Der Messeplatz Schweiz hat 2009 unter der Wirtschaftskrise gelitten - und mit ihm die Marktführerin MCH Group. Konnte sich das Geschäft inzwischen erholen?

René Kamm: Im reinen Messegeschäft war unser konjunkturell bedingter Rückgang im letzten Jahr mit 6% nicht so dramatisch. Im europäischen Vergleich standen wir gut da. Im 1. Halbjahr 2010 konnten wir diese Einbussen praktisch wieder wettmachen. Das zeigt, dass das Messegeschäft in der Schweiz recht stabil ist.

Wie sieht es in den MCH-Sparten Event Services und Infrastruktur aus?

Kamm: Diese haben in der Krise stark gelitten und insgesamt rund 25% an Umsatz verloren. Das war die Folge von weniger Veranstaltungen mit kleineren Budgets. Auch im Bereich Standbau war der Kostendruck enorm. Das 1. Semester 2010 hat nun auch in diesem Segment eine deutliche Erholung gebracht. Wir sind zwar noch nicht auf dem Niveau von 2008, aber deutlich besser unterwegs als im Vorjahr.

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Ist das positive Ergebnis die Folge von speziellen Massnahmen?

Kamm: Es ist die Konsequenz unserer Vorwärtsstrategie. Wir haben 2009 im Messebereich trotz Einbussen keinen Franken weniger ausgegeben, sondern im Gegenteil noch stärker in unsere Marken investiert. Auch im Ausland sind unsere Investitionen gewachsen. Alles andere wäre ein schlechtes Signal gegen aussen gewesen. Im Event- und Servicebereich hingegen mussten wir reagieren und die Kosten beim Personal etc. senken.

Hat die aktuelle Euro-Krise den Aufschwung gebremst?

Kamm: Zurzeit spüren wir noch keine negativen Auswirkungen. Die ausländischen Aussteller sind gekommen. Falls sich die Währungssituation mittelfristig nicht verbessert, könnte sich das ab 2011 jedoch ändern. Für ausländische Aussteller wird der Messebesuch künstlich verteuert. Wir haben auch viele Schweizer Aussteller, die in den Euro-Raum exportieren. Wenn ihr Geschäft wegen des starken Frankens rückläufig ist, könnte sich das künftig auch negativ auf die Frequenz ihrer Messebesuche auswirken.

Viele Messen in der Schweiz klagen über einen Besucherschwund. Hat das traditionelle Messemodell überhaupt noch eine Zukunft?

Kamm: Davon bin ich überzeugt. Der direkte Kontakt zu Lieferanten, Partnern und Kunden ist auch heute wichtig und gefragt. Dass viele Messen Mühe bekunden, hängt weniger damit als vielmehr mit einer raschen Konsolidierung in den jeweiligen Märkten zusammen. In Branchen mit immer weniger und grösseren Anbietern, Beispiel Tourismus, gibt es auch immer weniger Messeteilnehmer. Deshalb sind stark fragmentierte Märkte die beste Voraussetzung für erfolgreiche Messen.

Trotzdem kann sich eine Traditionsmesse den technischen Entwicklungen nicht verschliessen.

Kamm: Auf keinen Fall. Ich bin aber überzeugt, dass das traditionelle Messemodell durch technische Errungenschaften nicht konkurrenziert werden muss, sondern ideal ergänzt werden kann.

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Mit dem Kauf der Beaulieu Exploitation SA in Lausanne hat die MCH Group ihre Marktführerschaft in der Schweiz gefestigt. Ist hierzulande noch mehr Wachstum möglich?

Kamm: Lausanne ist für uns ein wichtiger Standort, den wir als Zentrum für national orientierte Messen in der Romandie aufbauen möchten. Die gleiche Position nimmt Zürich in der Deutschschweiz ein, während die Messeplätze Basel und Genf viel internationaler orientiert sind. Lausanne ist für uns strategisch wichtig, weil der Messeplatz Westschweiz noch über mehr Potenzial verfügt als die bereits gesättigte Deutschschweiz. Aber es ist schon so, dass das Potenzial in der Schweiz irgendwann begrenzt ist. Viel Wachstum ist nicht mehr möglich.

Orientiert sich die MCH Group deshalb verstärkt am internationalen Messemarkt?

Kamm: Das tun wir bereits seit geraumer Zeit. Wir haben unser Geschäftsmodell mit Dienstleistungen wie Standbau und Event Services diversifiziert. Über unsere Beteiligung an der Messeplanungsfirma Expomobilia haben wir Aufträge für die Gestaltung von Messeständen rund um den Globus. Da steckt noch ein erhebliches Potenzial drin.

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