «zum Händler mit dem höchsten Online-Anteil Europas» transformiert; 62 Prozent Umsatz erzielt Ex Libris bereits übers Netz. Und der Marktanteil im Schweizer Buchhandel wurde «in den letzten zehn Jahren verdoppelt», betont Röthlin. Genaue Zahlen verschweigt er. Seine Strategie wurde jedenfalls intern bestätigt.

In die Evaluation ging Röthlin sogar mit dem Extremszenario, «Ex Libris künftig ohne Filialen als reinen Onlinehändler zu führen». Bei der folgenden Analyse habe ihn McKinsey «begleitet», sagt Röthlin. Die verbleibenden 14 Filialen sollen einer internen Hochrechnung zufolge bis mindestens 2020 rentabel geführt werden können, selbst wenn die Umsätze weiterhin fallen. Und sie sollen der Marke Ex Libris die Handelsidentität erhalten helfen. Zugleich wird Ex Libris die 380 «PickMup»-Stationen der Migros-Gruppe für Abholungen und Retouren mitnutzen.

Daniel Röthlin und Beat Zahnd

Ex-Libris-Chef Daniel Röthlin (l.) ist fast acht Jahre im Amt, hat sich seinen Innovationsgeist aber bis heute bewahrt. Beat Zahnd, neuer Chef des Departments Handel bei der Migros, möchte sich offensichtlich als Aufräumer beweisen.

Quelle: ZVG
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Tragfähige Logistik als Kerngeschäftsfeld

Dass der radikale Schnitt gerade jetzt vollzogen wird, hat laut Röthlin, der sich auch persönlich um neue Jobs für die Betroffenen bemüht, finanzielle Gründe. Die im Filialgeschäft auflaufenden Verluste, welche die ganze Firma ins Minus gedrückt haben, hätten «dauerhaft verhindert, dass wir genügend erwirtschaften, um in die Zukunft zu investieren». Damit meint er nicht den Onlineshop; der ist mit Hörproben und Videotrailern gut ausgerüstet.

Sondern, für die Zukunft als Onlineplayer, eine tragfähige Logistik – die ist hier ein Kerngeschäftsfeld. Röthlin lässt offen, ob Ex Libris dafür den Migros-Partner Brack nutzen oder selbst eine Logistikkette aufbauen will, das werde «in den nächsten Monaten entschieden». Er selbst «möchte die Logistik als Kernkompetenz möglichst nicht aus der Hand geben».

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