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Übernahme
«Wir haben während einem Jahr verhandelt»

Herbert Bolliger: Der Migros-Chef sass mit am Verhandlungstisch

Nach der Übernahme von Schild durch Globus nimmt der Migros-Chef Herbert Bolliger erstmals zum Deal Stellung und freut sich dabei über ein Detail ganz besonders.

Veröffentlicht am 27.10.2013

Herbert Bolliger hat mit seinem jüngsten Deal die ganze Schweiz überrascht und freut sich im Gespräch mit dem «Sonntagsblick» diebisch darüber, dass vor der bekanntgegebenen Übernahme von Schild durch Globus niemand etwas ahnte: «Wir haben während einem Jahr verhandelt – und obwohl relativ viele Leute an den Gesprächen beteiligt waren, ist nichts nach Aussen gedrungen», sagt Bolliger dem «Sonntagsblick».

Bolliger sass selber mit am Verhandlungstisch, wie der «Sonntagsblick» schreibt. Die Lorbeeren gibt er aber weiter: «Wir haben ein bewährtes Team für Übernahmen, zu dem Finanzchef Jörg Zulauf und der Leiter Handel Ernst Dieter Berninghaus gehören,» führt Bolliger im Gespräch mit dem «Sonntagsblick» weiter aus.  

Klar ist, Schild wird laut «Sonntagsblick» künftig noch sichtbarer in der Schweiz: Grössere Migros-Filialen sollen mit Schild-Filialen erweitert werden. Mit dem Deal verschafft sich die Migros zudem etwas Luft im harten Bekleidungsmarkt.

Genehmigung nur Formsache?

Derweil dürfte laut Branchenkennern die Schild-Übernahme durch die Migros-Tochter Globus von der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko) durchgewinkt werden. Das berichtet die «Schweiz am Sonntag» in ihrer neuen Ausgabe. 

Die Weko habe bereits angekündigt, dass sie den Deal prüfen werde. «Wird die Weko den Fall anhand traditioneller Kriterien, vor allem zur Marktabgrenzung, beurteilen, wird die Übernahme wohl genehmigt», sagt Patrick Krauskopf, Rechtsprofessor und ehemaliger Weko-Vize-Direktor in der «Schweiz am Sonntag». 

Auch der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm sieht im Gespräch mit der «Schweiz am Sonntag» keine grossen Hindernisse, «da Globus und Schild im Bekleidungsmarkt angesichts der starken internationalen Konkurrenz, dem Einkaufstourismus und dem Onlinehandel keine marktdominierende Stellung einnehmen werden.»

Wurde Duopol gestärkt?

Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger sieht das ähnlich: «Der Kleidermarkt gilt nicht als besonders konzentriert, und der Eintritt für neue Ketten ist möglich.» 

Dennoch sorgt die Übernahme für Gesprächsstoff: «Dieser Deal betrifft zwar unsere Mitglieder, die vor allem im Lebensmittel- und Haushaltsmarkt tätig sind, nicht direkt», sagt Anastasia Li, Direktorin des Markenartikelverbandes Promarca zur «Schweiz am Sonntag».

Aber die Weko habe schon in früheren Fällen festgestellt, dass Migros und Coop in diesen Bereichen gemeinsam eine marktbeherrschende Stellung innehaben. «Insofern stärkt jede Übernahme ein Mitglied eines Duopols», sagt Li in der «Schweiz am Sonntag». Und weiter: «Die vielen Übernahmen in allen Bereichen bergen Gefahren für wettbewerbsschädliche Synergieeffekte.»

(muv)

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