Das jüngste Abkommen mit Grossbritannien beinhaltet eine Lösung für die bestehenden, unversteuerten Vermögen (siehe Box). Welche anderen Länder haben ebenfalls Interesse an einem solchen Abkommen gezeigt?

Klaus Tschütscher: Es ist zu früh, dazu Stellung zu nehmen. In unserer Erklärung vom 12. März 2009 geht es um die Umsetzung eines Prinzips: Des Prinzips des partnerschaftlichen Ansatzes zur Lösung der grenzüberschreitenden Steuerthematik.

Wird sich dieses Prinzip international durchsetzen?

Tschütscher: Wenn man nach pragmatischen Lösungen sucht, die die verschiedenen Interessen berücksichtigen, kann unsere Erklärung international sicher beispielgebend sein.

Auch die Schweiz sucht Auswege. Sollten dem Ausland Steueramnestien vorgeschlagen werden?

Tschütscher: Das Prinzip des partnerschaftlichen Ansatzes ist bei der Steuerfrage für den Erfolg entscheidend. Wenn grundsätzlich auf beiden Seiten die Bereitschaft besteht, die Vergangenheit bei den bisher unversteuerten Vermögen zu bereinigen, ist ein erster Schritt getan. Dann geht es darum, in konkreten Verhandlungen Wege der praktischen Umsetzung zu finden. Das ist nicht einfach und wird einige Zeit dauern.

Liechtenstein hat als EWR-Mitglied Zugang zum europäischen Markt. Inwiefern hat dieser Vorteil die Finanzplatzstrategie beeinflusst?

Tschütscher: Die EWR-Mitgliedschaft gibt uns ohne Zweifel viele Vorteile. Aber ohne tragfähige und umfassende Lösungen bei der grenzüberschreitenden Kooperation in Steuerfragen stellt sich vor allem in Zeiten der Krise früher oder später die Frage des Marktzugangs. Das gilt auch für EWR-Mitglieder.

Wird der Finanzplatz Liechtenstein dank der getroffenen Massnahmen von weiteren Attacken verschont bleiben?

Tschütscher: Ich war immer und bin auch heute der Auffassung, dass die Verwendung von gestohlenen Daten der garantiert falsche Weg ist, wenn es darum geht, tragfähige Lösungen zu finden, die den Bürgern in Europa Rechtssicherheit geben. Wir haben einen politischen Lösungsweg aufgezeigt und sind zuversichtlich, dass im Dialog ein Interessensausgleich möglich ist.

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Wird Liechtenstein damit lang-fristig den von der EU geforderten automatischen Informationsaustausch verhindern können?

Tschütscher: Lassen Sie mich festhalten, dass es meines Wissens keine abschliessende EU-Position zu diesem Thema gibt. Den automatischen Informationsaustausch lehne ich aus verschiedenen Gründen ab. Wichtiger aber noch ist, dass wir in unserer Grundsatzerklärung und mit unserem Abkommen mit dem EU-Mitgliedsland Grossbritannien eine echte Alternative aufgezeigt haben, wie wir das gemeinsame Ziel der Steuerkonformität erreichen können. Eine Alternative zum automatischen Informationsaustausch, die dem Ziel der Steuerkonformität bei Wahrung der Privatsphäre auf wesentlich effizientere Weise gerecht wird.

Welches sind die nächsten Schritte?

Tschütscher: Wir werden den eingeschlagenen Weg weiter konsequent verfolgen. Das ist für uns Interessenpolitik. Dazu kommt, dass wir mit Hochdruck daran arbeiten, unseren Standort attraktiver zu machen. Die 2010 anstehende Steuerreform ist ein Beispiel dafür.

Welche Spuren hat die radikale politische Kehrtwende auf dem Finanzplatz bisher hinterlassen? Womit rechen Sie für die Zukunft?

Tschütscher: Es findet eine Umstellung statt, die für einige schwieriger umzusetzen ist als für andere. Mein Ziel ist es, für die Wirtschaftstreibenden durch eine konsequente Politik Planbarkeit herzustellen.

Liechtenstein hat schneller auf die internationalen Entwicklungen reagiert als andere Finanzplätze, zum Beispiel die Schweiz. Sehen Sie darin für die Zukunft einen Wettbewerbsvorteil?

Tschütscher: Die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, ist ein Wettbewerbsvorteil, die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist ein anderer. Heute geht es darum, auf die von Ihnen angesprochenen Entwicklungen Antworten zu finden, die der Verunsicherung nachhaltig entgegenwirken kann. In Liechtenstein genauso wie in der Schweiz.