1. Home
  2. Unternehmen
  3. Wie Tidjane Thiam mit der Credit Suisse anbandelte

Verbindung
Wie Tidjane Thiam mit der Credit Suisse anbandelte

Der Wechsel an der Spitze der Grossbank scheint überraschend. Doch der neue Chef Tidjane Thiam kennt die Credit Suisse schon länger. Die Verbindung ist mit einer bitteren Niederlage verknüpft.

Von Dominic Benz
am 11.03.2015

Tidjane Thiam ist der neue Lenker der Credit Suisse. Der Wechsel an der Spitze der Grossbank mag überraschen. Denn der 52-jährige Ivorer hat bisher in seiner Karriere noch nie für eine Bank gearbeitet. Doch bei einem genaueren Blick auf Thiams Vergangenheit wird klar: Zwischen ihm und der Credit Suisse gibt es schon seit ein paar Jahren eine enge Verbindung.

Diese knüpfte er als Chef des britischen Versicherers Prudential, den er seit 2009 lenkt. Mit dem Konzern verfolgte Thiam einen agressiven Expansionskurs. Im Visier stand vor allem der wachstumsstarke asiatische Markt. Daher wollte Thiam im Frühjahr 2010 den Konkurrenten AIA übernehmen, die asiatische Tochter des US-Versicherungsriesen AIG. Für den geplanten 35-Milliarden-Dollar Deal und dessen Finanzierung holte er sich  die Credit Suisse als Beraterin an Bord.

Zwei Verbindungen zur Credit Suisse

Bei den damaligen Gesprächen hat Thiam Credit-Suisse-CEO Brady Dougan offenbar kennen und schätzen gelernt. Allerdings war das nicht die einzige Verbindung zum zweitgrössten Geldhaus der Schweiz.

Denn der Chef beim damaligen Verhandlungspartner AIG war der mittlerweile verstorbene Robert Benmosche, der zugleich im Verwaltungsrat der Credit Suisse sass. 2009 legte er das Mandat nieder, als er die Geschicke des US-Versicherers übernahm. Bei den Übernahmegesprächen mit Benmosche dürfte Thiam daher zusätzlich so manche Information über das Geldhaus am Zürcher Paradeplatz erfahren haben.

Zähe Verhandlungen

Doch die Verhandlungen mit Benmosche verliefen zäh. Der AIG-Chef wollte zu Beginn von einem Verkauf seiner Asien-Tochter nichts wissen, die als lukrativster Teil des Konzerns galt. Benmosche plante stattdessen, die AIA gewinnbringend an die Börse in Hongkong zu bringen. Es waren letztlich die Berater der Credit Suisse, welche die beiden Parteien zusammen an den Verhandlungstisch brachten und Benmosche von einem Verkauf überzeugen konnten.

Tatsächlich hatte AIG den Milliarden-Erlös durch das Abstossen der Tochter gut gebrauchen können. Der Versicherer geriet im Zuge der Finanzkrise in arge finanzielle Nöte und musste vom amerikanischen Staat gerettet werden. Washington schoss insgesamt rund 180 Milliarden Dollar ein. Mit dem AIA-Verkauf hätte der Mutterkonzern einen Teil seiner Schulden abzahlen können.

Bittere Niederlage

Doch die guten Beziehungen zur Credit Suisse nützten Thiam letztlich nichts. Sein Traum, Prudential mit der Übernahme der AIA zum grössten internationalen Player in Asien zu machen, platzte. Die Übernahme kam nicht zustande. Grund waren die Prudential-Aktionäre. Sie erachteten den Verkaufspreis als zu hoch und wehrten sich mit Erfolg. AIG brachte seine Tochter doch noch gewinnbringend an die Börse und steht heute wieder auf eigenen Beinen.

Doch für Thiam war die Niederlage ein herber Rückschlag. Hinzu kamen Abschreiber von umgerechnet über einer halben Milliarde Franken. Doch der 1,93-Meter grosse Mann brachte den Konzern wieder zurück auf den Erfolgskurs – auch ohne die Übernahme von AIA. Der Aktienkurs des Londoner Konzerns verdreifachte sich in der Ära Thiam schliesslich. Auch am gestrigen Dienstag legte Prudential glänzende Zahlen vor. Vor allem in Asien punktete der Versicherer.

Anzeige