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Unhöflich
Wie Yahoo-Chefin Mayer die Werbebranche vergrault

Marissa Mayer: Die Yahoo-Chefin hat das Heu nicht auf der gleichen Bühne wie die Werber. Keystone

Der US-Internetriese muss seine Werbeeinnahmen steigern. Yahoo-Chefin Marissa Mayer soll es richten - doch statt die Werber zu bezirzen, legt sie sich mit der Szene an.

Von Dominic Benz
am 24.06.2014

Vergangene Woche kam die internationale Werbeszene beim jährlichen «Lions international Festival of Creativity» in Cannes zusammen. Auch Yahoo-Chefin Marissa Mayer liess sich den Werbeanlass nicht entgehen. Ihre Mission: Die anwesenden Branchengrössen für den Internetriesen zu begeistern und zu gewinnen. Doch scheinbar stellte sich die 39-Jährige gleich selber ein Bein.

Laut «Business Insider» und dem «Wall Street Journal» soll sich Mayer in Südfrankreich so unhöflich aufgeführt haben, dass wichtigen Werbern und deren Kunden nur noch ein verärgertes Kopfschütteln blieb. So soll die Managerin an ein privates Abendessen mit Kunden des US-Werbegiganten Interpublic Group of Companies (IPG) und dessen Chef Michael Roth satte zwei Stunden zu spät erschienen sein. Grund für die Verspätung: Sie soll ein Nickerchen gemacht haben und verschlafen haben. 

Werber fühlen sich nicht ernst genommen

Mayers Fauxpas muss für die anwesenden Werber einem Faustschlag ins Gesicht geglichen haben. Eine Person, die am Essen dabei gewesen sein war, sagte gegenüber dem «Wall Street Journal»: «Das ist ein weiteres Indiz, das zeigt, dass Mayer den Wert von Werbekunden, Anzeigenerlösen oder Agenturen nicht versteht.» Für ein Meeting mit Investoren oder dem Vorstand hätte man die Yahoo-Chefin sicherlich geweckt. 

Der US-Internetriese wollte das Benehmen von Mayer nicht kommentieren. Er richtete lediglich aus, dass der Konzern die Zusammenarbeit mit IPG und anderen Werbern sehr schätze. 

Mayer liess sich «grillen»

In Cannes soll Mayers verpatztes Abendessen aber nicht der einzige Vorfall gewesen sein, der für Zündstoff sorgte. Ihre Präsentation am Werbefestival löste auf Twitter einen kleinen Shitstorm aus. Anscheinend habe die Amerikanerin die Veranstaltung missverstanden und mehrheitlich Werbung für Yahoo gemacht. Das Problem ist nur, dass Werber nur ungern Ziel von Werbung sein wollen. Einem Zuhörer sagte laut «Manager Magazin», Mayer solle ihr Publikum besser kennen. Ein anderer Anwesender wähnte sich an einer Verkaufsveranstaltung.

Dass Mayer auf Kriegsfuss mit Werbern steht, zeigte sich ebenso an einer Konferenz mit der britischen WPP, einer der weltgrössten Werbekonzerne der Welt. Mayer soll an der Veranstaltung von WPP-Chef Martin Sorrell regelrecht «gegrillt» worden sein, schreibt der «Business Insider». Nachdem Mayer erzählte, dass sie jedes Mail in ihrem Posteingang beantworte, monierte Sorrell, dass er von ihr aber keine Antwort erhalten habe. Ganz im Gegesatz zu Sharyl Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook, die ihm umgehend geschrieben hatte. Ob er dies nun persönlich nehmen solle, fragte Sorrell.

Zudem wollte der Top-Werber wissen, wie das Verhältnis von Mayer zum Hedge-Fond-Manager Dan Loeb aussehe. «Sehr gut», so die Yhaoo-Chefin. Loeb erzähle ihm aber etwas ganz anderes, antwortete Sorrell.

Yahoos Werbe-Experten gefeuert

Marissa Mayer hattes sich Anfang Jahr selber in diese ungemütliche Situation gebracht. Im Januar feuerte sie nach nur einem Jahr Yahoos Werbe-Verantwortlichen Henrique des Castro gefeuert. Dessen Aufgaben hatte Mayer selbst übernommen. Nun ist sie es, die die Kontakte zu Werbern und dessen Kunden herstellen muss. Yahoo sieht in der Steigerung der Werbeeinnahmen den Schlüssel für die Zukunft.

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