In der Krise bei Europas grösstem Autobauer Volkswagen ist die berufliche Zukunft von Konzernchef Martin Winterkorn weiter unklar. Zwar erklärte der 68-Jährige seinen Willen zum Weitermachen, ob dies aber den Verwaltungsrat überzeugt, ist offen.

Nach der öffentlichen Entschuldigung von VW-Chef Martin Winterkorn für den Abgas-Skandal wird nun mit Spannung eine Reaktion des mächtigen Präsidiums des VW-Verwaltungsrates erwartet. Das Gremium will sich am Mittwoch erneut an einem geheimen Ort treffen und das weitere Vorgehen besprechen. Am Dienstagabend gab es bereits ein Vorgespräch, es drangen aber keine Meinungen an die Öffentlichkeit.

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VW-Chef Martin Winterkorn soll dem Gremium Rede und Antwort stehen, wie es zu dem Verstoss gegen die Abgas-Grenzwerte in den USA kommen konnte. Noch ist offen, ob Winterkorn persönlich für das Fehlverhalten verantwortlich ist, das Milliarden an Kosten nach sich ziehen wird.

Rasche Aufklärung versprochen

Theoretisch könnte das oberste Kontrollgremium die für Freitag fest eingeplante Vertragsverlängerung mit dem 68-jährigen Winterkorn aussetzen. Dessen bisheriger Vertrag läuft noch bis Ende 2016. Kritiker dieser Variante monieren, damit sei nicht sichergestellt, dass in der verbleibenden Zeit die laufenden Ermittlungen in den USA abgeschlossen werden können.

Am späten Dienstagnachmittag hatte Winterkorn öffentlich um Entschuldigung für Manipulationen von Abgastests bei VW-Dieselautos gebeten und rasche Aufklärung versprochen. Zuvor hatte der Konzern bekanntgegeben, dass weltweit elf Millionen Wagen betroffen sind. VW bildet daher eine Milliarden-Rückstellung und hat eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Dem Konzern drohen Milliardenschäden durch mögliche Klagen und Strafgelder.

Beruhigung an der Frankfurter Börse

Allen Schreckensnachrichten zum Trotz beruhigte sich die Lage an der Frankfurter Börse zwischenzeitlich ein wenig. Nachdem der Wert der Aktie zu Beginn des Handelstages zunächst um bis zu 8 Prozent getaucht war, bewegte sich der Volkswagen-Kurs am späteren Mittwochmorgen gar ins Plus. An den vergangenen beiden Handelstagen hatte die VW-Aktie rund einen Drittel ihres Wertes verloren.

In den USA indes bahnt sich noch grösserer Ärger an für VW: Sowohl wegen möglicher Straftaten wie Betrug als auch wegen mutmasslicher Verstösse gegen Umweltgesetze könnten auf bundesstaatlicher Ebene empfindliche Strafen und Bussgelder verhängt werden. Mehrere US-Bundesstaaten formen gegenwärtig ein Bündnis, um Ermittlungen gegen den deutschen Autobauer einzuleiten, wie ein Sprecher des New Yorker Staatsanwalts Eric Schneiderman bestätigte.

VW möglicherweise kein Einzelfall

Der Skandal könnte sich auch noch auf andere Hersteller ausweiten. Christian Bach glaubt nicht, dass VW ein Einzelfall ist. Dies sagte der Leiter der Abteilung Fahrzeugantriebssysteme bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) gegenüber der Neuen Luzerner Zeitung und dem Blick. Laut Bach will die US-Justiz nun auch Dieselfahrzeuge anderer Hersteller unter die Lupe nehmen.

(sda/reuters/dbe/ama)