Das Logitech-Management hatte an Roadshows in den letzten Monaten immer betont, es bestehe kein Zusammenhang zwischen Konsumentenvertrauen und Logitech-Umsätzen. Gilt das jetzt auch für die sparsamen amerikanischen Konsumenten?

Guerrino de Luca: Wir hatten in diesem Quartal einen Umsatzanstieg ? wenn man irgendwie und irgendwann einen Rückgang zu erwarten gehabt hätte, dann jetzt. Konsumenten sparen anders, sie fangen bei den teuren Gütern wie Autos an. Aber das heisst nicht, dass sie gar nichts mehr kaufen. Das haben wir auch gesehen, als vor drei Jahren die Konsumentenstimmung in Deutschland am Boden war und wir einen sehr guten Geschäftsgang zu verzeichnen hatten.

Überraschend gut erholt haben sich Webcams. Sind die Probleme in dieser Sparte gelöst?

De Luca: Ja, wir hatten einige Quartale eine negative Entwicklung, haben dann aber die erforderlichen Schritte getroffen und erwarten weiteres Wachstum hier.

Wir sehen generell einen Trend von Desktop-PCs zu mobilen Notebooks. Verändert das den Bedarf für Periepheriegeräte ? etwa Computermäuse?

De Luca: Diese Befürchtung hegen viele Analysten und Investoren seit Jahren. Das am schnellsten wachsende Segment bei uns war in den letzten zwölf Monaten das Zubehör für Notebooks, es stieg um 41% gegenüber 15% auf Konzernebene.

Weshalb?

De Luca: Viele User steigen auf Notebooks um, um damit zu Hause eine höhere Flexibilität zu haben und vom Arbeitszimmer ins Wohnzimmer zu wechseln. Sie reisen aber nicht öfter mit ihren Notebooks, und deshalb benötigen sie auch mit Notebooks Computermäuse und Lautsprecher, zumal die eingebauten Lautsprecher miserabel klingen und immer mehr Menschen Musik auf ihren Notebooks speichern.

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Asien gilt als Wachstumsmarkt. Jetzt hat aber mit TCS ein weiterer grosser indischer IT-Dienstleister die Auswirkungen der US-Krise zu spüren bekommen. Rechnen Sie mit Auswirkungen auf weitere Sektoren?

De Luca: Die indischen Dienstleister verkaufen viel an die US-Finanzindustrie. Generell sehen wir keinen Einfluss auf weitere Länder in Asien, wo wir viel Wachstumspotenzial sehen. Obwohl wir auch in diesen Ländern eine kleine Verlangsamung nicht ausschliessen würden.

Logitech hat hohe Bargeldreserven. Haben Sie Akquisitionspläne, etwa bei Home-Netzwerken oder Computerspiel-Hardware?

De Luca: In der Vergangenheit haben wir immer in einem Bereich gekauft, in dem es niemand erwartet hat. Ich denke, das wird auch diesmal der Fall sein. Akquisitionen sind ein guter Weg, den Umsatz zu steigern, aber es ist nicht der einzige Weg. Zudem müssen sie Sinn machen.

Netzwerke wären beispielsweise eine Lücke.

De Luca: Ja, aber bei Akqui- sitionen muss man den Fokus noch verkleinern, es genügt nicht, mit einem breiten Fokus heran-zugehen und zu sagen, man kauft bei Netzwerken oder so. Man muss sich dann eine Firma ganz genau anschauen und sich fragen, ob und wie die Produkte ins bestehende Sortiment pas-sen und Mehrwert schaffen. Alles andere wäre Geldverschwendung.

Am Dienstag stieg die Logitech-Aktie um 10%, seit Jahresanfang war sie 40% gefallen. Finden Sie das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17.6 angemessen?

De Luca: Wir würden die Aktien nicht weiter zurückkaufen, wenn wir den Kurs für zu teuer befinden würden. Wir sehen uns als Treuhänder der Aktionäre an und achten weniger auf die kurzfristigen Schwankungen als auf die längerfristigen Trends. Und hier sehen wir uns besser positioniert als viele andere Unternehmen, auch wenn sich die Wirtschaft abschwächen sollte.