Die Welt steckt in einer tiefen Rezession, die Konsumenten halten ihr Geld zusammen. Wie wird Givaudan davon getroffen?

Gilles Andrier: Unsere Halbjahreszahlen zeigen, dass wir ziemlich resistent gegen die Krise sind. Fast vier Fünftel unserer Produkte sind Teil des täglichen Bedarfs der Konsumenten - etwa Milchprodukte oder Haushaltspflegemittel.

Wo muss Givaudan Federn lassen?

Andrier: In einzelnen Bereichen, etwa bei Luxusparfums oder im Süsswarengeschäft, spüren auch wir als industrieller Zulieferer die Krise. Das Geschäft mit Luxusparfums leidet besonders in Westeuropa und Nordamerika. Zu Jahresbeginn haben die Detailhändler ihre Lager abgebaut. Dieser Prozess sollte nun aber weitgehend abgeschlossen sein.

Sehen wir im 2. Halbjahr eine Erholung?

Andrier: Das Vertrauen der Konsumenten in den reifen Märkten bleibt schwach. Das wird den Luxusparfum-Bereich weiter beeinträchtigen. Aber in allen anderen Segmenten erwarten wir eine Erholung.

Was macht Sie so sicher?

Andrier: Fast 40% unseres Umsatzes erzielen wir in Schwellenländern. Hier hat der Konzern im 1. Halbjahr 7% zugelegt. Dieser Trend sollte sich in der 2. Jahreshälfte fortsetzen.

In Nordamerika dagegen sank der Umsatz um 6,2%. Wann sehen wir eine Erholung?

Andrier: Bei den Luxusparfums erwarten wir keine Erholung vor 2010. Der Rest dürfte sich relativ stabil entwickeln.

Gerade in den reifen Märkten verlangen Konsumenten nach fett- und salzreduzierten Produkten. Givaudan bietet Aromen, die trotz Reduktion für guten Geschmack sorgen. Wie wichtig wird dieses Geschäft?

Andrier: Vor drei Jahren lag der Umsatz noch bei null. Jetzt sind wir bei 100 Mio Fr. Ich gehe davon aus, dass der Bereich in den nächsten fünf Jahren zweistellig wachsen wird - er ist also sehr wichtig.

In den Wachstumsmärkten Asiens wächst Givaudan auch mit herkömmlichen Produkten zweistellig. Wird dieser Trend anhalten?

Andrier: Davon gehen wir aus. Die Finanzkrise hat diese Länder weniger stark erfasst, die Volkswirtschaften wachsen auch in diesem Jahr vergleichsweise kräftig. Die Bevölkerung verfügt über mehr Einkommen und wird das Geld vermehrt auch für abgepackte Nahrung, Körperpflegeprodukte und Haushaltpflegemittel ausgeben. Dasselbe gilt übrigens auch für die Wachstumsmärkte in Lateinamerika.

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Wie viel Umsatzwachstum erwarten Sie für das laufende Jahr?

Andrier: Der Gesamtmarkt schrumpft im einstelligen Prozentbereich - Givaudan will 2009 den Gesamtmarkt übertreffen.

Also mindestens ein Nullwachstum?

Andrier: Das ist richtig.

Was erwarten Sie für 2010?

Andrier: Wir hoffen, dass es nicht zu einem zweiten massiven Lagerabbau kommt. Es gibt heute erste Anzeichen dafür, dass sich die Weltkonjunktur erholt. Aber noch ist es zu früh, um klare Aussagen machen zu können. Die Finanzkrise ist vorbei, aber die Rezession ist noch da.

Die Preise für Rohmaterialien sinken zwar, dennoch sehen wir keinen grossen Effekt bei Ihrer Bruttomarge. Wann schlagen die tieferen Preise auf Ihre Rendite durch?

Andrier: Es wird auch im 2. Halbjahr noch keine grosse Entlastung geben. Unsere Lieferanten halten an ihren Preisen fest, zudem werden gewisse Rohmaterialien bereits wieder teurer.

Könnte Givaudan Land kaufen und selber Rohstoffe anbauen, um wichtige Stoffe wie Citrus und Patchouli zu gewinnen?

Andrier: Das kommt für uns nicht in Frage. Unsere Lieferanten verfügen über ein besseres Know-how.

Sie arbeiten derzeit an der Entschuldung des Konzerns. Verschaffen Sie sich damit auch Raum für Akquisitionen?

Andrier: Wir wollen nicht auf Einkaufstour gehen. Zudem ist die Integration der niederländischen Quest, die wir 2007 erworben haben, noch nicht abgeschlossen. Arrondierungen gegenüber sind wir aber nicht verschlossen.