Der schwarze Montag an den Finanzmärkten wird von den Schweizer KMU genau verfolgt. Denn: «Die Sorge besteht darin, dass sich die Verunsicherungen bei Konsumenten und Unternehmen auf deren Ausgaben- und Investionsbereitschaft auswirken und wichtige Märkte in eine Rezession gleiten könnten», sagt Martin Strehl, CEO des Maschinenunternehmens Schleuniger, in einer gemeinsam von «Handelszeitung» und Swiss Economic Forum durchgeführten Umfrage.

Die Folgen sind unangenehm

Die Firmen aus der Baubranche und der Industrie haben für dieses Jahr zwar mehrheitlich gut gefüllte Auftragsbücher, sodass sie davon ausgehen, 2008 weitgehend schadlos zu überstehen. Für Rudolf Fehlmann, CEO des IT-Unternehmens Bison Schweiz AG, war die diesjährige Cebit ein wichtiger Gradmesser: «An der Messe war die Investitionslust ungebrochen, das heisst, die Zeichen aus dem Markt sind positiv.» Allerdings ist sich Fehlmann bewusst, dass die Finanzkrise für die ganze Schweizer Wirtschaft unangenehm ist.

In der Gastronomie und im Tourismus blickt man beunruhigter in die Zukunft. Stagniere das verfügbare Einkommen als Folge der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, dann sind laut Philippe Echenard, CEO von SV Schweiz, die Gastronomie und die Hotellerie direkt betroffen. Die Ausgaben werden nicht mehr weiter steigen. Für Freizeit und Reisen werde weiterhin Geld in die Hand genommen, sagt André Lüthi, CEO von Globetrotter Travel Service. «Sollte es aber noch mehr abwärts gehen, würde sicher auch beim Reisen gespart.»

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Armin Lederer, COO von Maxon Motor, geht davon aus, dass die Vergabe von Krediten an Unternehmen künftig unter strengeren Regeln erfolgt und somit Risikokapital schwieriger zu bekommen ist. Eine weitere Gefahr besteht nach Ansicht von Karl Meier, Chef von Endress+Hauser Metso, in der Konsumentenstimmung. «Schlägt diese wegen der Finanzkrise um, so wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch die Konjunktur negativ beeinflusst.» Deshalb müsse die Finanzbranche alles daran setzen, um das Vertrauen ihrer Kunden und Aktionäre so schnell wie möglich wieder herzustellen.

Die Krise wird mehrheitlich aber auch als Chance angesehen. Gregor Stücheli, CEO von T-Systems Schweiz, ist mit Blick auf die Geschichte der Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg zuversichtlich: «Dank hoher Anpassungsfähigkeit, guter Ausbildung und Leistungsbereitschaft ging die Schweiz schon öfters aus Krisen gestärkt hervor.» Das Land habe ideale Karten, um eines der konkurrenzfähigsten Länder der Welt zu bleiben. «Während Mitkonkurrenten an Produktivität verloren haben, hat die Schweiz diesbezüglich viel getan und kann sich mit Innovationen in der ganzen Prozesskette differenzieren.»

Innovationskraft stärken

Eine Einschätzung, die von Lederer on Maxon geteilt wird: «Die Hausaufgaben in Bezug auf Innovationsstärke und Produktivität sind in vielen Unternehmen erledigt.» Allerdings müssten die spezifischen Standortvorteile künftig noch stärker genutzt werden. Diesbezüglich fordert Martin Zaugg, CEO der IT-Firma in4U AG, ein aktiveres Vorgehen in Bern: «Durch das zögerliche und nicht zukunftsorientierte Verhalten der Politik werden die dringend benötigten Rahmenbedingungen nicht realisiert.» Zaugg erinnert daran, dass die Schweiz in vielen Bereichen wie in der alternativen Technologie ihre Spitzenposition der 1980er und 1990er Jahre «total verschlafen» habe – das gelte es jetzt zu verhindern.

Doris Albisser, CEO der Sprachdienstleisterin CLS Communications, warnt: «Unsere Wohlfühlkultur könnte längerfristig zu einem Bumerang werden.» Die Schweiz sei für weitere Höchstleistung sehr gut gerüstet, «sofern wir die Akzente auf unsere Wettbewerbsvorteile setzen, ein hohes Aus- und Weiterbildungsniveau aktiv fördern und uns nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen».