ERP-Systeme werden von einer nicht enden wollenden Flut von Mehrwertverheissungen begleitet. ERP soll neue Kunden bringen, die Herstellungskosten massiv reduzieren oder die Lagerhaltungskosten senken.

Doch mittlerweile glaubt kaum jemand mehr an die Versprechungen. Eher droht ein Releasewechsel ohne greifbaren Mehrwert oder gar der Weiterentwicklungsstopp beim eigenen System.Die Kosten für ERP-Projekte stehen im Ruf, ein Fass ohne Boden zu sein. Ungeplante Kostenüberschreitungen scheinen noch immer zum guten Ton zu gehören. Hat der Einführungspartner seine Arbeit nicht erledigt, werden die Budgetpositionen im Handumdrehen gesteigert.

ERP ist besser als sein Ruf

Zugegeben: Der Ruf von ERP-Systemen ist zum Teil ramponiert. Dennoch ist es aus vier Gründen sinnvoll, gerade jetzt in ERP- Systeme zu investieren oder die eigene ERP-Installation auf Vordermann zu bringen.

ERP steigert die Effizienz ihres Unternehmens. Die Potenziale liegen dabei vor allem in den «Randbereichen» der etablierten ERP-Funktionalität, etwa im Bereich von CRM, Dokumenten- und Datenmanagement oder der elektronischen Anbindung von Partner, etwa von EDI. Gerade diese Themen machen ERP attraktiv und die Ablösung von alten, aber robusten und funktionsfähigen ERP-Systemen sinnvoll. In der Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, dass viele ERP-Projekte nach dem «Elefant gebiert Mücke»-Prinzip verlaufen. Letztlich werden nur bereits etablierte Funktionalitäten durch neue Technologien gelöst. Firmen sollten sich überlegen, jene Themen anzupacken, die beim ursprünglichen Einführungsprojekt Kompromissen zum Opfer gefallen sind.

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Nie war ERP so günstig wie heute. In den letzten zehn Jahren hat sich die Funktionalität von ERP-Systemen rasant erweitert. Die Lizenzkosten sind kaum gestiegen. Heute sind die am Markt angebotenen Systeme funktional gesehen ausgereift und verfügen über eine etablierte Kundenbasis. Darüber hinaus sind gerade in Krisenzeiten zusätzliche Rabatte und günstige Zahlungskonditionen zu erwarten.

ERP-Projekte haben in der Vergangenheit stets an Ressourcenmangel gekrankt. Die Anbieter haben versucht, ihre wenigen kompetenten Berater auf möglichst viele Projekte zu verteilen und möglichst rasch durch Juniors auszutauschen. Denn im ERP-Beratungsgeschäft verdient man nur mit Juniors wirklich viel Geld. Bei sinkenden Auftragsvolumen stehen wieder mehr Seniors zur Verfügung.

Darüber hinaus kann man am Arbeitsmarkt den Zustrom von sehr erfahrenen ERP-Fachleuten aus internen IT- und Prozess-Abteilungen wahrnehmen. Die internen Ressourcen haben wieder mehr Zeit. Gerade diesen Umstand sollte man nutzen und statt Kündigungen auszusprechen, das Geld in interne ERP- und Prozessoptimierungen investieren.

ERP-Investitionen lassen sich berechnen und managen. Es ist ein Mythos, dass sich ERP-Projekte nicht richtig budgetieren lassen. Es braucht eine akribische Planung, die durchaus ein gehöriges Mass an Erfahrung und gesundem Menschenverstand voraussetzt. Es braucht ein rigides Kostenmanagement. So wird verhindert, dass in der Projektumsetzung jeder Sonderwunsch der Anwender eingebaut wird.

Krise als Chance für ERP nutzen

Ohne IT und ERP geht nichts mehr. Bereits heute nicht und noch viel weniger in der Zukunft.

Die Verschnaufpause, die durch die Krise entsteht, lässt sich für eine konsequente Effizienz- und Effektivitätssteigerung im ERP-Umfeld nutzen.