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«Wir haben eine andere Strategie als Emirates»

Norwegian-Chef Bjørn Kjos: Keine Angst vor Emirates.  PR/Flickr: NMOS332

Bjørn Kjos, Chef des Billigfliegers Norwegian, liebäugelt mit dem Flughafen Zürich – und äussert sich im Interview über Mitarbeiterlöhne und die Konkurrenz der Golf-Airlines.

Von Tim Höfinghoff
am 17.06.2014

In der Schweiz ist die Angst vor den Golf-Airlines gross. Sie sind Chef von Norwegian Air Shuttle, nach Ryanair und Easyjet der drittgrösste Billigflieger in Europa. Fürchten Sie sich auch?
Bjørn Kjos*: Jeder sollte besorgt sein, wenn man bedenkt, dass Emirates rund 50 Grossraumflieger vom Typ A380 im Einsatz hat – die müssen ja irgendwohin fliegen. Allerdings haben wir eine andere Strategie als Emirates. Ich glaube nicht, dass wir uns gross ins Gehege kommen.

Bisher fliegt Norwegian in der Schweiz nur Genf an. Wann kommen Sie nach Zürich?
Wir würden gerne nach Zürich fliegen, die Frage ist nur, auf welche Destinationen wir uns jetzt konzentrieren. Da haben wir erst mal Spanien im Blick, dort bauen wir unsere Standorte aus. Aber auch London Gatwick ist für uns interessant.

Was lässt Sie zögern, nach Zürich zu kommen?
Ich hoffe, es wird nicht zu lange dauern, bis wir auch in Zürich sind. Vielleicht wird es 2016 in Zürich so weit sein. Das Problem ist, dass wir dieses Jahr noch nicht genügend Flugzeuge zur Verfügung haben. Auch im Jahr 2015 bekommen wir nicht genug Flieger.

Lässt sich Ihr Geschäftsmodell wie folgt beschreiben: Sie sind eine norwegische Airline, die mithilfe einer Tochtergesellschaft in Irland sowie von Crews aus Thailand und Piloten aus Singapur günstiger als die Konkurrenz sein will?
Das stimmt nicht ganz. Wir haben auch Crew-Standorte in den USA.

Okay, tauschen wir den Namen Singapur mit USA, stimmt es dann? Und wie ist es mit dem Gehalt bestellt an den Standorten?
Was zählt, ist, aus den grossen Einzugsgebieten abzufliegen – in Bangkok leben 15 Millionen Menschen. Was wir machen: Unsere Piloten haben eine europäische Lizenz. Wir zahlen den Piloten mehr oder weniger dieselben Löhne, egal ob sie in Bangkok oder New York oder Oslo stationiert sind. Wir nehmen gerne langjährig erfahrene Piloten von anderen etablierten Fluggesellschaften. Die arbeiten nicht für einen Hungerlohn.

Und die Flugbegleiter? Sie wollen nicht sagen, dass die Crews in Thailand so viel verdienen wie die in Oslo, oder?
Nein, denn Oslo ist einer der teuersten Orte der Welt. Aber wir zahlen in Thailand ungefähr dieselben Löhne, die wir unseren US-Crews zahlen. Als wir in Bangkok anfingen, hatten wir zu Anfang 12 000 Bewerbungen. Wir mussten einen Bachelor-Abschluss verlangen, um die Bewerberzahl auf 1400 zu senken. Vielleicht zahlen wir in Bangkok etwas weniger als in den USA, aber in Kaufkraft gerechnet: Wer ist der Gewinner? Sicherlich die Bangkok-Crew.

Auch Grössenvorteile sind im Airline-Geschäft wichtig. Wie wollen sie mit den Golf-Airlines mithalten? Die haben viel Geld und starten ständig neue Routen.
Müssen wir uns mit denen messen? Wenn Sie sich Routen von Europa zum Beispiel nach Australien angucken, dann ist es schwer, mit den Golf-Airlines zu konkurrieren. Aber was ich nie verstanden habe: Wenn man von Asien nach Europa reisen will, warum ist es dann besser, über Dubai fünf Stunden länger zu fliegen statt direkt? Und denken Sie an Flüge von China zur Ostküste der USA. Das geht über Stockholm schneller, das können wir auch bieten.

*Bjørn Kjos ist Gründer und CEO der Billigfluggesellschaft Norwegian Air Shuttle.

Das gesamte Interview lesen Sie in der neuen «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.

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