Die tiefgreifende Krise an den Finanzmärkten machte der Energiebranche einen Strich durch die Rechnung - dies zumindest kurzfristig. Insbesondere die Windkraftunternehmen bekamen ab Herbst 2008 heftigen Gegenwind zu spüren. Infolge versiegender Kreditquellen und höherer Finanzierungskosten drohte kapitalintensiven Projekten die Luft auszugehen. Kleinere Projektentwickler sahen sich sogar gezwungen, geplante Vorhaben vorübergehend ganz auf Eis zu legen. Auf dem Börsenparkett fielen die Windaktien mit überproportionalen Abschlägen.

Eine völlige Windstille blieb der Industrie indes erspart. Mit der Erholung an den Märkten hat sich die Situation sukzessive entspannt, die Kreditaufschläge sind wieder gesunken. Massgeblich dazu beigetragen haben die weltweiten Stimulierungsprogramme der Regierungen. Positive Signale kommen insbesondere aus den USA und China. Weltweit sind Bankinstitute wieder dazu übergegangen, Kredite für die Finanzierung von Windprojekten zu sprechen. Dies allerdings mit restriktiveren Konditionen. Mussten Windprojekte ehemals mit 15% eigenen Mitteln finanziert werden, sind es heute in der Regel 25%. Verschärft haben sich zudem die Renditeanforderungen an die Windprojekte, während sich die Genehmigungsfristen verlängert haben.

USA mit Wind in den Segeln

Die USA kommen ihren Bestrebungen, den erneuerbaren Energien mit staatlichen Förderprogrammen zum Durchbruch zu verhelfen, konsequent nach. Als Teil des Stimuluspaketes von 787 Mrd Dollar hat die US-Regierung 66 Mrd Dollar für alternative Energien und Energieeffizienzmassnahmen budgetiert. Bereits im Sommer hat das US-Schatzamt begonnen, 30% der Investitionssumme an genehmigte Projekte zu überweisen - bei gleichzeitiger Fortführung der Steuererleichterungen im alternativen Energiesektor.

Anzeige

Entwickler von Windprojekten bekamen rund 1 Mrd Dollar zugesprochen. Knapp ein Drittel davon ging allein an Iberdrola Renovables. Bis Ende 2010 sind insgesamt 3 Mrd Dollar für den Windsektor vorgesehen. Diese Summe könnte aber bereits in der 1. Hälfte 2010 erreicht werden - eine Erhöhung ist daher wahrscheinlich. Ausserdem können Unternehmen seit Ende September bei der US-Energiebehörde Kreditgarantien beantragen.

2010 dürfte der US-Windmarkt um 25% auf 9 Gigawatt wachsen und die bisherigen Rekordniveaus an installierter Leistung von 2008 übertreffen. Für das laufende Jahr gehen Schätzungen von 7,2 Gigawatt aus, 2008 wurden noch 8,3 Gigawatt Windenergiekapazität installiert. Legen die USA landesweit einen Mindestanteil an erneuerbaren Energien fest, wird dies der Windindustrie weiteren Auftrieb geben.

China beschleunigt

Der chinesische Windmarkt wächst nach wie vor am kräftigsten. Dieser Trend wurde durch die Stimuluspakete beschleunigt - 2009 dürfte China die USA an der Spitze der weltweit führenden Windstromproduzenten ablösen. Für ausländische Firmen, die im Reich der Mitte tätig sind, haben sich die Wachstumsaussichten aber eingetrübt. 2007 steuerten sie noch 45% der neuen Kapazitäten bei, 2008 sank der Anteil auf 28%.

In China müssen Windanlagen, die sich durch Stimuluspakete finanzieren, im Land selbst hergestellt werden. Beobachter vermuten wohl zu Recht, dass ausländische Hersteller trotz ihrer Fertigungstätigkeit vor Ort zunehmend von bedeutenden Projekten ausgeschlossen werden. Grösste Gewinner werden folglich die einheimischen Vertreter der Windkraftindustrie sein. Die Kapazitäten der chinesischen Hersteller steigen nächstes Jahr zudem deutlich an. Überkapazitäten sind zu erwarten, womit sich der Preisdruck zusätzlich erhöht. Daher bremst die chinesische Regierung mit ihren neuesten Massnahmen den weiteren Ausbau der Kapazitäten für Windkraftanlagen. Vor diesem Hintergrund sind die grossen Wachstumsambitionen der europäischen Hersteller in China mit einem Fragezeichen zu versehen.

Auf dem europäischen Windmarkt weht 2009 noch ein laues Lüftchen, 2010 dürfte die Windkraftbranche um 10% zulegen. Wachstumstreiber ist einerseits der geplante Ausbau der Kapazitäten an Land - vor allem in Frankreich und in Süd- und Osteuropa. Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch die deutschen und britischen Pläne zum Ausbau von Offshore-Anlagen. Deutschland strebt bis 2020 die Realisierung von rund 12 Gigawatt an Kapazitäten im Meer an, was rund einem Fünftel der geplanten Kapazität entsprechen würde.

Vom frischen Rückenwind in der Windbranche dürften verschiedene börsenkotierte Branchenvertreter profitieren. Weltgrösster Turbinenhersteller ist nach wie vor die dänische Vestas, gefolgt von GE und Gamesa. Unter den Komponentenherstellern ist der englische Getriebehersteller Hansen zu erwähnen. Aus Schweizer Sicht interessant sind zudem ABB, die sowohl Generatoren als auch Produkte für die Stromnetzwerke liefert, sowie der Verbundmaterialproduzent Gurit, der zwei Drittel des Umsatzes mit Komponenten für Rotorblätter erwirtschaftet.

Zu einem wichtigen Marktakteur dürfte sich auch Schweiter nach dem Vollzug der Übernahme von Alcan Composites mausern. Letztere ist in Kernmaterialien für Sandwichkonstruktionen spezialisiert, die besonders für Rotorblätter eingesetzt werden.

Die eigentlichen Energieversorger sind unterschiedlich stark im Windkraftsektor engagiert. Nach wie vor führend sind die spanischen Iberdrola und Acciona, gefolgt vom US-Versorger FPL und der portugiesischen EDP, während sowohl E.ON als auch RWE erst spät begonnen haben, in diesen Bereich zu investieren.