Im 1. Halbjahr 2008 verzeichnete Interroll eine erfreuliche Entwicklung, geht das bis Ende Jahr so weiter?

Paul Zumbühl: Wir können in der Tat auf ein erfreuliches 1. Halbjahr zurückblicken, vor allem auch wenn man es mit dem bereits sehr guten 1. Halbjahr 2007 vergleicht.

Interroll hat die Ebit-Marge nochmals steigern können auf knapp 13%. Wirkten sich da die höheren Rohstoffpreise noch nicht aus?

Zumbühl: Die Rohstoffpreissteigerungen wirkten sich erst in den letzten Monaten des 1. Halbjahres auf das Ergebnis aus. Wir erwarten jedoch einen etwas stärkeren Einfluss im 2. Halbjahr. Allerdings werden wir auch in der 2. Jahreshälfte 2008 einen Teil dieser Preiserhöhungen durch Produktivitätssteigerungen kompensieren.

Kann man eigentlich diese Preiserhöhungen an den Kunden weitergeben?

Zumbühl: Man konnte bisher einen eher bescheidenen Anteil an den Kunden weitergeben, doch dies wird in Zukunft immer schwieriger werden.

Rechnen sie mit weiteren Preissteigerungen bei den Rohmaterialien?

Zumbühl: Im Moment sieht es eher nach einer gewissen Beruhigung der Situation aus, der Ölpreis ist ja sogar wieder gefallen. Zudem können wir durch unser strategisches Einkaufskonzept und durch die Substitution gewisser Werkstoffe durch andere Materialien diesem Trend entgegenwirken. Wir werden zum Beispiel für unsere neue Gurtkurve nicht mehr Stahl, sondern Aluminium verwenden.

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Interroll hat im 1. Halbjahr 7,3 Mio Fr. in neue Bearbeitungstechnologien investiert. Wie weit ist man mit der Produktharmonisierung ? Stichwort: One-piece-flow-Fertigung?

Zumbühl: Letztere hat eine entscheidende Bedeutung für unsere Gruppe. Hier erzielen wir weitere Fortschritte auch durch eine Intensivierung der Wertschöpfungstiefe. Wir wollen gewisse Kerntechnologien noch intensiver nutzen, ebenso auch unseren Wettbewerbsvorsprung in verschiedenen Bereichen.

Gibt es noch Möglichkeiten, den Abstand zur Konkurrenz weiter zu verbessern?

Zumbühl: Absolut, ich denke dabei an unsere intensiven Aktivitäten im gesamten Bereich der «Compliance and Certification». In diesem Sektor haben wir eine ganze Reihe wichtiger Zertifizierungen erreicht, die ein breites Know-how voraussetzen. Die Zertifizierung wird im Sektor Nahrungsmittel, aber auch bei Flughäfen und im Bereich der Postverteilung-/-zustellung immer wichtiger. Gerade bei Grossprojekten ? etwa in den USA ? spielt die notwendige Zertifizierung eine entscheidende Rolle bei der Auftragsvergabe.

An der CeMAT in Hannover hat Interroll verschiedene neue Produkte dem Fachpublikum vorgestellt. Wie kamen diese bei der Kundschaft an?

Zumbühl: Unsere neuen Produkte, wie etwa der weiterentwickelte Crossbelt-Sorter, die Gurtkurve, aber auch die Neuentwicklungen im Trommelmotorenbereich kamen bei den Besuchern hervorragend an. Das Echo war sehr positiv und wir gehen davon aus, dass sich unsere Präsentation als Innovationsführer im Bereich hochwertiger Komponenten und Subsysteme für den Materialfluss, die Fördertechnik und die Automation weiterhin positiv auf unser Geschäft auswirken wird.

Interroll bietet als neues Produkt das Flex-flow Durchlaufregal an, welches in erster Linie in Montagelinien, beispielsweise in der Automobilindustrie, eingesetzt werden kann. Letztere hat jedoch derzeit mit Problemen zu kämpfen. Spürt man das bei Interroll?

Zumbühl: Wir stellen fest, dass diejenigen Industrien, welche unter Druck stehen, wie beispielsweise die Autohersteller, gezwungen sind, sämtliche sich bietenden Rationalisierungsmöglichkeiten in der Fertigung zu nutzen. Bei diesen Bemühungen spielt das flexibel einsetzbare Flexflow-Lager, welches dazu beiträgt, den Materialumschlag zu reduzieren und zudem eine signifikante Platzersparnis in der Fertigung erlaubt, eine wichtige Rolle.

Interroll hat in den vergangenen Jahren die weltweite Präsenz gezielt ausgebaut. Heute entfallen rund 60% des Konzernumsatzes auf Europa, der Rest auf Nordamerika und Asien. Werden letztere Märkte zulasten von Europa in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen?

Zumbühl: Der prozentuale Anteil Europas dürfte in den kommenden Jahren leicht abnehmen, einerseits, weil die übrigen Märkte an Bedeutung zunehmen, aber auch, weil das Auftragsvolumen im Be-reich des Materialflusses weiter zunehmen wird. Wir sehen für unsere Komponenten und Subsysteme in den kommenden Jahren noch enorme Wachstumsmöglichkeiten, vor allem in den USA und in Asien.

In China scheint Interroll bereits an der Kapazitätsgrenze des vor zwei Jahren eröffneten Werkes zu stehen. Zudem soll ein neues Werk in Thailand gebaut werden. Müssen also weitere Produktionskapazitäten in Asien geschaffen werden?

Zumbühl: Wir planen in der Tat, eine weitere Produktionsanlage in China zu beziehen, denn das bisherige Werk ist mit der Fertigung von Drives und Rollers voll ausgelastet. In Thailand befindet sich eine Fertigungsstätte für Fliesslager im Aufbau. Aber auch Vietnam wird in den kommenden Jahren an Bedeutung für uns gewinnen.

Interroll will auch in Südamerika, insbesondere in Brasilien, Fuss fassen. Wie weit ist dies gediehen?

Zumbühl: Das Geschäft in Brasilien entwickelt sich sehr erfreulich, per Ende Juni übertraf der Auftragseingang bereits deutlich unsere Erwartungen.

Wie entwickelten sich die Geschäfte in Indien?

Zumbühl: Wir werden dort zuerst eine Lizenzproduktion aufbauen, verbunden mit der Option, später mit einer eigenen Gesellschaft vertreten zu sein.

Wie laufen die Geschäfte in Osteuropa?

Zumbühl: Vor allem im Fliesslagerbereich entwickeln sich Umsatz und Auftragseingang in Osteuropa und in Russland sehr erfreulich. Wir gehen davon aus, dass sich diese positive Entwicklung bis Ende Jahr fortsetzen wird.

Die stark gestiegenen Energiekosten haben die Gütertransporte zum Teil stark verteuert, dies wiederum könnte Auswirkungen auf die weltweit vertretenen Produktionszentren haben. Spürt man dies bei Interroll, oder anders gefragt, ist die Industrie zurückhaltender geworden in Sachen Lagerbau?

Zumbühl: Wir stellen in zunehmendem Masse fest, dass aufgrund der gestiegenen Transportkosten verschiedene Unternehmen sich dazu entschliessen, wieder dezentrale, flexible und teilweise kleinere Läger zu errichten, diese aber optimal auslasten wollen. Diesem Trend kommen unsere Produkte in geradezu idealer Weise entgegen.

Ein anderer Trend ist die feststellbare Tendenz, dass Produktionsfirmen ihre Fertigung in Asien und sogar in Osteuropa wieder zurückverlagern.

Zumbühl: Wir stellen dies ebenfalls fest. Auch hier können wir natürlich mit unseren Subsystem und Komponenten den Kunden in die Lage versetzen, auch in einem Land mit höheren Fertigungskosten profitabel zu produzieren.

In den vergangenen Jahren konnte Interroll durch geschickte Akquisitionen das Produkteportfolio ergänzen und erweitern. Sind derzeit weitere Akquisitionen in der Pipeline?

Zumbühl: Wir verfolgen natürlich den für uns relevanten Markt an potenziellen Firmen ständig. Im Moment allerdings sind keine konkreten Entscheide anstehend.