200 Millionen Franken will die Credit Suisse bis Ende 2017 einsparen, bekräftigte Unternehmenschef Brady Dougan bei der Präsentation der neuen Geschäftszahlen vergangene Woche. Eine der Massnahmen, so Dougan, sei die Verlagerung von Stellen in Ländern mit günstigeren Lohnkosten. Vor allem ein Land scheint dabei im Fokus zu stehen: Polen.

Ein Standort, der von den Sparzwängen der Bank profitieren dürfte, ist das Dienstleistungszentrum in Breslau. Die Stadt mit rund 630'000 Einwohnern gilt als Talentschmiede für IT-Absolventen, Fackräfte finden sich dort teils leichter als in der Schweiz. Ausserdem ist die Nähe zum Finanzzentrum in London ein Plus: Der Flug von Breslau dorthin dauert nur gut zwei Stunden. Andere Standorte in Indien etwa sind rund neun Flugstunden entfernt. Derzeit beschäftigt die Credit Suisse bereits rund 3300 Angestellte in Breslau.

5000 neue Stellen der Credit Suisse in Polen?

Ein Angesteller von dort, der anonym bleiben möchte, sagte nun gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: «Ich höre, dass es mindestens 5000 Mitarbeiter werden sollen.» Vor allem Stellen im IT-Bereich und Personalwesen sollten entstehen, aber auch inhaltliche Prozesse würden nach Breslau verlagert. Stellen abgebaut würden hauptsächlich in London und Zürich.

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«Die Bank spart viel auf diese Weise», so der Mitarbeiter, «in London sind die Lohnkosten mindestens doppelt so hoch.» Ähnliches gilt für den Vergleich zum Standort Zürich. Schon vor der Freigabe des Euro-Franken-Wechselskurses durch die Nationalbank zahlten Credit Suisse und UBS teils die Hälfte für einen Angestellten gleicher Qualifikation in Polen. Jetzt hat der polnische Sloty gegenüber dem Franken noch einmal knapp 12 Prozent verloren. Die Lohnkosten in Polen sind also aus Schweizer Sicht nochmals gesunken.

«Deutliches Wachstum» in Polen und Indien

Die Credit Suisse sieht Polen als langfristig interessanten Standort und bestätigt dort ein «deutliches Wachstum». Auch Indien legt zu. Allerdings nennt die Bank keine genauen Zahlen ihre Expansionspläne betreffend.

Fakt ist aber: Die grossen Schweizer Finanzinstitute ringen nach der heftigen Frankenaufwertung mit sehr hohen Personalkosten und treten auf die Bremse. Anfang Februar teilte Julius Bär mit, 100 Millionen Franken einsparen zu wollen. Rund 200 Stellen, vor allem im Mid- und Back-Office, sollen gestrichen werden. Die Stellenkürzungen werden laut Finanzchef Dieter Enkelmann zur Mehrheit Arbeitsplätze in der Schweiz betreffen. Möglich seien Verlagerungen von Arbeitsplätzen aus der Schweiz ins Ausland.

Vier Dienstleistungszentren weltweit

Auch die UBS plant eine ähnliche Strategie wie die Credit Suisse und will Stellen in Polen aufbauen, wie Reuters berichtet. Die UBS beschäftigt heute an die 1300 Mitarbeiter in Krakau. Weitere 700 sind über Drittfirmen bei der UBS engagiert. Die Bank kommentiert ihre eigene Strategie bislang nicht.

Die Credit Suisse betreibt vier Dienstleistungszentren weltweit, zwei in Indien, eines in Warschau und eines in Raleigh-Durham in den USA. Die UBS ist neben ihrem Standort in Polen auch in Nashville in den USA und in Schanghai vertreten. Ende 2013 arbeiteten fast 15'000 Menschen in den Zentren der Credit Suise, bei 46'000 Mitarbeitern insgesamt.

UBS und Credit Suisse präsentierten Zahlen

In der vergangenen Woche präsentierten die Grossbanken UBS und Credit Suisse ihre Zahlen. Während die UBS ihre Anleger überzeugen konnte und bei der Dividende mit einer zweifachen Auschüttung punktete, fiel das Urteil der Analysten bei der Credit Suisse zurückhaltender aus. Dennoch lösste die Grossbank an der Börse eine regelrechte Aktienrallye aus, der Kurs stieg an einem Tag um 10 Prozent.

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