Die Schweizer Niederlassung des deutschen Textilmaschinenherstellers Trützschler in Winterthur steht offenbar kurz vor der Schliessung. Wie handelszeitung.ch aus gut informierten Quellen erfuhr, ist man bei Trützschler am Prüfen, ob der Betrieb stark verkleinert noch weiterbestehen kann oder doch komplett geschlossen wird. Das Unternehmen beschäftigt gegen 60 Mitarbeiter – diese Arbeitsplätze sind nun in Gefahr.

Auf eine Anfrage hin bestätigte das Management, dass man am 25. Juni die Mitarbeiter über die prekäre Lage informiert habe: «Das Konsultationsverfahren für eine mögliche Massenentlassung wurde initiiert.» Von einer Einstellung der Firmentätigkeit wäre die Mehrheit der derzeit 60 Arbeitnehmenden betroffen.

Der Präsident des Verwaltungsrates der Trützschler Switzerland AG, Dirk Burger, sagte zur Situation: «Ganz besonders mit Blick auf unsere engagierten Mitarbeiter in Winterthur bedauern wir es zutiefst, dass wir diesen Schritt einleiten müssen. Wir werden nun konstruktive Gespräche mit den Mitarbeitern führen.»

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Franken, Weltmarkt, Entwicklungskosten

Die Firmenführung erwähnt in einer Mitteilung drei entscheidende Faktoren, die zur heutigen Lage führten: Den Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Euromindestkurs aufzuheben, verbunden mit der anhaltenden Frankenstärke. Dann ein sich fortlaufend verschärfender Zusammenbruch des Weltmarktes für Spinnmaschinen, der zu einem drastischen Auftragseinbruch geführt hat. Und drittens deutlich über den ursprünglichen Planungen liegende Entwicklungsaufwendungen und Kostenbelastungen in Verbindung mit einer verschärften Wettbewerbssituation durch den Eintritt neuer Anbieter für Spinnanlagen.

Erst vor drei Jahren gegründet

Der deutsche Ableger in der Schweiz wurde erst vor drei Jahren gegründet, mit 5 Millionen Franken Kapital der Muttergesellschaft ABIC GmbH.

Trützschler Switzerland liefert schlüsselfertige Lösungen und Komponenten für die Herstellung von Teppich- sowie von technischen Garnen für industrielle Anwendungen. Die Schweizer waren dem Unternehmensbereich «Man-Made Fibers» (Teppichgarn- und Technischgarn-Geschäft) angegliedert.

Der Textilmaschinenkonzern ist nicht nur in Deutschland und der Schweiz sondern auch in den USA, Brasilien, China und Indien aktiv. Zudem bestehen Servicestellen in der Türkei, Usbekistan und Mexiko. Weltweit beschäftigte der Konzern im Geschäftsjahr 2013 2248 Mitarbeiter, der Gesamtumsatz der Gruppe betrug 329,3 Millionen Euro.

Konzernbereich seit Jahren ausser Tritt

Die Entwicklung des Spinnereibereichs entwickelte sich seit der Finanzkrise durchaus positiv. Doch die Nonwovens-Töchter wiesen seit 2009 hohe Verluste aus. In der Konzernbilanz 2012 war im «Bereich Nonwovens/Man-Made Fibers» eine «schwierige wirtschaftliche Situation festzustellen». Es kam zu «nicht erwarteten Verlusten» und man fuhr einen erneuten hohen operativen Verlust ein, der nur durch Gelder der ABIC-Muttergesellschaft ausgeglichen werden konnte. Der Ausblick für die Schweizer Tochter, die dem Man-Made-Fibers-Bereich angehört, fiel entsprechend düster aus: «Restrukturierungsarbeiten in Egelsbach, Dülmen sowie in Winterthur (Schweiz)» würden aufs Konzernergebnis weiter «negativen Einfluss» haben.

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Im Juni 2014 war die Lage für die Man-Made-Fibers-Firmen weiterhin prekär, zeigt die Konzernbilanz. Wieder machte die deutsche Filiale in Egelsbach massive Verluste, sie wies «in 2013 gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzrückgang in Höhe von 5,8 Prozent aus. Erhebliche Auftragsverluste führten in der Folge zu einem deutlichen Verlust, der nur durch einen Ertragszuschuss der ABIC GmbH ausgeglichen werden konnte.» Auch die Filiale in Dülmen «befand sich 2013 weiterhin in der Restrukturierung und erwirtschaftete dennoch erneut einen operativen Verlust, der wiederum ebenfalls nur durch einen Ertragszuschuss der ABIC GmbH ausgeglichen werden konnte.»

0 Franken Gewinn versteuert

Die Schweizer waren auch im Minus, jedoch wurde dies erwartet: «Das Ende 2012 übernommene Teppichgarn- und Technischgarn-Geschäft (Man-Made-Fibers) in Winterthur führte in 2013 aufgrund der Reaktivierung des operativen Geschäfts zu dem erwarteten Verlust.»

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Es erstaunt daher nicht, dass Trützschler in der Schweiz seit Bestehen der Winterthurer-Tochter noch keinen Steuerfranken aus Ertragsgewinnen abführte. Für die Jahre 2012 und 2013 zeigt der definitive Steuerausweis ein Einkommen von 0 Franken. Für die Jahre 2014 und 2015 schätzte das Steueramt das Einkommen der Firma provisorisch ebenfalls auf 0 Franken ein.