«Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast» – dieses Bonmot gilt in abgewandelter Form auch für die Finanzberichterstattung hiesiger Banken, wie eine neue Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) belegt. Demnach zeigen 77 Prozent der Diagramme eine «verzerrte» Wirklichkeit, sprich: die effektiven Zahlen und der visuelle Eindruck weichen klar voneinander ab.

«Während die Ermittlung der Finanzzahlen durch umfangreiche Rechnungslegungsstandards geregelt ist, besteht bei deren grafischer Darstellung grosser Spielraum», folgern die Forscher. Für ihre Studie haben sie die Präsentationen der Jahresergebnisse 2014 der 19 grössten und wichtigsten Banken des Landes analysiert.

Schrauben an der Skala

Die Geldinstitute bedienen sich demnach zahlreicher Tricks, um sich selbst ins beste Licht zu rücken: Sie blenden negative Entwicklungen aus, ignorieren Seitenverhältnisse und schneiden beliebig die Achsen zurecht (siehe Bildergalerie oben).

Vor allem das Schrauben an der Skala scheint beliebt: Fast alle Banken verwenden Diagramme mit abgeschnittenen Skalen, womit sich positive Entwicklungen optisch noch positiver darstellen lassen. Ein Hinweis auf die abgeschnittene Skala fehlt meistens. So kann die Verzerrung nur durch Nachmessen festgestellt werden.

Rosige Diagramm-Welt

Der Drang der Finanzinstitute, sich im besten Licht zu präsentieren, wirkt sich gemäss Studie aber auch direkt auf die Auswahl der Darstellungen aus. So überwiegen Diagramme mit positiver Aussage stark. Dabei konnte kein Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg und dem Anteil positiver Diagramme festgestellt werden.

Auffällig ist, dass sich Banken mit Vorliebe Wachstumsdiagrammen widmen. Die Berichterstattung der Bank Vontobel zum Beispiel werde regelrecht geflutet mit Wachstums-Storys: Ganze 26 Diagramme beschäftigen sich mit diesem Thema, nur deren 15 stehen in Zusammenhang mit anderen Themen wie Profitabilität, Kosten und Risiken. «Vor dem Hintergrund der akzentuierten Kostenproblematik und verschlechterten Cost-Income-Ratios bei vielen Banken ist dies doch überraschend», schreiben die Autoren. Vor allem die Entwicklung der Risiken sowie des Eigenkapitals nähme nur einen kleinen Raum ein.

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Glaubwürdigkeit gefährdet

Die Tricksereien schädigten das Vertrauen in die Institute, glauben die Forscher. «Verzerrte und unzweckmässige Visualisierungen wirken unprofessionell und könnten leicht auch als beabsichtigte Irreführung gewertet werden», heisst es im Schlusswort der Studie.

Dass Top-Manager der Öffentlichkeit solch manipulative Darstellungen zumuten, stimme nachdenklich, warnen die Wissenschaftler. Die Glaubwürdigkeit sei die wichtigste Währung in der Kommunikation. Deshalb sei es schwer verständlich, wieso CEOs und CFOs ihre Glaubwürdigkeit leichtfertig mit mangelhaften Visualisierungen der Finanzzahlen aufs Spiel setzen.