Während viele Spezialisten, Politiker, Wirtschaftsexperten, Medienvertreter und persönlich Betroffene noch immer um die Anatomie einer Weltkrise ringen, umwerben zusammen mit der UBS alle Banken und Versicherer an Messen und Hochschul-Rekruitment-Tagen den akademischen Nachwuchs fast so, als wäre das «business as usual». Bedeutet das, dass sich an Strategie und Inhalten des Hochschul-Rekruitment Ihres Unternehmens nichts geändert hat?

Petra Bitzer-Gross: Die UBS hat die Strategie in Bezug auf Rekrutierung nicht geändert. Wir wollen nach wie vor die gleiche Anzahl Hochschulabsolventen und Praktikanten einstellen. Gerade in schwierigen Zeiten wie heute ist der akademische Nachwuchs eine unserer wichtigsten Pipelines. Deshalb wollen wir bei den Kompetenzen und der fachlichen Qualifikation der Studenten, die wir bis jetzt voraus- gesetzt haben, auch keine Kompromisse machen.

In welcher Form äussern sich Hochschulabsolventen zur aktuellen Situation?

Bitzer-Gross: Sie stehen, ich muss sagen ? erstaunlicherweise ?, der UBS sehr positiv gegenüber. Wir hören wenig kritische Stimmen, und unsere Veranstaltungen sind nach wie vor sehr gut besucht. Beispiele sind die Investment-Banking-Tage der Universität St. Gallen, die Anfang November sehr gut besucht wurden, oder die UBS Masterclass, die Ende November erfolgreich durchgeführt wurde.

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Worauf führen Sie das anhaltende Interesse zurück?

Bitzer-Gross: Ich vermute, dass Hochschulabsolventen die aktuelle Situation auch als Herausforderung sehen. Sie öffnet neue Möglichkeiten, es bewegt sich mehr und damit haben die Absolventen auch einen grösseren Spielraum, im Unternehmen etwas zu bewegen. Natürlich kommen von Zeit zu Zeit auch Fragen. Wir sprechen die Situation zum Teil auch von unserer Seite direkt an, um in den Interviews mit den Studenten zu spüren, wie diese die Situation sehen. Dabei machen wir immer wieder die Erfahrung, dass uns Hochschulabsolventen bestätigen, dass sie die UBS als einen guten Arbeitgeber empfinden, dass die Bank in der Vergangenheit vieles richtig gemacht hat und sie an die Zukunft der Firma glauben.

In welcher Form informieren Sie die Interessenten über die Situation der UBS?

Bitzer-Gross: Wir legen Wert darauf, dass unsere Recruiter sehr gut informiert und dokumentiert sind, um mit Fragen von Hochschulabsolventen umgehen zu können. Wenn wir an Universitäten auftreten ? und wir sind an allen Schweizer Universitäten aktiv; ebenso an Messen wie dem Absolventenkongress in Zürich ?, stellen wir fest, dass die Studenten diese Art Information sehr schätzen.

Die UBS hat darüber hinaus auch den Spitzenplatz bei den Schweizer Studenten der Wirtschaftswissenschaften der Universum Student Survey 2008 zu verteidigen. Die Umfrage geschah zwischen Dezember 2007 und März 2008 und wird erst im nächsten Frühjahr durch die neuesten Umfrageergebnisse abgelöst. Rund ein Viertel der Studenten der Wirtschaftswissenschaften hat zuletzt die UBS auf Platz eins gewählt. Welche Hoffnungen setzen Sie auf die nächste Runde?

Bitzer-Gross: Es war eindrucksvoll, als ich für die UBS im Juni 2008 den Universum-Award entgegennehmen durfte. Und das, obwohl in der Umfragezeit bereits dunkle Wolken am Finanzhimmel aufzogen und die UBS bereits Schlagzeilen machte. Trotzdem haben die Studenten die UBS als beliebtesten Arbeitgeber gewählt. Für uns ein Signal, dass wir an der hohen Qualität der Kandidaten festhalten. Wir setzen daher auch in der Qualität der Ausbildung alles daran, an der Spitze festzuhalten.

Der Brand UBS zählt zu den wertvollsten der Schweiz, sogar weltweit. Gemäss Interbrand-Studie vom September 2008 belegt die UBS heute Platz 41 (2007: Platz 39) unter den 100 wertvollsten Marken der Welt. Obwohl die Veränderung klein ist, stellt sich die Frage, was die UBS tut, um aus aktuellen Gründen heute herauszufinden, wo sie steht?

Bitzer-Gross: Natürlich haben wir jahrelang vom starken Brand UBS profitiert, insbesondere in der Schweiz. Da mussten wir nicht gross erklären, wofür wir stehen, was unsere Werte sind. Aufgrund der momentanen Lage, in der die UBS sich befindet, haben wir soeben eine Employer Value Proposition erarbeitet, die Antworten auf die Fragen gibt: Wofür stehen wir als Arbeitgeber? Warum entscheiden sich Kandidaten für uns und nicht für die Konkurrenz? Das Ergebnis unserer gemachten Untersuchungen lautet kurz gefasst: Die UBS steht für Entwicklungsmöglichkeiten, Karrierechancen, Kollegialität und gutes Teamwork.

Am Absolventenkongress vom 4. Dezember 2008 suchen Sie gemäss eigenen Angaben international 1000 Absolventen, für die Schweiz 250. Wie stellt sich die UBS dort auf und welche Auskunftspersonen sind anwesend?

Bitzer-Gross: Wir sind einer der grössten Arbeitgeber im gesamten Nachwuchsbereich. Deshalb ist diese Messe für die UBS ein Must. Die Veranstaltung ist zudem ein wichtiger Seismograph für uns. Sehr viele Mitarbeiter aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen sind vor Ort, um der UBS ein Gesicht zu geben und sich ein erstes Bild der Kandidaten zu machen. Klar sind auch sie auf alle kritischen Fragen zur momentanen Lage bestens vorbereitet.

Sie suchen für praktisch alle Unternehmensbereiche vom Asset Management über Banking, Beratung, Controlling, Devisen- und Wertpapierhandel, Finanzen, IT oder Kreditvergabe und -verwaltung Mitarbeiter. Und zwar aus allen Fachrichtungen, nicht nur aus den Wirtschaftswissenschaften. Doch benötigen Sie die grösste Anzahl in der Kundenberatung. Welche Jobs bieten Sie ausserdem? Was tut beispielsweise ein Psychologe bei der UBS?

Bitzer-Gross: Kundenberatung ist effektiv unser Kerngeschäft, da möchten wir die grösste Anzahl an Hochschulabsolventen anstellen. Es gibt viele Bereiche, in denen beispielsweise ein Psychologe oder auch Absolventen anderer Studienrichtungen Karriere machen können. Wir bieten eine Vielzahl von verschiedenen Rollen an, etwa im Operations oder in der IT. Dann haben wir unsere ganze Palette der Corporate-Center-Funktionen, beispielsweise Audit oder Risk Management. Sprich, einfach alles, was wir in der Bank offerieren können. Hier bieten wir sämtliche Einstiegsmöglichkeiten, verbunden mit einer spezifischen Ausbildung an.

Hat die Globalisierung in allen ihren Facetten mit den damit verbundenen Wünschen der Hochschulabsolventen für all-fällige Auslandaufenthalte an Attraktivität eingebüsst ? oder ist das Interesse ungebrochen?

Bitzer-Gross: Wir können bis jetzt keine Veränderungen feststellen. Investment Banking ist ein gutes Beispiel für die Globalität. Da stellen wir eine ungebrochene Nachfrage und grosses Interesse fest. Es gehört für die meisten jungen Menschen zur Karriereplanung, auch Erfahrungen im Ausland machen zu können.

Betreffen die Ziele auch Schwellenländer?

Bitzer-Gross: In Indien, um ein Beispiel zu nennen, haben wir ein Operations Center, dorthin werden meistens nur Mitarbeiter auf Führungsstufe entsendet. Das ist für junge Einsteiger noch kein Thema. Diese streben nach wie vor die Klassiker wie New York und London an und die neuen asiatischen Finanzzentren in Singapur oder Hongkong. Grosse Finanzzentren sind bei vielen Hochschulabsolventen nach wie vor sehr gefragt.

Das Thema Talent-Management macht seit einiger Zeit die Runde. Wie sieht das bei der UBS aus? Ab welcher Stufe kann man ein Talent wirklich beurteilen und entsprechend fördern?

Bitzer-Gross: Während des Ausbildungsprogramms geht es nicht alleine um Theorie, daher kann man Talente schon recht gut während des Programms beurteilen. Der Fokus unseres Programms liegt auf On-the-job- und Off-the-job-Ausbildung. Zudem sind die Trainings unterschiedlich aufgebaut, je nach Ausrichtung des Auszubildenden. Darüber hinaus finden auch Networking-Veranstaltungen statt, wo der Austausch mit dem Management gepflegt wird sowie ein gezieltes Coaching stattfindet. Im Rahmen des Talent Developments wird mit jedem Mitarbeiter ein Individual Development Plan, kurz IDP, erstellt, und in einem Gespräch zwischen dem Coach und dem Hochschulabsolventen, das mindestens einmal pro Jahr stattfindet, werden kurz- und langfristige Ziele besprochen. Ziel ist es, nebst einer Standortbestimmung, allfällige Lücken aufzuzeigen und Massnahmen zu erarbeiten, wie diese geschlossen werden können. Einer unserer grossen Leitsätze heisst: Lead yourself, lead others. Dazu gehört enorm viel Eigenverantwortung, und wir helfen dabei, eigenverantwortlich zu handeln, vom Hochschuleinsteiger angefangen auf dem ganzen Karriereweg. Daher gibt es bei der UBS auch Talent-Development-Verantwortliche, die dieses für uns sehr wichtige Thema vorantreiben.

Auf Ihren neuen Mitarbeitern liegen grosse Erwartungen. Sie bilden quasi die neue Generation Hoffnungsträger für die Bildung eines neuen Vertrauens. Aber auch von der Personalabteilung wird viel erwartet. Wie können Hochschulabsolventen und Sie als Head Recruitment Switzerland diese Hoffnungen erfüllen?

Bitzer-Gross: Jeder einzelne Mitarbeiter kann dazu beitragen, wenn er Kunden professionell und persönlich betreut. Wir vom HR tragen unseren Teil dazu bei, indem wir die richtigen und passenden Studenten finden und ihnen die optimale Aus- und Weiterbildung ermöglichen. So leistet jeder im Unternehmen seinen Beitrag, das Image der UBS wieder herzustellen durch persönlichen sowie qualitativ hoch stehenden Service. Ich glaube daran, dass wir in den letzten Jahren vieles richtig gemacht haben und daher diesen Weg weiter beschreiten können. Das wird uns auch wieder auf die Erfolgsschiene zurückbringen.