Klirrende Kälte, Flocken bis ins Unterland, Schnee selbst in den Städten: Die gegenwärtige frostige Wetterlage kurbelt das Geschäft mit Schneesportgeräten und Winterkleidern an. Denn für die Branche ist das Wetter entscheidender als die Konjunkturlage.

Die Wintersaison startete im Oktober bestens. «Der Kälteeinbruch im Oktober hat sehr viel Leben in den Sporthandel gebracht», erklärt Claude Benoit, der Präsident des Verbands des Schweizer Sportfachhandels. «Das Umsatzwachstum fiel im Oktober im Vergleich zum Vorjahr zweistellig aus», frohlockt er: «Bereits die letzte Wintersaison lief bestens und klingt jetzt weiter nach.» Zweistellig gewachsen sei im Oktober sowohl der Verkauf von Sportbekleidung wie auch von Hardware.

Hoffen und Bangen

Auch die Nachfrage nach Mietgeräten entwickle sich positiv, sagt Benoit. Das Mieten von Sportgeräten wird immer beliebter: Der Schneesportler kann nicht nur den neusten Carver-Ski mieten, sondern gleich mehrere Geräte ausprobieren - seien das die neusten superbreiten Freerideskis, Tourenskis, Schneeschuhe oder klassische Langlaufskis.

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Der viel zu warme November hat die positive Entwicklung allerdings wieder stark gebremst und manchen Marktteilnehmern geschadet. Doch im laufenden Dezember ist der Verkauf von Sportartikeln und warmen Kleidern dank Kälte und Schnee wieder angestiegen. Trotzdem ist Christoph Bronder, Präsident und CEO der Marker-Völkl-Gruppe, für diese Saison «vorsichtig optimistisch» (siehe «Nachgefragt»).

«Die letzte Wintersaison war ein Rekordjahr», erklärt Kurt Meister, der beim Marktforschungsinstitut GfK Switzerland die Sportbranche betreut. Trotz Wirtschaftskrise hat der Wintersportmarkt um satte 5,8% zugelegt im letzten Jahr. «Der Wintersport ist stark den meteorologischen Bedingungen unterworfen und weniger konjunkturellen. Unabdingbar sind früher Schnee bis ins Unterland und längere Kälteperioden, damit die Saison gut läuft», meint Meister. Das zeigte etwa der schneearme Winter 2006/07, der die Umsätze schmelzen liess. Der Wintersportmarkt war 2006 um 6% eingebrochen.

Die Wonnejahre sind vorbei

Rund 800 Mio Fr. werden im Schweizer Schneesportmarkt umgesetzt. «Der Wintersport ist kein Wachstumsmarkt. Er stagniert auf hohem Niveau. Der Kuchen wächst nicht mehr oder nur marginal», erklärt Meister. «Es fehlt an Innovationen.»

Echte Innovationen wie das Snowboard für die Massen in den 90er-Jahren oder der taillierte Carving-Ski nach der Jahrtausendwende sind selten. Vor zehn Jahren wurden fast doppelt so viele Snowboards verkauft wie heute. Laut GfK Switzerland wurden in der Wintersaison der Jahrtausendwende 110 000 Snowboards abgesetzt, in der Wintersaison 2008/09 waren es noch 59000. Auch im Skimarkt sind die Glanzjahre vorbei. Vor 20 Jahren wurden noch gegen 500000 Paar Skis verkauft. Letzte Saison waren es nur noch 313000.

Das Carven hat der Skibranche frischen Aufwind gegeben. Das schnelle Fahren hat aber auch andere Produkte beflügelt und beispielsweise den Helmabsatz stark gefördert. Doch nach Snowboard und Carven bleiben in der Branche bahnbrechende Erfindungen aus, die ihr neue Wachstumsimpulse versetzen könnten. Zwar locken dieses Jahr in den Schaufenstern superbreite Freeride-Skis und verheissen Schwünge wie mit dem Snowboard. Doch das Freeriding im Tiefschnee abseits der Pisten wird sich kaum zum Massentrend entwickeln. Auf der Internationalen Fachmesse für Sportartikel und Sportmode in München (Ispo) im Februar sollen Innovationen wie die neue Tourenskibindung von Marker einschlagen, hofft CEO Bronder. Aber auch Tourenskifahren wird ein Sport für eine Minderheit bleiben.

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Viefalt für alle Wünsche

Trotzdem gehört der Wintersport heute zum Lifestyle auch für Junge, die im Schnee ihre Partys feiern. Das Angebot an Schneesportgeräten ist breiter geworden und auch spezieller den Kundenbedürfnissen angepasst als früher. So werden heuer nicht mehr ausschliesslich Unisex-Skis, sondern speziell auch Skimodelle für Frauen angeboten. Früher genügte der Davoser Holzschlitten zum Wintervergnügen, heute reicht das Angebot an verschiedenen Schlittenmodellen vom Supersportrodler bis zum Airboard, einem aufblasbaren Luftschlitten. Und Schneeschuhlaufen hat sich mittlerweile fast zum Breitensport entwickelt.

Grösster Skimarkt der Welt mit 595445 Paar verkauften Skis sind die USA. Die Schweiz folgt nach Österreich, Deutschland und Frankreich an fünfter Stelle. Zusammen mit Italien und Kanada decken diese acht Länder 85% des Weltmarktes ab. In der Saison 2008/09 wurden weltweit 3,2 Mio Paar Skis verkauft. Für die Saison 2009/10 rechnet man mit 3,1 Mio Paar.

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Globalisierung und Nischen

Die weltweite Konzentration der Skiproduktion akzentuiert sich weiter. Völkl etwa gehört heute zum US-Konsumgüterkonzern Jarden. Dieses Outdoorunternehmen hat sich letztes Jahr auch an Rossignol und Dynastar beteiligt. Neben Völkl-Skis und Marker-Bindungen stellt die Marker-Völkl-Gruppe auch Snowboards, Kleider und Accessoires her. Der internationale Sitz der Gruppe liegt in Baar. Produziert werden die Skis aber in Straubing in Deutschland, die Bindungen in Tschechien. Völkl Kinderskis werden auch in China hergestellt. In der Schweiz setzt die Marker-Völkl-Gruppe rund 30 Mio Fr. um. Der Vertrieb ist in der Schweiz an die selbstständige Völkl Schweiz AG ausgelagert.

Weltweiter Marktführer ist Atomic mit 18% Marktanteil, vor Rossignol, Head und Völkl. In der Schweiz allerdings liegt Head an der Spitze. Trotz der internationalen Konzentration unter den grossen Skiproduzenten können sich auch kleinere Unternehmen in der Schweiz gut halten, so etwa Stöckli. Und kleine Skifabrikanten wie zum Beispiel die Marke Zai finden ihre Nischen für ein verwöhntes Publikum.

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Eine Konzentration gibt es auch im Verkauf. «In der Schweiz werden die grossen Ketten immer grösser und geizen nicht mit Verkaufsfläche», schreibt GfK Switzerland. Gleichzeitig schrumpft die Zahl der Fachgeschäfte. Seit 2000 sind laut GfK Switzerland über 200 Sportshops verschwunden. Parallel dazu erfreuen sich Marketing- und Einkaufsorganisationen wie Intersport zunehmender Nachfrage. 2008 existierten schätzungsweise noch 880 Fachgeschäfte.

Der grösste Detailhändler im Sportmarkt ist Ochsner Sport, der zur Dosenbach-Ochsner-Gruppe gehört, gefolgt von Migros Sport XX und von der Firma Athleticum, die zur Maus-Frères-Gruppe gehört. Letztes Jahr setzte Ochsner Sport inklusive Sports Lab 394 Mio Fr. um und verfügte über fast 100 Läden in der Schweiz.

«Es herrscht ein klarer Verdrängungswettbewerb», meint Meister. «Strukturschwächere Shops, etwa 100 bis 200 Fachgeschäfte, kommen unter Druck.» Zudem drängen neue Verteiler auf den Markt. Selbst Billig-Anbieter wie Tchibo, Aldi und Lidl machen punktuell Angebote im Wintersportbereich. Vor der Tür stehen bereits weitere grosse ausländische Ladenketten, wie der französische Sportfachriese Decathlon, der sich laut Branchenkennern zwei Grundstücke in der Westschweiz gesichert haben soll. Decathlon ist einer der grössten Sporthändler weltweit. Was manchem klassischen Wintersporthändler trotz Schneeflocken Kummerfalten bereitet.

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NACHGEFRAGT Christoph Bronder, Päsident & CEO der Marker-Völkl-Gruppe, Baar


«Die Schweiz hat bei Kunstschnee Nachholbedarf»

Wie ist diese Wintersaison in der Schweiz angelaufen?

Christoph Bronder: Der kalte Oktober mit Schneefall hat den Verkauf von Sportgeräten stark animiert. Die Händler wurden von dieser grossen Nachfrage überrascht. Sie hatten zu wenig Material bestellt und mussten Skis nachordern. Vor allem die Jahresmieten der neusten Modelle sind ein Renner.

Hat der zu warme November dem Geschäft nicht geschadet?

Bronder: Doch, aber im Dezember zog das Geschäft wieder an. Ich bin für diese Saison vorsichtig optimistisch. Denn die Leute bleiben im Land, statt wie früher im Winter an sonnige Strände zu fliegen.

Wie hat sich die Finanzkrise auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Bronder: Vor allem in den USA haben wir die Krise stark gespürt. In der Saison 2008/09 ging dort der Gesamtmarkt um 17% zurück, wir haben uns trotzdem besser geschlagen. Der europäische Markt hat uns aber geholfen, den Rückgang aufzufangen. In der Schweiz konnten wir 1% Marktanteil gewinnen. Wir haben aber von der Krise auch profitiert. Trotzdem: Viel wichtiger als die Wirtschaftslage ist für das Schneesportgeschäft die Witterung.

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Inwiefern haben Sie von der Krise profitiert?

Bronder: In der Krise sind starke Marken wie Völkl und Marker gefragt. Wir konnten auch weltweit bei Skis und Bindungen 1% Marktanteil zulegen.

Völkl verkauft auch Snowboards, Kleider und Accessoires. Wie entwickeln sich diese Zweige?

Bronder: In der Bekleidung sind wir in der Schweiz dreistellig gewachsen. Der Snowboardmarkt ist stabil. Aber diese Bereiche liegen noch unter 10% unseres Gesamtumsatzes.

Der Klimawandel führt zu immer weniger Schnee. Schneearme Winter häufen sich. Haben Sie ein Notfallszenario entwickelt?

Bronder: Heute kann man schon bei 5 Grad Celsius künstlich Schnee herstellen. Die Schweiz hat bezüglich Maschinenschnee einen Nachholbedarf. Zudem gibt es immer mehr Hallen, wo junge Leute Snowboard fahren können, statt in die Disco zu gehen.

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Snowboarden in geschlossenen Räumen ist doch keine verlockende Aussicht! Was für andere Trends sehen Sie in Zukunft?

Bronder: Das Freeriden ist weiterhin stark im Aufwind. Zudem werden speziell Damenskis und auch Tourenskis stärker verlangt.