Nach dem Rücktritt von Banker-Schwergewicht Oswald Grübel als UBS-Chef entwerfen die Analysten Szenarien über die Zukunft der grössten Schweizer Bank. Der Kurs der umstrittenen Investmentbank in ruhigere Fahrwasser berge auch Risiken, warnen sie.

Peter Thorne vom Brokerhaus Helvea findet die offizielle Begründung für Grübels Rücktritt, der 2,3-Milliarden-Dollar-Verlust durch einen Händler-Skandal in London, «seltsam». Er vermutet, Grübel sei mit seinem Festhalten an einer grossen Investmentbank auf Ablehnung gestossen: «Wir glauben, dass der Wille des Gremiums, die Investmentbank zu verkleinern, mehr damit zu tun hatte.»

Investmentbank stutzen

Weil die Investmentbank bisher 70 Prozent des UBS-Kapital beansprucht habe, würden die Investoren ein Zurückstutzen dieser Abteilung begrüssen, schreibt Thorne. Die Deutsche Bank hingegen warnt dafür, dass der Umbau der Bank mit Risiken verbunden sei: Mit einer kleineren Investmentbank würde die UBS an Bedeutung verlieren, wie das schon bei anderen Banken der Fall gewesen sei.

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Die Deutsche Bank geht davon aus, dass die UBS am 17. November am Investorentag mehr über ihre Zukunft bekannt geben werde. Aus verschiedenen Statements von UBS-Präsident Kaspar Villiger vom Wochenende lesen die Analysten heraus, dass der risikoreiche Eigenhandel geschlossen werden könnte.

Die Bank Vontobel geht davon aus, dass der neue UBS-Chef Sergio Ermotti, auch wenn er bisher nur interimistisch in seiner Funktion ist, die Kaptialeffizienz der Investmentbank erhöhen werde. Auch werde er das Risikosystem verbessern, was das Vertrauen der Anleger in die Bank stärken dürfte.

Investmentbank für reiche Privatkunden

Dass sich die Strategie der Bank deutlich ändert, bezweifelt die Zürcher Kantonalbank (ZKB). An der integrierten Bank, wo die Investmentbank auch Produkte für die wohlhabenden Kunden der Vermögensverwaltung lanciert, halte die UBS ja fest.

Die ZKB sieht in den UBS-Ankündigungen vom Wochenende aber eine mögliche engere Ausrichtung der Investmentsparte auf die Vermögensverwaltung.

ZKB-Analyst Andreas Venditti geht in jeden Falle davon aus, dass der Umbau leichter angekündigt sei, als er dann durchzuführen sei. Der Druck der Regulatoren und die starke weltweite Konkurrenz der UBS stellten Ermotti vor Herausforderungen.

(laf/tno/sda)