1. Home
  2. Unternehmen
  3. Wie Pierin Vincenz von seinen Doppel-Deals profitierte

Justiz
Wie Pierin Vincenz von seinen Doppel-Deals profitierte

Pierin Vincenz
Pierin Vincenz: Sitzt seit zwei Wochen in Untersuchungshaft. Quelle: Keystone

Neue Recherchen zeigen: Die angeblich unabhängigen Gutachten zu Vincenz' Agieren bei Raiffeisen zeigen Widersprüche.

Veröffentlicht am 11.03.2018

Pierin Vincenz sitzt seit fast zwei Wochen in Untersuchungshaft. Die Vorwürfe der persönlichen Bereicherung bestreitet er, unter anderem mit dem Verweis Gutachten, die von angeblich unabhängiger Seite bestätigen würden, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

Recherchen der «Sonntagszeitung» legen nun offen, dass zumindest eines der Gutachten keineswegs lückenlos die Rechtmässigkeit von Vincenz’ Verhalten belegt. Als Raiffeisen-Chef stützte sich Vincenz beim Kauf der Commtrain Card Solutions (CSS) auf ein geheimes Gutachten des Aktienrechtlers Peter Forstmoser. Dieses liegt der «Sonntagszeitung» vor.

Gutachter Forstmoser befangen

Bereits auf der ersten Seite weist Forstmoser selbst auf seine Befangenheit hin. Er hält fest, dass er Partner von Peter Honegger sei. Dieser war zum Zeitpunkt des Gutachtens Vincenz’ Rechtsberater, und ist es demnach bis heute.

Das Gutachten zeigt, dass Vincenz und Aduno-Chef Beat Stocker durch ihre Beteiligung an der CSS bei der Übernahme durch Aduno jeweils einen Gewinn von mehr als 400 Prozent innert eines Jahres erzielt haben, bei einem Einsatz von je 400’000 Franken. Gutachter Forstmoser hält fest: «Ein erheblicher Gewinn in kurzer Zeit.» Dennoch bestätigt er in dem  Gutachten, Vincenz habe nicht wissen können, dass es zur Übernahme komme. Diese Schlussfolgerung ist laut «Sonntagszeitung» nicht nachvollziehbar angesichts anderer zeitlicher Details, die in dem Dokument beschrieben werden.

Widersprüchliche Angaben zu Vincenz' Agieren

Im Gutachten wird auch festgehalten, dass das Regelwerk der Raiffeisen eine Ausstandspflicht für Organperson vorsieht, wenn Geschäfts behandelt werden, mit denen sie verflochten sind. Auf Seite 35 ist zu lesen, Vincenz habe gegen diese Regel verstossen. In der Zusammenfassung auf Seite 37 heisst es trotzdem, es habe keine Regelverstösse gegeben.

Raiffeisen-Präsident ad interim, Pascal Gantenbein, hat diese Woche zugestanden, dass Artikel von «Inside Paradeplatz» den Anstoss gaben, die Affäre um Vincenz und Beat Stocker ins Rollen zu bringen. Dies seien «zentrale Artikel» gewesen, sagte er laut «Sonntagsblick». Dokumente belegen nun, wie beide Vincenz und Stocker den Journalisten Lukas Hässig, der «Inside Paradeplatz» stark unter Druck gesetzt haben, um die Publikation der Artikel zu unterbinden.  

(me)

 

Anzeige