RETO WITTWER. Kempinski ist in der Schweiz in St. Moritz, in Genf sowie auf dem Mont-Pèlerin oberhalb von Vevey präsent. Zürich fehlt. Sind Sie nicht interessiert an der wichtigsten Wirtschaftsregion der Schweiz?

Reto Wittwer:

Wir wären gerne präsent in Zürich, dem ökonomischen Nervenzentrum der Schweiz. Nur: Dort, wo wir auftreten, wollen wir entweder als Marktführer die Nummer eins sein am Platz oder mit unserem Produkt Einzigartigkeit ausstrahlen.

Weshalb soll das in Zürich nicht möglich sein?

Wittwer: Zürich ist ein saturierter Markt. Wollen wir unserer Philosophie nachleben, so müssten wir einen bestehenden Betrieb übernehmen und integrieren. In Zürich die Nummer 17 spielen ist nicht interessant. Da verzichten wir lieber.

Das Dolder Grand Hotel würde Ihren Intentionen entsprechen.

Wittwer: Das «Dolder» – ein Aushängeschild der Schweizer Hotellerie – wäre mit seiner grossen Vergangenheit unsere Traumdestination in Zürich. Ich kenne aber die persönlichen Ambitionen von «Dolder»-Besitzer und Financier Urs E. Schwarzenbach nicht.

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Geben Sie Zürich deshalb auf?

Wittwer: Nein, wir geben nicht auf, wir sind aber nicht gewillt, um jeden Preis oder unter Zugeständnissen an unsere Standortkriterien ein Hotel in Zürich zu haben. Wir haben an der Übernahme des ehemaligen «Hiltons» in Genf über fünf Jahre gearbeitet. Es zeigt sich, mit Geduld, dem richtigen Team und Kompetenz kommt man ans Ziel, welches im Falle Zürich hoffentlich zu einem Standort ähnlich wie das «Baur au lac», der «Widder», das «Savoy» oder das «Dolder» führen wird.

Wie steht es um weitere Standorte in der Schweiz?

Wittwer: Wir führen Gespräche. Es geht um Hotels in der Innerschweiz, in Bern und in Lausanne, also um eine Package-Lösung.

Dabei kann es sich nur um die luxemburgische Rosebud Hotels Holding SA handeln, in deren Portfolio die Bürgenstock Hotels, das «Royal Savoy» in Lausanne, der «Schweizerhof» in Bern und das «Atlantis» in Zürich gehören?

Wittwer: Die Details sind nicht spruchreif, lassen Sie sich überraschen.

Ist der Markt der Luxushotels in der Schweiz nicht zur Genüge abgedeckt?

Wittwer: Doch. Für die jeweiligen Nummern eins sehe ich aber keine Probleme. Die Verfolger hingegen können nur darauf hoffen, dass der Leader seine Preise nach oben anpasst. Aktiviert die Nummer eins hingegen die Discount-Spirale, dann hat diese ein «Blutbad» zur Folge. Das bedeutet: Die Nummer eins wird immer überleben, für die anderen Marktplayer hingegen wird es eng. Am stärksten leidet das Mittelfeld, nicht die beiden Pole am unteren – dem günstigsten – und am oberen – dem teuersten – Ende.

Sind Preissenkungen für Kempinski tabu?

Wittwer: Wer die Preise reduziert, riskiert die Marke.

Marktführer wie Kempinski können den Preis diktieren.

Wittwer: Deshalb ist der Schweizer Markt so interessant. Deutschland ist preisresistenter als die Schweiz. Wir würden in Berlin oder in München gerne Preise verlangen wie in Zürich, London oder Paris.

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Werden Ihnen Häuser offeriert?

Wittwer: Ja, die Offerten stapeln sich auf meinem Pult. Die Situation hat sich in den letzten zwölf Monaten deutlich akzentuiert.

Wo sehen Sie geografisch in den nächsten Jahren die grossen Expansionsschritte?

Wittwer: Wir werden als europäische Gesellschaft wahrgenommen, früher akzentuiert als deutsches Unternehmen. Lief in unserem Stammland etwas schief, so entwickelte sich das anfängliche Husten schnell zur Grippe. Diese Abhängigkeit wurde reduziert. 40 bis 50% unserer Häuser möchte ich dennoch künftig in Europa betreiben. Europa ist identisch mit Luxus und Prestige, in Bereichen wie Mode, Autos, Uhren. Im Mittleren Osten – dort, wo Geld in rauen Mengen vorhanden ist und laufend Prestigeobjekte aus dem Boden gestampft werden – sowie in Südostasien sind wir präsent, Ausbauschritte sind aber noch wünschenswert; Jakarta wird Anfang 2008 eröffnet, Bangkok 2008. Von dieser Plattform aus sollte die weitere Expansion nach Singapur und Malaysia eingeleitet werden. Die USA hingegen sind tabu. Lifestyle und unsere Art der Hotelführung sind keine amerikanischen Erfindungen.

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Und China?

Wittwer: Dort betreiben wir als zweitgrösster Hoteloperator des Landes 23 Hotels. Mit den zehn besten baut Kempinski, zusammen mit einem lokalen Partner, einen eigenen chinesischen Brand auf, der anschliessend 60 bis 70 Betriebe unter seine Fittiche nehmen kann.

Wo sehen Sie die ideale Grösse?

Wittwer: Ich habe eine Faustregel aufgestellt. Wir werden nie mehr Betriebe führen, als wir alt sind.

Kempinski existiert seit 110 Jahren …

Wittwer: Aktuell betreiben wir 108 Hotels. In diesem Bereich liegt die Limite. Das führt, weil wir ja ständig neue Projekte realisieren, zu einer Warteliste. Unsere Verträge sind zeitlich limitiert auf 10, 15, vielleicht 20 Jahre.

Wie stark wächst Kempinski 2007?

Wittwer: Bis Ende Dezember werden wir dieses Jahr insgesamt sieben neue Hotels eröffnet haben. 2008 ist die Eröffnung von 15 weiteren Betrieben geplant.Kempinski gehört zu 85% dem der thailändischen Monarchie nahe stehenden Crown Property Bureau, ihrem Hauptaktionär, und der Hotelgruppe Dusit. Bleibt die Gesellschaft in Privatbesitz?Wittwer: Die Gesellschaft wurde vor fünf Jahren privatisiert. Gingen wir an die Börse zurück, so sähe ich dies erst ab etwa 2010, 2011, wenn wir alle die anstehenden, wichtigen Eröffnungen hinter uns haben. In den letzten fünf Jahren haben wir den Wert von Kempinski vervierfacht, bis 2010 möchten wir ihn nochmals verdoppeln.

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Realisiert werden könnte die Wertsteigerung durch einen Verkauf oder durch einen Börsengang.

Wittwer: Im Hinblick auf die anstehenden über 60 Neueröffnungen in den nächsten drei Jahren gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine Pläne der Eigentümer, Kempinski zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.

Name:

Funktion:

Alter:

Wohnort:

Ausbildung:

Ab 1970

1988–1992

1992–1995

Seit 1995

Kempinski