Schaffner ist im Bereich der erneuerbaren Energien tätig. Wie blicken Sie derzeit zum Klimagipfel in Kopenhagen?

Alexander Hagemann: Auf einem Gipfel ist man nur für eine kurze Zeit und geniesst den Ausblick. Für uns war der Aufstieg dorthin von grösserer Bedeutung. Denn wichtiger als der Gipfel selber sind für Schaffner die Initiativen, die im Vorfeld dazu ergriffen wurden. Insbesondere in China werden diese aufgrund der politischen Konstellation sehr schnell umgesetzt.

In China spüren Sie im Bereich der erneuerbaren Energien eine grosse Nachfrage. In Europa ist das Geschäft dagegen stark eingebrochen.

Hagemann: Der Photovoltaik-Bereich hat letztes Jahr stark gelitten und ist beinahe stillgestanden. Ein Grund war die Neuregelung der Photovoltaik-Förderung in Spanien. Zudem verfügten viele Firmen nach dem Boom in den Vorjahren über zu hohe Kapazitäten, sodass bis in den Sommer kaum mehr Geschäfte abgeschlossen wurden. Mittlerweile hat aber auch die Nachfrage in Europa wieder angezogen. Zwar nicht mehr wie im 4. Quartal 2008, welches durch den Spanien-Effekt verzerrt war, dafür auf einem nachhaltigeren Niveau.

Während das Segment der erneuerbaren Energien wächst, sind die Märkte Industrie und Automation nicht mehr vorangekommen.

Hagemann: Unsere traditionellen Wachstumsmärkte haben bis in die Jahre 2007/08 stark zugelegt. Seither haben sie rezessionsbedingt gelitten. Wir spüren aber auch in diesen Bereichen eine gewisse Erholung. Der Investitionsstau in der Textil- und Halbleiterbranche beginnt sich aufzulösen. Ähnlich sieht es in der Automobilindustrie aus.

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Wie entwickelt sich das Bahnsegment, welches derzeit eine regelrechte Renaissance erlebt?

Hagemann: Das Bahngeschäft läuft vor allem in China und Indien sehr gut. Aber auch in Europa steigt die Nachfrage. Alleine die SBB haben 2,1 Mrd Fr. für Rollmaterial ausgeschrieben. In Amerika sind die Projekte dagegen isoliert, es ist kein Geld vorhanden. Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 2016 in Brasilien erwarte ich dort eher eine steigende Nachfrage.

Schaffner hat dank Restrukturierungsmassnahmen die Kosten deutlich gesenkt und im 2. Halbjahr wieder einen operativen Gewinn erzielt. Sind noch weitere Kostensenkungsmassnahmen vorgesehen?

Hagemann: Derzeit ist nichts geplant. Aber das Beispiel von Dubai hat gezeigt, dass wir ständig auf der Hut sein müssen. Nach der Produktionsverlagerung aus der Schweiz nach Ungarn konzentrieren wir uns hierzulande auf unsere Entwicklungs- und Innovationskompetenzen. Bis Februar sollte die Restrukturierung beendet sein. Ein weiterer Personalabbau ist nicht vorgesehen.

Sie verzichten vorsichtshalber auf eine Guidance für das Jahr 2009/10, geben sich aber dennoch optimistisch. Was dürfen wir folglich nächstes Jahr von Schaffner erwarten?

Hagemann: Dank der schnellen Restrukturierung ist unsere Kostenbasis gut. Zudem haben wir einen positiven Trend in den letzten Monaten gespürt und im laufenden Monat auch die Kurzarbeit beendet. Dennoch ist die Visibilität derzeit noch gering. Eine genauere Prognose ist wohl erst nach dem chinesischen Neujahr möglich.

Als mittelfristige Ziele galten bisher ein Umsatz von 250 Mio Fr. sowie eine Ebit-Marge von 10% bis im Jahr 2010/11. Halten Sie daran fest?

Hagemann: Bis zum genannten Zeitpunkt sind die Ziele sicherlich nicht mehr erreichbar. An einem Umsatz über 200 Mio Fr. und einer zweistelligen Ebit-Marge halten wir aber fest.

Bis wann wollen Sie die Ziele erreichen?

Hagemann: Derzeit kann ich den Zeitpunkt noch nicht abschätzen.

Planen Sie nach dem Kauf der Betec-Engineering im Januar 2009 weitere Akquisitionen?

Hagemann: Das Jahr 2010 wird sicherlich spannend, denn bei vielen Firmen aus unserer Branche besteht Handlungsbedarf. Schaffner ist in der vorteilhaften Posi-tion, dass wir finanziell gesund sind. Ein Projekt besteht allerdings nicht. Entscheidend ist aber, dass eine allfällige Akquisition genau zu uns passt.