Noch ist der Umsatz schwach. Der Auftragseingang aber ist im 1. Quartal 2010 deutlich gestiegen. Wird es in diesem Stil weitergehen?

Philipp Mosimann: Im Vergleich zum Vorjahr rechnen wir mit einer weiterhin positiven Entwicklung des Auftragseingangs. Als Folge der Saisonalität unseres Geschäftes könnte jedoch im 2. Quartal eine gewisse Abflachung eintreten.

Wann wird der Umsatz anziehen?

Mosimann: Unsere Divisionen sind mit einem tiefen Auftragsbestand ins laufende Jahr gestartet. Wir gehen davon aus, dass sich der wachsende Bestellungseingang mit einer gewissen Verzögerung positiv auf die Umsatzentwicklung auswirkt. Das gilt speziell für das 2. Semester. Per Ende Jahr rechnen wir mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau.

Die Börsenkapitalisierung ist mit 1,37 Mrd Fr. enttäuschend niedrig, im Vergleich zu früheren Zeiten.

Mosimann: Seit Jahresbeginn hat sich die Bucher-Aktie besser als der Leitindex SPI entwickelt. Unser Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt im Rahmen vergleichbarer Unternehmen.

Wie wird sich die Aktie entwickeln?

Mosimann: Es freut mich natürlich, dass die Anleger der Bucher-Aktie wieder mehr Interesse entgegenbringen. Wir haben die Krise relativ gut gemeistert, ohne Unterbruch weiter in unsere Produkte und Marktpositionen investiert und verfügen über eine gesunde Bilanz. Damit sind gute Voraussetzungen für eine gesunde Unternehmensentwicklung vorhanden. Eine Prognose zum Aktienkurs mache ich nicht, das wäre Spekulation.

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Bucher ist noch nicht über den Berg. Muss der Aktionär wieder eine Halbierung der Dividende in Kauf nehmen?

Mosimann: Unsere Ausschüttungsquote bewegt sich zwischen 30 und 35%. Wir haben letztes Jahr - ohne den ausserordentlichen Goodwill-Abschreiber - rund einen Drittel des Gewinns ausgeschüttet. Die Kürzung entsprach dem, was wir operativ verdienten. Trotz dem Katastrophenjahr erhielten unsere Aktionäre immerhin noch knapp die Hälfte der Dividende iom Vergleich zu den Spitzenjahren 2007/08.

Nochmals: Was kann der Aktionär heuer erwarten?

Mosimann: Er kann davon ausgehen, dass wir eine kontinuierliche Dividendenpolitik verfolgen, also bei gleichem Resultat eine Dividende etwa im selben Umfang wie im Vorjahr. Der Verwaltungsrat beurteilt beim Dividendenantrag den Geschäftsverlauf, den Gewinn, die Finanzlage des Konzerns im laufenden und die Aussichten für das kommende Jahr.

Wie hoch wird die Dividende 2010?

Mosimann: Wenn unsere Einschätzungen gleich bleiben, dürfte auch die Dividende gleich bleiben.

Die Eigenkapitalquote ist von 41 auf 37% gesunken.

Mosimann: Ja, insbesondere weil wir vorausschauend grosse Vorsicht bei der Sicherung der Liquidität walten liessen. Die Bilanz wurde um rund 300 Mio flüssige Mittel verlängert, was die Eigenkapitalquote reduzierte. Ohne diese Bilanzverlängerung wäre die Eigenkapitalquote sogar auf 43% gestiegen.

Was soll mit diesem Polster geschehen?

Mosimann: Wir planen derzeit keine grösseren Akquisitionen, verfolgen aber konsequent mögliche Chancen. Diese zielen auf die Verbesserung unserer Marktpositionen etwa in Asien ab. Andererseits werden wir Kredite Schritt für Schritt und im Einklang mit dem Geschäftsverlauf abbauen.

Stichwort grössere Akquisitionen: Zwar hat Bucher unter den börsenkotierten Maschinenbauern den höchsten Globalisierungsgrad. In Asien aber gibt es noch weisse Flecken auf der Landkarte.

Mosimann: Unser Umsatz in Asien beträgt keine 10%, was als Schwäche betrachtet werden kann. Ich spreche jedoch lieber von Chancen und Wachstumspotenzial. Unser Fokus in den nächsten Jahren gilt sicher dieser Region. Entsprechend müssen wir unsere Investitionen in dieser Region tätigen. Dabei spreche ich nicht nur von Akquisitionen, sondern vom gezielten Ausbau unserer Tochtergesellschaften in Indien, China, Malaysia und Südkorea.

Wie soll die geografische Umsatzverteilung in fünf Jahren aussehen?

Mosimann: In einem Zeitraum von eher zehn als fünf Jahren streben wir eine Umsatzverteilung von 50% Europa, 25% Amerika und 25% Asien an. Wohlverstanden: Als zusätzliches Wachstumselement, nicht auf Kosten von Europa!

Wie wollen Sie das realisieren?

Mosimann: Um die lokalen Märkte mit angepassten Produkten beliefern zu können, müssen wir nicht nur vor Ort produzieren, sondern auch Produkte vor Ort entwickeln. Konkret heisst das, dass wir in erster Linie und aus eigener Kraft die eigenen Standorte ausbauen und zusätzlich mit gezielten Akquisitionen ergänzen werden.

Sie können mit einem noch so ausgeklügelten Krisenmanagement entscheidende Faktoren nicht beeinflussen, welche die Hauptsparten von Bucher prägen - etwa in der Landwirtschaft. Der Rationalisierungsdruck ist gewaltig.

Mosimann: Dazu eine einfache Überlegung: Es gilt, eine rasant wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Dazu müssen entweder die Erträge pro Hektare verdoppelt werden oder es muss mehr Kulturland erschlossen werden. Das verfügbare Kulturland ist beschränkt, weil wir ja nicht noch mehr Regenwälder abholzen wollen und gewisse Gebiete sich nicht für die Landwirtschaft eignen. Fruchtbare Böden und genügend Wasser sind Voraussetzungen, die nicht überall gegeben sind. Somit bleibt uns nur eine umweltschonende Produktivitätssteigerung pro Hektare. Dazu gehört besseres Saatgut, das resistenter gegen Parasiten ist und weniger Wasser verbraucht, Dünge- und Pflanzenschutzmittel, die gezielter eingesetzt werden, sowie eine höhere Mechanisierung der Landwirtschaft. Bei den letzten beiden Punkten leisten wir einen wichtigen Beitrag.

Warum sollen Landwirte Bucher-Maschinen kaufen?

Mosimann: Breitere Maschinen und höhere Fahrgeschwindigkeiten auf dem Feld, Reduktion von drei Arbeitsgängen - Bodenbearbeitung, Säen und Düngen - auf einen. Dies mit einer kombinierten Maschine und GPS-gesteuerten Pflanzenschutzspritzen, was den Pestizideinsatz minimiert.

Wie sehen die langfristigen Auftragsaussichten in dieser Sparte aus?

Mosimann: Langfristig betrachtet sind wir sehr zuversichtlich. 2010 wird jedoch für die Landmaschinenhersteller schwierig bleiben, obwohl die Auftragseingänge zunehmen. In den USA ist die Talsohle durchschritten; in Europa dürfte das Mitte Jahr der Fall sein. In Osteuropa wird es jedoch länger dauern, obwohl dort der Nachholbedarf gross ist, aber es hapert bei der Kreditvergabe, und die Wechselkurse für diese Währungen sind sehr schlecht.

Wie sehen die Zukunftsaussichten bei der Nummer zwei, den Kommunalfahrzeugen, aus, wo die Beschaffung unter dem enormen Spardruck der öffentlichen Haushalte leidet?

Mosimann: Für saubere Städte sowie eis- und schneefreie Strassen braucht es Kommunalfahrzeuge. Projekte können nicht ewig aufgeschoben werden. Trotzdem machen uns die Verschuldung und die tieferen Steuereinnahmen der Kommunen Sorge. Bis heute haben wir dies noch nicht zu spüren bekommen. Wir erwarten einen ähnlichen Umsatz wie 2009.

Die Strassen können auch noch mit «alten» Maschinen gekehrt werden.

Mosimann: Nur teilweise, denn durch Produktinnovation kann die Modernisierung beschleunigt werden. Stichworte dazu sind weniger Abgas, Lärm, Staub. Dazu ein Beispiel: Wir haben ein emissionsfreies Kehrfahrzeug entwickelt, das auf der Basis von Brennstoffzellen mit Wasserstoff funktioniert. Auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft und mit neuen Umweltauflagen werden Kommunen nicht darum herumkommen, ihren Fahrzeugpark in dieser Richtung zu erneuern.