Im 1. Quartal sind die Umsätze von Straumann leicht gesunken. Hat sich diese Entwicklung im April fortgesetzt?

Gilbert Achermann: Die Situation hat sich seit Jahresbeginn wieder stabilisiert. Es ist aber eine Stabilisierung auf tiefem Niveau. Wir erwarten nicht, dass sich die Marktsituation in den nächsten Quartalen signifikant verbessern wird. 2009 wird es meines Erachtens keine Markterholung geben, und 2010 wird der Markt bestenfalls wieder einstellig wachsen. Im 1. Quartal sind wir in Lokalwährungen gewachsen. Im Moment ist es noch zu früh, die Entwicklung im laufenden Monat zu kommentieren.

Was erwarten Sie vom 2. Quartal?

Achermann: Das 2. Quartal wird sich noch nicht verbessern. Wir erwarten, dass der Effekt des Lagerabbaus der Zahnärzte abnehmen wird. Gleichzeitig sehen wir aber nicht, dass die Anzahl der Patienten zunimmt. Die Lage ist weiterhin angespannt. Der Markt wird im 2. Quartal nicht stärker wachsen als im 1. Quartal; und zudem ist für uns die Vergleichsbasis zum Vorjahr extrem anspruchsvoll.

Wie viele Marktanteile konnten Sie gewinnen? Wann ist Marktführer Nobel Biocare eingeholt?

Achermann: Es ist unsere Ambition, gemessen an Marktanteilen, näher an die Nummer eins zu kommen. Wenn man die Quartalszahlen unsererer Mitbewerber betrachtet, sind wir sicher klar besser unterwegs. Dies legt den Schluss nahe, dass wir Marktanteile gewinnen. Zahlen kann ich jedoch nicht nennen.

Spüren Sie einen Preisdruck?

Achermann: Wir sehen keinen Preisdruck, der uns dazu zwingen würde, unsere Preispolitik in irgendeiner Form anzupassen. Wir können unsere durchschnittlichen Verkaufspreise halten. Bei Dentalimplantaten entstehen die Kosten nicht durch die Materialien, sondern durch die Behandlungen, und Qualität hat ihren Preis.

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Zahnärzte greifen nicht vermehrt auf Billiganbieter zurück?

Achermann: Wir stellen gar fest, dass Markentreue und Qualität vor allem in Krisenzeiten sehr viel wichtiger werden. Die Zahnärzte achten darauf, dass sie mit einem etablierten Partner zusammenarbeiten, der auch noch in sechs oder zwölf Monaten auf dem Markt ist.

Schadet die Krise den Billiganbietern?

Achermann: Nein, ich glaube einfach, dass das, was anfänglich günstig aussieht, längerfristig oft die teurere Variante darstellt. Wir sprechen von hoch entwickelten Medizinaltechnik-Produkten.

Straumann hat im Januar ein Kostensparprogramm eingeleitet. Wird dieses ausreichen?

Achermann: Ja, das reicht angesichts der Entwicklungen, wie wir sie bis anhin sehen. Wir haben sehr früh gehandelt in der Annahme, dass wir 2009 nicht oder nur leicht wachsen. Es gibt also keinen Grund für zusätzliche Sparmassnahmen in irgendeiner Form. Wir müssen aber die wirtschaftliche Entwicklung und den Markt sicher im Auge behalten. Und wenn es in den nächsten Quartalen besser laufen sollte als erwartet, kann man auch wieder zusätzlich in gewisse Bereiche investieren.

Was würde in Frage kommen?

Achermann: Das möchte ich nicht diskutieren.

Anders gefragt: Sie haben neue Produkte auf den Markt gebracht und Zukäufe getätigt. Welche nächsten Schritte sind geplant?

Achermann: Nicht, dass ich Sie zu grossen Spekulationen verleiten wollte. Wir sprechen nicht von grossen Akquisitionen. Straumann hat die kritische Grösse und muss keine Marktanteile kaufen. Aber wir halten immer Ausschau nach Arrondierungen - allerdings nur in unserem bestehenden Produktportfolio: In der Implantologie, im Bereich CAD/CAM oder in der Regeneration.

Wofür werden die Mittel sonst verwendet?

Achermann: Wenn ich von zusätzlichen Mitteln spreche, kann es darum gehen, dass wir Märkte stärker bearbeiten oder dass wir Projekte in Angriff nehmen, die wir zurückgestellt haben. Es sind also keine grossen strategischen Geheimpläne, die ich irgendwie aus der Schublade ziehe.

Welche Märkte sprechen Sie an?

Achermann: Denken Sie an Osteuropa. Dort wollen wir noch weiter wachsen.