Der Entscheid wird kein leichter sein, es geht um nichts weniger als die Zukunft der Güterverkehrstochter der Schweizerischen Bundesbahnen. SBB Cargo hat in den vergangenen Jahren massive Verluste - teils aus eigenem Verschulden, teils wegen der widrigen Umstände - eingefahren und braucht dringend einen starken Partner. Ein Überleben als eigenständiges Unternehmen hat nach Ansicht von Experten wenig Chancen. Kaum wahrscheinlich ist auch ein Verkauf des Unternehmens ins Ausland, dazu sind die politischen Widerstände in der Schweiz zu gross.

Doch wie soll es nun weitergehen? Nicht weniger als 14 Interessenten meldeten sich bei den SBB mit unterschiedlichen Vorschlägen zur Zukunft von SBB Cargo. Zwei grosse Güterbahnen stehen dabei im Vordergrund: Einmal DB Schenker, die Logistiktochter der deutschen Bahn, und die französische SNCF. Während die Deutschen in erster Linie die Idee einer engeren Kooperation verfolgen, streben die Franzosen eine Beteiligung an SBB Cargo an. Die DB ist in der Schweiz über ihre Tochtergesellschaft BLS Cargo, an der sie einen Anteil von 45% hält, bereits stark präsent. Ein Zusammenschluss mit SBB Cargo würde wohl die Kartellbehörden auf den Plan rufen, erreichen doch die beiden Firmen vor allem auf der Nord-Süd-Achse einen beachtlichen Marktanteil.

Andere Pläne verfolgt die französische SNCF, welche in jüngster Zeit ihre Aktivitäten im Schienengüterverkehr massiv verstärkt hat. Nachdem sich Frankreich jahrelang gegen jegliche Liberalisierung im Schienenverkehr gewehrt hatte, brechen nun offensichtlich neue Zeiten an. Die Franzosen wollen einen starken Gegenpart zu DB Schenker in Europa schaffen und suchen deshalb nach Möglichkeiten, in weiteren europäischen Ländern im Schienengüterverkehr Fuss zu fassen.

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Allerdings muss beim bevorstehenden Entscheid auch die Situation im inländischen Wagenladungsverkehr einbezogen werden. Hier wollen vor allem die einheimischen Stückguttransporteure ein gewichtiges Wort mitreden. Schlussendlich muss neben den verkehrspolitischen Weichen auch eine Lösung für den gesamten Fahrzeugunterhalt gefunden werden. Wohl sind in den Bemühungen, die Effizienz des Werkes Bellinzona zu steigern, nach den Worten von SBB-Cargo-CEO Nicolas Perrin (siehe Interview Seite 69) erste Erfolge erzielt worden. Aber es braucht eine weitere Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Industriewerkes, damit dessen Überleben auch in Zukunft garantiert werden kann.