Oerlikon geht es besser, wenngleich das Ergebnis noch rot ist. Ist der Turnaround geschafft?

Vladimir Kuznetsov: Auf der Auftragsseite glauben wir eindeutig ja. Aber: Oerlikon operiert auf einem sehr tiefen Niveau. Zwar sehen wir einen positiven Trend, doch wir befinden uns weit unter unseren Erwartungen, von denen wir einst ausgegangen waren.

Der Aufschwung in Europa droht wegen hoher Staatsverschuldungen abgewürgt zu werden. Wie schätzen Sie das Risiko ein?

Kuznetsov: Wir hängen nicht direkt von staatlichen Aufträgen ab. Und wir sind in stark verschuldeten Staaten wie Griechenland und Spanien nur bedingt aktiv. Dennoch klären wir gerade ab, wie gross unser Risiko lokal ist, um allenfalls Massnahmen zu treffen.

Erholt sich Oerlikon schnell genug, um die Zinsen für Kredite und andere Verbindlichkeiten rechtzeitig zurückzahlen zu können?

Kuznetsov: Ja, davon sind wir überzeugt. Nach der finanziellen Restrukturierung sollten wir ein genug grosses Polster haben, um in normalen Konjunkturzyklen bestehen zu können.

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Wann muss Oerlikon die nächste Kredittranche zurückzahlen? Kuznetsov: Die Laufzeiten für alle unsere Darlehen wurden bis 2014 verlängert. Oerlikon hat gut 2 Mrd Fr. Kredite ausstehend. Wie wahrscheinlich ist eine zweite Kapitalerhöhung in den nächsten zwölf Monaten?

Kuznetsov: Sehr unwahrscheinlich.

Ein Blick auf die sechs Divisionen zeigt, dass es noch viel zu tun gibt. Besonders das Solargeschäft enttäuscht - Sie hatten grosse Hoffnungen in die Sparte gesetzt. Haben Sie den Markt verloren?

Kuznetsov: Bereits vor eineinhalb Jahren hatte die Finanzkrise voll auf unser Solargeschäft durchgeschlagen. Viele unserer Kunden, mit denen wir kurz vor Vertragsabschluss standen, bekamen Probleme mit der Finanzierung ihrer Projekte und zogen sich zurück. Ja, wir hatten grosse Hoffnungen in das Solargeschäft gesetzt, doch wir geben nicht auf. In den vergangenen eineinhalb Jahren haben wir erkannt, dass wir nicht allein auf das starke Wachstum mit herkömmlichen Solarprodukten setzen dürfen.

Sondern?

Kuznetsov: Wir müssen ein einzigartiges Produkt auf den Markt bringen. Ein Produkt, das es den Kunden ermöglicht, Solarenergie zu wettbewerbsfähigen Preisen zu erzeugen. Gegen Jahresende werden wir voraussichtlich mit einer solchen Innovation an den Markt gelangen. Die Kunden zeigen grosses Interesse.

Im 1. Quartal 2010 erzielte Oerlikon Solar gerade mal 39 Mio Fr. Umsatz. Wie viel ist möglich?

Kuznetsov: Wir reden hier von Einzelprojekten mit einem Volumen von 300 bis 600 Mio Fr. Schon ein Auftrag mehr oder weniger kann zu grossen Umsatzveränderungen führen. Es wird sich zeigen, wie unser neues Produkt im Markt aufgenommen wird.

Kommen die neuen Solar-Kunden auch aus Russland?

Kuznetsov: Wir haben mit Hevel bereits einen grossen russischen Kunden. Weitere erwarten wir aus Asien, vor allem aus China.

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Oerlikon hat sechs Divisionen - ziemlich viel für eine so stark geschrumpfte Firma. Muss die Organisation nicht angepasst werden?

Kuznetsov: Vorläufig arbeiten wir mit der aktuellen Organisation weiter. In den vergangenen Jahren wurde das Portfolio mehrmals umgebaut. Nun erscheint es mir wichtig, dass die Kontinuität gewahrt wird. Sollte es dennoch zu Anpassungen der Organisationsstruktur kommen, dann aufgrund strategischer Überlegungen.

Oerlikon kündigte Anfang April an, vorläufig keine grossen Devestitionen mehr zu tätigen. Für wie lange gilt dieses Statement?

Kuznetsov: Mindestens für die nächsten eineinhalb bis zwei Jahre. In dieser Phase geht es darum, unsere Spar- und Restrukturierungsvorhaben umzusetzen, welche die Kreditgeber und Aktionäre finanziert haben, damit die einzelnen Geschäftsbereiche wieder vollständig zu Kräften kommen. Parallel arbeiten wir daran, Oerlikon strategisch möglichst optimal auszurichten. Kleine Firmenverkäufe kommen daher zu jedem Zeitpunkt in Frage.

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