Die heutige Generalversammlung von Novartis steht im Zeichen der Umsetzung der Abzocker-Initiative. Erstmals dürfen die Aktionäre über die Vergütungen der Chefetage abstimmen. Eines scheint aber bereits klar: Es dürfte weniger Trubel geben als im vergangenen Jahr, als die 72-Millionen-Franken-Entschädigung von Daniel Vasella in die aufgeheizte Diskussion um Managerlöhne hereinplatzte, welche die Schweiz im Vorfeld der Abstimmung zur Abzocker-Initiative führte. Dennoch ist auch dieses Jahr wieder mit kritischen Voten zu rechnen. Häufig schreiben sich an den Generalversammlungen grosser Konzerne, die an ihre Chefs Millionengehälter ausrichten, zahlreiche Kleinaktionäre in die Rednerlisten ein.

Mit der heutigen Generalversammlung dürfen damit erstmals Aktionäre eines Grosskonzerns die neuen Rechte ausüben, die ihnen die Abzocker-Initiative verleiht. Grundlage ist die «Verordnung gegen übermässige Vergütung bei börsenkotierten Aktiengesellschaften». Sie trat am 1. Januar 2014 in Kraft.

Novartis nutzt Übergangsfrist

Künftig sind Abgangsentschädigungen, Provisionen für konzerninterne Umstrukturierungen und Vergütungen, die im Voraus entrichtet werden, verboten. Die Generalversammlung stimmt über die Vergütungen ab, die der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung des Unternehmens erhalten sollen. Nicht alle Bestimmungen der Abzocker-Initiative gelten aber ab diesem Jahr. In gewissen Bereichen wird den Unternehmen eine Übergangsfrist gewährt. Ab 2015 müssen dann alle Punkte umgesetzt werden.

Von dieser flexiblen Umsetzung macht Novartis Gebrauch, was an der für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Die Aktionäre stimmen nämlich bei den Verwaltungsräten über die Entschädigung der kommenden Amtsperiode ab - etwas, das ab 2015 nicht mehr erlaubt sein wird. Dagegen bezieht sich die Abstimmung über die Löhne der Geschäftsleitung auf das letzte Jahr.

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Vergütungen im Fokus

Allerdings zeigt die Umsetzung der Abzocker-Initiative bereits Wirkung: Novartis will seinen Verwaltungsräten 2014 den Lohn kürzen. VR-Präsident Jörg Reinhardt soll 4 Mio. Fr. erhalten. Vasella hatte in seiner letzten vollen Amtszeit noch mehr als 13 Mio. Fr. bezogen.

Neuerungen wird es auch bei der Wahl geben. Die GV wählt das Präsidium, die Verwaltungsräte, den Vergütungsausschuss sowie den unabhängigen Stimmrechtsvertreter einzeln und für die Dauer eines Jahres. Bislang waren auch Amtsdauern von mehreren Jahren möglich. Da die Abstimmungen zudem bindend sind, braucht jedes Mitglied die Zustimmung der Mehrheit.

Ethos-Chef bemängelt Umsetzung

Kritik äusserste im Vorfeld Ethos-Chef Dominique Biedermann. Ethos habe auf ein klares Signal von Novartis gehofft, dass der Konzern es ernst meine mit der Umsetzung der Initiative, erklärte Biedermann vergangene Woche in einem Interview mit der «Neuen Luzerner Zeitung». Ethos fordert, dass die Aktionäre nur rückwirkend über die Boni abstimmen, wenn das Geschäftsergebnis schon bekannt ist. Zwar anerkennt Biedermann die Fortschritte beim Vergütungssystem. Dennoch seien die 67,7 Millionen Franken für die Novartis-Geschäftsleitung im vergangenen Jahr zu hoch. Entsprechend wird die Anlagestiftung die Vergütung für die Geschäftsleitung an der heutigen GV ablehnen.

Ein Dorn im Auge ist Ethos auch die fehlende Trennung zwischen fixen und variablen Lohnanteilen. Laut Biedermann sind die Unternehmen nicht bereit, im Voraus transparent die Bonuskriterien und die Ziele zu kommunizieren, die die Manager erreichen müssten.

(sda/moh)

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