Investoren dürften wenig Freude an der Aktienkursentwicklung haben: Phoenix Mecano sanken in den vergangenen sechs Monaten, nahezu parallel zum Leitindex SPI, um knapp 13% auf zuletzt 440 Fr. – trotz erfreulicher Halbjahreszahlen.

Benedikt Goldkamp:Ich räume ein, dass sich der Kurs in den letzten Monaten nicht dynamisch bewegt hat, wobei wir immer noch besser dran sind als vergleichbare KMU.

Was sind mögliche Gründe?

Goldkamp: Die Unsicherheit der Anleger, vor allem mit Blick auf die Ereignisse in den USA und deren Auswirkungen auf unsere Finanzmärkte, bekommen wir alle zu spüren. Das 3. Quartal verlief für uns sehr zufriedenstellend, immerhin haben wir ein solides Resultat geliefert. Nicht nur der Umsatz, sondern auch der Auftragsbestand konnte zweistellig auf 16% zulegen, und das Betriebsergebnis erhöhte sich um 12% auf 10,3 Mio Euro. Beim Auftragsbestand sind es vor allem unsere Schlüsselkunden im Maschinen- und Steuerungsbau sowie bei den Anlagenbauern für die Öl- und Gasindustrie, deren Bestellungen bis tief ins Jahr 2008 stützend wirken.

Wie ist das Gesamtjahr 2007 verlaufen?

Goldkamp: Die genauen Ergebnisse werden im April bekannt gegeben. Wir gehen für das abgelaufene Geschäftsjahr davon aus, dass wir – wie angekündigt – die Vorjahreswerte beim Betriebsergebnis übertreffen und beim Nettoresultat in etwa egalisieren. Dies ist auf einen einmaligen positiven Steuereffekt im Vorjahr zurückzuführen, der im laufenden Jahr weggefallen ist. Für 2008 rechnen wir mit einer weiteren Steigerung – ein favorables Wirtschaftsumfeld vorausgesetzt.

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Wie hoch schätzen Sie die Gewinnverdichtung pro Aktie als Folge des eben angelaufenen Aktienrückkaufprogramms?

Goldkamp: Es hat einen Umfang von bis zu 30 Mio Fr. und dürfte den Gewinn pro Aktie um 5 bis 6% verdichten.

Einen positiven Effekt auf den Aktienkurs hätten auch Akquisitionen. Ihr Unternehmen verfügt über eine Eigenkapitalquote von deutlich über 60% und ist nahezu nettoschuldenfrei. Was sind Ihre Pläne?

Goldkamp: Ich muss Sie enttäuschen: Es gibt überhaupt nichts, das ich dazu sagen könnte.

Haben Sie keine konkreten Pläne?

Goldkamp: Mehr kann und möchte ich dazu nicht sagen.

Warten Sie mit Akquisitionen zu, weil die Preise für Unternehmen nach wie vor sehr hoch sind?

Goldkamp: Ich stimme in das Gejammer über die hohen Transaktionspreise nicht ein. Passt ein Unternehmen in unser strategisches Puzzle, muss man auch bereit sein, den entsprechenden Preis zu bezahlen.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 gehört Phoenix Mecano zu den günstigeren Nebenwerten. Haben Sie keine Bedenken, dass Ihr Unternehmen selber zum Übernahmekandidaten werden könnte?

Goldkamp: Das mit der Übernahme dürfte in unserem Fall nicht so leicht zu bewerkstelligen sein.

Warum nicht? Phoenix Mecano weist einen Free Float von aktuell zirka 70% auf, ein Wechsel der Kontrolle wäre grundsätzlich möglich.

Goldkamp: Unsere Produktepalette ist sehr weit gefächert und auch geografisch sehr breit verankert. Unser Unternehmen wurde, bereits unter meinem Vater, bewusst so aufgebaut, dass sich fein verästelte Synergien potenzieren. Ein strategischer Käufer ist eher an Unternehmen mit einem fokussierten Produkteportfolio interessiert, das weniger Sparten hat und daher leicht zu integrieren ist. Für klassische Raider gilt: Würden unsere Synergien auseinander gerissen, hätte der Käufer mehr verloren als gewonnen.

Verfügen Sie trotzdem über ein Abwehrdispositiv?

Goldkamp: Ich bin der Meinung, dass wir uns den Regeln des Marktes stellen sollten. Dafür brauchen wir kein Abwehrdispositiv, sondern eine solide Unternehmensperformance. Die haben wir in den ersten neun Monaten einmal mehr hingelegt.

Phoenix Mecano bilanziert in Euro – in der Schweiz nicht die Regel. War das weise Voraussicht oder purer Zufall?

Goldkamp: Weder das eine noch das andere. Wir haben unsere Rechnungslegung per Jahresabschluss 2002 auf Euro umgestellt, weil sowohl das Gros der Umsätze wie auch jenes der Kosten in dieser Währung anfallen. Dadurch sinkt das Translationsrisiko in unserer Berichterstattung. Mit anderen Worten: Wer Phoenix-Mecano-Aktien kauft, erwirbt Anteile an einer mehrheitlich im Euroraum tätigen Firma mit allen Chancen und Risiken. Aktien und Dividenden werden aber weiterhin in Franken gehandelt und gezahlt.

Die positiven Auswirkungen der Euro-Franken-Wechselkursentwicklung dürften sich auch in diesem Geschäftsjahr auf die Ergebnisse niederschlagen.

Goldkamp: Für Investoren, die in Franken rechnen, trifft das zu. So wird unser Gewinn pro Aktie in Franken dieses Jahr stärker steigen als der Gewinn pro Aktie in Euro, und das interessiert den Schweizer Investor natürlich in allererster Linie.

Was ist die Kehrseite?

Goldkamp: Unsere Stärke wird – rein optisch – zu wenig deutlich. Die Zuwachsrate beim Umsatz in Franken lag nach neun Monaten bei 18%, wegen unserer Rechnungslegung in Euro waren das auf dem Papier jedoch nur 13%.

Die Sparte Mechanische Komponenten erzielte im 1. Halbjahr 2007 mit 1,7% eine doch recht mickrige Ebit-Marge.

Goldkamp: Auch wir sind mit der derzeitigen Performance nicht zufrieden. Diese Sparte ist unser Sorgenkind.

Was sind die Gründe für die unerfreuliche Entwicklung?

Goldkamp: Neben steigenden Preisen für Rohmaterialien und dem schwachen Dollar fielen auch die Kosten für die Einführung neuer Produkte stark ins Gewicht. Das gilt sowohl für den Bereich Spitalbetten und Patientenlifte wie auch für die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Zudem erholte sich der japanische Markt für Altenpflege nach der Revision des lokalen Pflegegesetzes nicht so rasch wie erwartet. Andererseits orten wir gerade hier ein grosses Aufholpotenzial. Wir sind mit einem Marktanteil von 60% klare Nummer eins im Weltmarkt für Privatbetten mit Lattenrostkonstruktion.

Welche Pläne haben Sie für den insgesamt wachsenden Markt für Pflege- und Spitalbetten?

Goldkamp: Im Pflege- und Spitalbettenbereich sind wir Nummer zwei und wollen, nicht zuletzt durch attraktive Neuprodukte, unseren Marktanteil weiter ausbauen. Durch unser weltweit etabliertes Vertriebsnetz können wir Vor-Ort-Service anbieten, was Mitwettbewerbern deutlich schwerer fällt. Das gilt insbesondere auch für Schwellenländer. Zudem steigt die Nachfrage nach Convenience im Patientenbereich und auch im Privatmöbelbereich laufend. Hinzu kommt schliesslich die demografische Entwicklung – Stichwort mehr alte und pflegebedürftige Menschen –, die sich für uns natürlich sehr positiv auswirkt.

In der Sparte Gehäusetechnik ist, im Gegensatz zur schwächelnden Division Mechanische Komponenten, richtig viel Zug im Geschäft.

Goldkamp: Hier zeichnet sich ein interessantes Wachstum auf dem Gebiet der Öl- und Gasförderung ab. Gerechnet wird mit einem Wachstum bis zu 40%. Unsere Gehäuse, welche elektrische Verbindungstechnik in diesen explosionsgefährdeten Bereichen schützen, sind weltweit zertifiziert und werden zunehmend von Planungsfirmen und Förderanlagenbauern vorgeschrieben.

Als Gruppe erzielt Phoenix Mecano nur 8% des Umsatzes in den USA. Wie sieht Ihre Strategie in dieser Region aus?

Goldkamp: Sagen wir es so: Dort sehen wir die Möglichkeit von Marktanteilsgewinnen. Aber es eilt nicht. So rasch wie der Wert des Dollars gefallen ist, kann man gar nicht wachsen. Kommt hinzu, dass in den USA der Markt für Maschinenbauer weniger als halb so gross ist wie in Europa.

Welches Umsatzwachstum und welche Ebit-Marge peilen Sie angesichts dieser Lagebeurteilung mittelfristig an?

Goldkamp: Unsere Strategie beruht auf den drei Pfeilern organisches Wachstum, geografische Expansion sowie Wachstum durch Arrondierungen. Das organische Wachstum sehe ich mittelfristig zwischen 4 und 6%, derzeit wachsen wir schneller.

Wie stark wollen Sie mit Akquisitionen wachsen?

Goldkamp: Durch Zukäufe sehe ich noch einmal etwa das gleiche Wachstumspotenzial.

Welche Profitabilitätsziele streben Sie an?

Goldkamp: Bei der Ebit-Marge haben wir uns einen Zielkorridor von 8 bis 12% gesetzt. Generell gilt: Wir setzen alles daran, im Branchenvergleich bei Marge und Kapitalrendite besser zu sein als der Durchschnitt.

Welchen Weg schlagen Sie ein, falls dieses Ziel nicht erreicht werden kann?

Goldkamp: Sollte dieses Ziel unterschritten werden, reagieren wir durch weitere Effizienzsteigerungen, Restrukturierungen oder – wenn es sein muss – sogar mit Devestitionen.