Es klingt zunächst, als sollte man diese Option gar nicht erst in Betracht ziehen: Wer seinen Master of Business Administration (MBA) an einer führenden Schule machen will, muss mit Studiengebühren von bis zu 50000 Euro für ein einjähriges Vollzeitprogramm rechnen. Dazu kommen die Kosten für den Lebensunterhalt und der Verdienstausfall. Noch teurer sind die zweijährigen Programme, wie sie an den Kaderschmieden in den USA, aber auch an Spitzenschulen in Europa angeboten werden. Auch die berufs- begleitenden Executive MBA können bis zu 90000 Euro kosten.

27% der Interessenten europaweit sind sich sicher, einen Kredit aufnehmen zu müssen, um an ihr Berufsziel zu gelangen. 17% würden ihre Ersparnisse dafür einsetzen. Das ergab eine Umfrage des Beratungsunternehmens QS Quacquarelli Symonds. Befragt wurden die Besucher der QS World MBA Tour 2007/08. 41% der jungen Leute äusserten gleichwohl die Hoffnung, dass sich der eine oder andere Fördertopf für ihr MBA-Studium öffnen werde. Und in der Tat, es gibt viele Programme, die den Geldbeutel der Bewerber entlas-ten würden. Das Problem dabei: Sie sind oftmals wenig bekannt.

Schulen unterstützen Studenten

Eines der grössten Geheimnisse in der Welt der Managementweiterbildung sei die Anzahl und Vielfalt der Vollstipendien an den Top-Adressen, schrieb das amerikanische Magazin «Business Week» und fand allein an der Darden School of Business an der University of Virginia 61 Stipendien für das zweijährige MBA-Studium. An der Columbia Business School und der Harvard Business School waren es jeweils 25 Stipendien. Dabei seien die meisten Fördermöglichkeiten nicht einmal an besondere Voraussetzungen gebunden, ermittelte «Business Week».

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Aber auch in Europa sprudeln zahlreiche Geldquellen. Gut 50 verschiedene Möglichkeiten zählt beispielsweise die Kaderschmiede INSEAD in Fontainebleau bei Paris auf. Mehr als 2 Mio Euro pro Jahr stehen den jährlich über 900 Studenten dort zur Verfügung. Ein Fünftel dieser Kursteilnehmer wird finanziell unterstützt. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Typen von Stipendien: Die einen basieren auf den nachweisbaren finanziellen Bedürfnissen des Antragstellers, die anderen werden nach Einkommen, Nationalität, Geschlecht, beruflichem Hintergrund oder Fähigkeiten gewichtet. Diese Kriterien werden von den Sponsoren - meist sind es Unternehmen oder Alumni (Ehemalige) - festgelegt.

Frauen werden stärker gefördert

Gute Chancen auf finanzielle Zuwendungen haben vor allem Frauen. Viele Schulen haben Stipendien speziell für angehende Managerinnen aufgelegt. Auch das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton schreibt halbjährlich vier Stipendien für Frauen aus. Bewerben können sich Studentinnen, die schon an einer führenden Business School in Europa oder den USA zugelassen wurden. Die Strategieberater übernehmen die Studiengebühren im ersten Jahr sowie Aufwendungen für Arbeitsmaterialien in Höhe von 2000 Dollar. Die besten Stipendiatinnen werden auch im zweiten Jahr unterstützt.

Grosszügige Hilfen gibt es vor allem bei neuen Business Schools oder neuen MBA-Programmen, auch in der Schweiz (siehe Kasten). Von den offiziell gelisteten Studiengebühren sollten sich Bewerber ohnehin nicht abschrecken lassen. Denn dafür, wie viel ein MBA-Teilnehmer wirklich zahlen muss, gelten andere Kriterien. Je dringender eine Schule gute Studenten braucht, desto grösser sind die Preisnachlässe. Da gibt es dann Einführungspreise, Basisstipendien für jeden, Frühbucherrabatte oder Last-Minute-Schnäppchen. Grundsätzlich gilt: Hat eine Schule Interesse an einem Bewerber, findet sich immer auch ein Weg, die finanziellen Probleme zu lösen.

Manchmal sponsert auch der eigene Arbeitgeber das Studium. Doch darauf hoffen der Umfrage von QS zufolge nur 4%. Wohl auch, weil gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten die Ausgaben für Weiterbildung vielerorts als Erstes den Sparmassnahmen der Unternehmen zum Opfer fallen.