Wie sollen die Rahmenbedingungen verändert werden, damit eine nächste Krise, welche die Wirtschaftswelt erneut an den Rand des Abgrunds bringt, verhindert werden kann? «Die Rahmenbedingungen müssen so gestaltet sein, dass weltweit tätige Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben», fordert Swiss-CEO Harry Hohmeister. Allerdings hat die Krise protektionistische Tendenzen verstärkt, was gerade für stark auf den Export ausgerichtete Schweizer Unternehmen besonders gefährlich ist. «In der Luftfahrt wird auf internationaler Ebene in einigen Bereichen mit ungleichen Spiessen gemessen», konstatiert Hohmeister. Deshalb gelte es gerade für eine stark vom Export abhängige Wirtschaft, grenzübergreifende Lösungen zu propagieren. «Die Märkte sind im Umbruch, so müssen wir flexibel, innovativ und kostenbewusst bleiben.»

Protektionismus nimmt stark zu

Eine hohe Gefahr in protektionistischen Tendenzen sieht auch Risikokapitalist Peter Friedli. «Je höher die Verschuldung und die Arbeitslosigkeit, desto grösser ist die Versuchung, protektionistische Massnahmen zu ergreifen oder durch Überregulierung zu reagieren», befürchtet er. Gleichzeitig warnt der VR-Präsident von Friedli Corporate Finance: «Die Politik darf den Unternehmen keine schlechten Rahmenbedingungen aufhalsen.» Im Zweifelsfall sei es besser, nichts zu tun statt das Falsche. Diese Meinung teilt Peter Gomez, VR-Präsident der Börsenbetreiberin SIX Group: «Mit weiteren Regulierungen muss sparsam umgegangen werden», fordert er. Aus seiner Sicht braucht es als Konsequenz aus der Krise keine grundsätzlich neuen Wege. «Die Schweizer Wirtschaft muss ihre traditionellen Stärken ausspielen und ihre Wettbewerbsvorteile konsequent nutzen.» Entscheidend werde es sein, der Schweizer Wirtschaft den Zugang zu den Märkten noch besser zu gewährleisten. Genau da sieht Daniel S. Aegerter, VR-Präsident der Armada Investment Group, Handlungsbedarf: «Die Schweizer Wirtschaft ist diversifiziert, gesund und international konkurrenzfähig, benötigt aber eine stärkere Rückendeckung vom Staat in der Verhandlung und der Interessenvertretung bei internationalen Abkommen.» Dabei müsse auch das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Staat überdacht werden. «Wie will der Staat die Finanzen sanieren, ohne die Wirtschaft zu belasten und das Wachstum zu gefährden?»

Riskante Abhängigkeit

Die staatliche Hilfe habe eine gefährliche Abhängigkeit der Wirtschaft vom Staat geschaffen. «Wir müssen wieder weg von staatlichen Subventionen», ist der Unternehmer Peter Steiner überzeugt. «Die Eigenverantwortung zählt.» Es bestehe das Risiko, dass die politischen Rahmenbedingungen als Folge der Krise vermehrt wirtschaftsfeindlich ausgestaltet würden. «Immer neue Steuern und Gebühren beeinträchtigen aber die Wettbewerbsfähigkeit.» Nach aussen müsse die Schweiz ihre Reputation als verlässlicher Partner wiedererlangen, und an den Firmen sei es, alles zu unternehmen, um die Innovationskraft beizubehalten. Gerade die Krise hat nach Ansicht von Bruno Raschle, Gründer und CEO der Private-Equity-Gesellschaft Adveq, unterstrichen, wie wichtig eine langfristige Ausrichtung der Wirtschaft ist. «Die Wirtschaft muss sich öffnen, um sich heute schon bezüglich der Bereiche Bildung, Innovation oder neue Wertschöpfungsketten auf mögliche politische und wirtschaftliche Szenarien in zehn oder zwanzig Jahren einzustellen.» Damit dies gelingt, braucht es laut Patrick Aebischer, Präsident der ETH Lausanne, eine intensivere Zusammenarbeit zwischen dem Staat, den Universitäten und der Wirtschaft. «Die Forschung und die Innovation stärken, ist jetzt besonders wichtig. Denn gerade in Krisenzeiten ist diese Stärkung wichtig, um die Schweiz gut für die Zukunft zu positionieren.» Diese Innovationskraft möchte auch Jean Pierre Cuoni, VRP der Bank EFG International, nutzen. «In den 30er-Jahren fanden jene Länder als erste den Weg aus der Rezession, die ganz neue Produktionsansätze entwickelten.» Gerade bei umweltschonenden Produkten habe die Schweiz grosse Chancen. Darum gelte es, die Nachfrage durch wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen und Handelsabkommen zu stimulieren.Mutige Wege wünscht sich der Headhunter Björn Johansson auch in der Standortpolitik: «Die Schweiz sollte sich als neuer europäischer Standort für chinesische und indische Firmen positionieren. «Denn in den nächsten zehn Jahren würden China und Indien viele europäische und amerikanische Firmen kaufen und integrieren.

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