Sind Sie schon mit dem A380 geflogen?

Thomas E. Kern: Nein. Ich habe den A380 noch nie live gesehen. Daher freue ich mich extrem, dass das grösste Passagierflugzeug der Welt nach Zürich kommt.

Am 20. und 21. Januar 2010 ist es so weit, jedoch erst eine Werksmaschine von Airbus zu Testzwecken. Haben Sie das Gefühl, dass noch etwas schief gehen kann?

Kern: Nein. Ich gehe davon aus, dass diese Tests erfolgreich sein werden und dass wir nach London und Paris als dritter Flughafen in Europa eine regelmässige Verbindung mit einem A380 bekommen.

Singapore Airlines hat soeben bestätigt, dass sie ab 28. März 2010 mit einem A380 zwischen Singapur und Zürich verkehren wird - vorausgesetzt, der Flughafen erhält vom Bundesamt für Zivilluftfahrt die endgültige Zertifizierung. Würde oder Bürde?

Kern: Das ist hauptsächlich Würde. Aber es hat auch Implikationen zur Folge. Wir müssen Investitionen am Dock E tätigen, wo der A380 andocken wird. Insbesondere muss eine dritte Fluggastbrücke gebaut werden, damit der doppelstöckige A380 später über drei Fluggastbrücken auf zwei Ebenen be- und entladen werden kann.

Was kostet das die Flughafenbetreiberin?

Kern: Erwartungsgemäss einen einstelligen Millionenbetrag für die neue Fluggastbrücke sowie für die statischen und räumlichen Anpassungen am Gebäude.

Wird der Bau am Dock E nun ausgelöst?

Kern: Das ist bereits ausgelöst, weil das eine Bewilligung und seine Zeit braucht.

Beteiligt sich Singapore an ihren Kosten?

Kern: Nein. Es ist an uns, eine hochstehende Infrastruktur bereitzustellen.

Dient der A380 dem Flughafen Zürich vornehmlich für das Renommee?

Kern: Das ist ein positiver Nebeneffekt. Genauso, dass Singapore ihre zwei täglichen Flüge nach Zürich zusammenfasst. Der Flug am Abend wird zugunsten des Flugs am Mittag aufgegeben, was auch eine Lärmreduktion zur Folge hat.

Welche wirtschaftlichen Nachwehen hat diese Reduktion durch Singapore für Sie?

Kern: Der A380 ist für uns nicht primär wirtschaftlich interessant. Interessant ist, dass mit einem Flug mehr Passagiere befördert werden können. Die positiven Aspekte überwiegen. Zudem ist es ein Startsignal: Auch andere Airlines sollen später mit einem A380 nach Zürich fliegen.

Das heisst, Sie sprechen bereits mit Emirates, die heute zweimal täglich von Dubai nach Zürich kommt und acht A380 hat.

Kern: Sicher ist das eine nächste Möglichkeit. Aber da ist noch nichts entschieden.

Auch die australische Qantas hat schon sechs A380. Ist es ein Thema, dass es wieder direkte Flüge nach Australien gibt?

Kern: Dazu kann ich nichts sagen. Ich kann aber sagen, dass der Flughafen Zürich nie ein grosser A380-Hub wird, dafür ist unser Heimmarkt viel zu klein.

Ihre Devise für das von der Krise geprägte 2009 war: «Hope for the best, prepare for the worst.» Wie schlimm war es denn?

Kern: Anfang Jahr sind wir von einem Passagierrückgang von 3 bis 5% ausgegangen. Das Jahr 2009 haben wir nun mit einem Passagierrückgang von nur 0,8% abgeschlossen. Das setzt sich zusammen aus einem Plus von 3,2% an Transfer- und einem Minus von 3,0% an Lokalpassagieren. Dies beeinflusst unsere Einnahmen, weil wir von den Lokalpassagieren höhere Gebühren erhalten als von den Transferpassagieren.

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Schlagen umsteigende Kunden im Duty Free mehr zu als abfliegende Kunden?

Kern: Das kann man so nicht sagen. Wenn wir die Brücke vom Verkehrsaufkommen zum Kommerzumsatz schlagen, dann sehen wir hier für 2009 insgesamt einen Rückgang um 4,6%. Das setzt sich zusammen aus einem Plus auf der öffentlich zugänglichen Landseite von 2,9% und einem Minus auf der von Passagieren im Duty Free frequentierten Luftseite von 10,4%.

Übersetzt: Bei den Passagieren konnte sich der Flughafen noch mehr als Hub etablieren und beim Kommerz ist das Shopping Center wichtiger geworden.

Kern: Richtig. Die Schlussfolgerungen daraus sind: Swiss, unser grösster Partner, hat einen sehr guten Job gemacht. Und unser regionales Einkaufszentrum bewährt sich wegen der guten Verkehrsanbindung und den langen Ladenöffnungszeiten.

Welchen Anteil steuert Ihr Engagement bei Flughäfen im Ausland zum Resultat bei?

Kern: Der Anteil ist noch verhältnismässig klein. Operativ schreiben alle Flughäfen Gewinne. Der finanziell herausragendste Aspekt war der Verkauf von 12 der 17% unserer Anteile am Flughafen Bangalore.

Man sagt, dass Ihnen davon unter dem Strich ein Profit von 70 Mio Fr. bleibt.

Kern: 75 Mio Fr. - dies quasi als Nettogewinn. Das ist ein ansehnliches Ergebnis unserer Auslandsoperation. Besonders, wenn man bedenkt, dass wir für unser Aktienpaket damals nur 1 Mio Fr. pro Prozent bezahlt haben, sprich 17 Mio Fr. für 17%.

Wird dieser Erfolg von 75 Mio Fr. im Geschäftsjahr 2009 oder 2010 verbucht?

Kern: Dieser Erfolg wird 2009 verbucht.

Wie wird sich dieser zusätzliche Profit auf die Dividende für 2009 auswirken?

Kern: Das ist Gegenstand von Überlegungen im VR, der die Dividende festlegt.

Bei Ihrem regulären Gewinn für 2009 sagt man, dass dieser gegenüber 2008 von über 120 auf unter 100 Mio Fr. gesunken ist.

Kern: Dazu äussern wir uns erst an unserer Bilanzpressekonferenz vom 19. März 2010. Deshalb halte ich mich an meine früher gemachte Aussage bezüglich der Guidance, dass wir infolge der wirtschaftlichen Situation davon ausgehen, dass wir für 2009 eine Reduktion um 10 bis 20% erwarten.

Ihr Fazit zum vergangenen Geschäftsjahr?

Kern: Es hat sich wesentlich erfreulicher gestaltet, als man es ursprünglich annehmen durfte. Dies hat drei Gründe: Wir machen offensichtlich unseren Job als Betreiberin des Flughafens gut; nicht zu unterschätzen ist, dass wir mit Swiss einen sehr leistungsfähigen Home- und Hub-Carrier haben; zudem hat sich die Schweiz als Land relativ stabil gezeigt. Diese Konstellation hat dazu geführt, dass wir weniger verloren haben und schneller wieder auf das Normalniveau zurückgekehrt sind.

Wo mussten Sie die Hebel trotzdem ansetzen und Sparmassnahmen ergreifen?

Kern: Wir haben früh reagiert - nicht wissend, wie es weitergeht - und auf der Investitions- und Kostenseite einen Gang runtergeschaltet. Das hat sich bewährt. Die Flughafen Zürich AG musste keine Entlassungen vornehmen. Das ist erfreulich.

Welche Ziele haben Sie für 2010?

Kern: Bezüglich unserer Erwartungen kann ich noch keine Angaben machen. Es gibt aber sehr positive Signale. Besonders erfreulich ist die Erholung der Fracht. Sie hat in der Krise zuerst gelitten und sie ist Ende des letzten Jahres mit 20% wieder am stärksten gewachsen. Das ist für die Luftfahrt in der Regel ein verlässliches Anzeichen für eine positive Entwicklung.

Werden Sie nun wieder forscher?

Kern: Nein. Ganz sicher müssen wir vorsichtig bleiben. Die Ausläufer der Krise sind in Teilen nach wie vor zu spüren.

Wie viele Passagiere budgetieren Sie?

Kern: Auch da mache ich keine Prognose. Aber es ist offensichtlich, dass wir nicht mehr von einem Rückgang, sondern in der Tendenz von einem Wachstum ausgehen.

Wie steht es mit Gebührenerhöhungen?

Kern: Bei den Gebühren sind keine Veränderungen geplant, weder für die Airlines noch für die Passagiere. Wenn wir es fertigbringen, auch in anspruchsvollen Zeiten eine Stabilität in unser Gebührensystem hineinzubringen, dann ist das ein positives Zeichen für die Verlässlichkeit und Planbarkeit gegenüber unseren Partnern.

«Back to the roots», heisst es dafür beim Markenauftritt.

Kern: Wir waren immer die Flughafen Zürich AG. Was sich auf deren zehnte GV am 15. April 2010 ändert, ist, dass die Marke «Unique» aufgegeben und durch «Flughafen Zürich» ersetzt wird.

Wie schnell werden Sie dies umsetzen?

Kern: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Das führt von den Anpassungen in den Computersystemen über neue Visitenkarten und Tenues bis hin zu den Beschriftungen der Fahrzeuge. Wir machen im Frühling einen klaren Schnitt, lassen aber zu, dass das neue Logo bis Ende Jahr kostenbewusst eingeführt wird.

Ist Zürich somit nicht mehr «unique»?

Kern: So wie Sie fragen, hoffe ich natürlich, dass wir eine gewisse «uniqueness» beihalten können, aber das muss ja nicht unbedingt im Namen stehen.