Die mondänen Partys der griechischen Reeder beherrsch­ten Mitte des letzten Jahrhunderts die Schlagzeilen der Regenbogenpresse. Die reichsten Tycoons, Aristoteles Onassis (1906–1975) und Stavros Spyros Niarchos (1909–1996), wetteiferten mit­einander, wer die exklusivsten Feste veranstaltet, die schönsten Frauen hat und die grösste Yacht steuert.

Onassis lud Gäste auf seine griechische Privatinsel Skorpios ein oder feierte rauschende Feste auf seiner Yacht «Christina». ­Niarchos wollte seinem Gegenspieler, der gleichzeitig sein Vorbild war, in nichts nachstehen. Der fünfmal verheiratete Reeder bat zur Party auf seine Insel Spetsopoula oder auf seine nicht minder luxuriöse Segelyacht «Creole».

In St. Moritz eine neue Heimat gefunden

Gegen Ende der fünfziger Jahre ­pendelte Niarchos zunehmend zwischen ­seinen Wohnsitzen in Athen, London und St. Moritz. Vor allem der Engadiner Nobel­ort hatte es ihm angetan. Er ­verbrachte dort immer mehr Zeit, nach dem Ende der Militärdiktatur 1974 liess er sich endgültig in St. Moritz nieder.

Auch andere Reeder und Superreiche aus Hellas entdeckten das süsse Leben in der Schweiz – aber auch das Bankgeheimnis und die vermögensschonende ­Pauschalbesteuerung. George Livanos richtete sich in Gstaad häuslich ein, die Onassis-Tochter Christina zog in eine Villa in St. Moritz, John Spyridon Latsis dockte in Bellevue nahe Genf an, George Embiricos wie auch Basil Goulandris ­liessen sich in der Nähe von Lausanne nieder.

Neue Geschäftszweige

Stavros Niarchos liess es in St. Moritz richtig krachen. Doch die anderen Schiffseigner hielten sich in ihrer neuen Heimat zurück. Erst recht in den siebziger Jahren; damals brach die Ölkrise über die Industrieländer herein. Die damit einhergehende Flaute auf dem Markt für Öltanker bescherte den griechischen Reedern schwere Verluste. So begannen die meisten Familien damit, von der Schweiz aus ihre Aktivitäten neu zu bündeln.

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John Spyridon Latsis (1910–2003), der zuvor schon ins Ölgeschäft ­diversifiziert hatte, erwarb 1980 die ­Genfer Banque de Dépot – von der Onassis-Gruppe. Zudem investierte er in ­Baufirmen, in Immobilien sowie in die Luftfahrt. Sein Sohn Spiro Latsis (69), der im Gegensatz zu anderen Reedersöhnen nie als Lebemann Schlagzeilen machte, kaufte weitere Geldhäuser dazu und baute mit der EFG Group eine schlagkräftige Finanzgruppe mit bedeutenden Aktivitäten in Griechenland auf. Mit im Verwaltungsrat sitzen seine Schwestern Anne-Marie und Marguerite Latsis, beide in Genf eingebürgert.

Vermögensschwund wegen geplatzter Schuldenblase

Die Strategie des Latsis-Clans schien aufzugehen. ­Zwischen 2002 und 2007 stieg das Fami­lienvermögen in der BILANZ-Liste der 300 Reichsten der Schweiz um 8 auf 13 bis 14 Milliarden Franken. Dann platzte Griechenlands Schuldenblase. Die EFG war massiv in griechischen Staatsbonds investiert, dazu kamen milliardenschwere Ausstände bei griechischen Schuldnern.

Zwar flossen aus dem Euro-Rettungsschirm über vier Milliarden in die EFG-Kasse. Dennoch haben die ­Latsis seither rund zehn Milliarden ­Franken an Vermögen eingebüsst. Mit einem geschätzten Vermögen von 3 bis 3,5 Milliarden bleiben die Latsis der weltweit reichste Griechen-Clan – zusammen mit Niarchos.

Über den Livanos-Clan ist nur wenig bekannt

Trotz widriger Umstände dem Reedereigeschäft treu geblieben ist der Livanos-Clan. George Livanos (1926–1997), sowohl griechischer wie amerikanischer Bürger, baute die Reederei seines Vaters weiter aus. Lange Zeit leitete er die in ­Piräus ansässige Ceres Hellenic Shipping Enterprises vor Ort, nach seinem Umzug in die Schweiz von Lausanne aus. Seit 1994 führt Sohn Peter (57) die Familienfirma, die eine Flotte von Tankern, Massengutfrachtern und Fähren betreibt.

Peter Livanos ist ein Meister der Camouflage. Über seine Firma ist kaum etwas bekannt, die Homepage ist dauerhaft «under construction». Von ihm gibt es kaum Fotos und erst recht keine Interviews. Obwohl er seit langem in Gstaad wohnt, weiss im Ort fast niemand etwas über ihn.

Da muss es ihn mächtig ge­ärgert haben, als vor einigen Jahren seine spektakulären Baupläne an die Öffentlichkeit gezerrt wurden. An schönster Hanglage liess er zwei Chalets errichten. Kosten: über 100 Millionen Franken. Sichtbar ist nur ein Teil. Dafür wurde tief in den Boden gebaut: Auto-Einstellhalle, Kinosaal, Wellnessoase samt Hallenbad, Bar, Partyraum, Weinkeller, halt alles, was nötig ist zum Leben.

Unsichtbar in Saanen: Angelopoulos-Clan

Erfolgreich bedeckt hält sich auch der Angelopoulos-Clan. Theodore Angelo­poulos (72) lebte bereits vor langer Zeit in der Schweiz und hat an der Uni Zürich Business Administration studiert. Danach kehrte er nach Griechenland zurück und übernahm die Familien­geschäfte: Stahl und Schifffahrt. Als sich die Schuldenkrise in seinem Heimatland verschärfte, parkierte er einen Teil des familiären Vermögens in einer neu gegründeten Stiftung in Genf, seither lebt die Familie in Saanen im Berner Oberland. Bereits Jahre zuvor hat er in Vaduz die Familienstiftung Oktan alimentiert.

Während der Clanchef die Öffentlichkeit scheut, sucht seine Frau die Kameras. Gianna Angelo­poulos-Daskalaki (59) sass im Parlament als Abgeordnete der Nea Dimokratia und wurde berühmt als Präsidentin des Organisationskomitees der Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen.

Zeitweise wurde sie sogar als mögliche Premier­ministerin gehandelt. Doch ihr Stern ist nach diversen Skandalen gesunken. So deklarierte sie die Familienvilla in Athen als Kaufhaus, um günstigere Strompreise zu erhalten. Dabei zählt die Familie zu den Reichsten im Land. Doch wie hoch ihr Vermögen ist, weiss kein Aussenstehender: Die Schätzungen reichen von 200 Millionen bis 1,8 Milliarden Franken

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