Wann tritt der neue CEO der Charles Vögele an?

Bernd H.J. Bothe: Für die Nachfolge von Daniel Reinhard laufen zurzeit vielversprechende Gespräche. Wir glauben, Mitte September den Namen des neuen CEO bekannt geben zu können. Wir hoffen, dass dieser dann bald antreten kann, insbesondere nach der unerwarteten Krankheit von Daniel Reinhard.

Welche Voraussetzungen muss der neue Mann oder die neue Frau mitbringen?

Bothe: Leider haben wir unter den Kandidaten keine Frau. Der neue CEO muss profunde Kenntnisse des internationalen Textileinzelhandelsgeschäftes besitzen, da die Charles-Vögele-Gruppe bereits heute rund 70% des Umsatzes ausserhalb der Schweiz erwirtschaftet. Ebenso muss er die Expansion in allen Märkten weiter forcieren, sich im Detail dem Tagesgeschäft widmen und ein Teamplayer sein.

Was muss er besser als sein Vorgänger machen?

Bothe: Wir haben Daniel Reinhard viel zu verdanken. Er hat die Voraussetzungen geschaffen, dass sich das Unternehmen voll auf die Expansion konzentrieren kann.

Seit Jahren vertröstete Daniel Reinhard auf bessere Zeiten. 2008 sollte die eigentliche Expansionsphase beginnen ? und nun melden Sie wieder einen starken Gewinnrückgang. Was läuft falsch?

Bothe: Die Expansion nach Osteuropa ist seit gut einem Jahr mit dem definitiven Markteintritt in Ungarn und jetzt in Polen forciert worden. Ebenso wollen wir das Wachstumspotenzial in den bestehenden Märkten vermehrt und schneller nutzen, allen voran in Deutschland. Wir haben uns im Allgemeinen besser geschlagen als der Markt. Wir haben im Moment eine miserable Konsumentenstimmung. Die Textilwirtschaft hat so etwas noch nie erlebt. Dagegen und gegen schlechtes Wetter können wir wenig ausrichten.

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Wie sehen die Aussichten aus?

Bothe: Eine Prognose ist momentan schwierig. Wir haben den Margenkorridor auf 8 bis 11% runtergesetzt. Das ist immer noch ambitiös. Wenn es ein heisser September wird, wird die ganze Branche nochmals einen Schlag erhalten.

Würde eine Übernahme durch Migros Sinn machen?

Bothe: Nein. Eine Übernahme durch Migros würde keinen Sinn machen. Migros ist primär auf den Schweizer Raum fixiert. Eine Zusammenarbeit, etwa in der Beschaffung, wird geprüft, aber das hat nichts mit einer Beteiligung zu tun. Zusammenarbeiten kann man im Übrigen sehr gut auch ohne jegliche Übernahme und unabhängig von der Höhe einer Beteiligung.

Sie forcieren die Expansion nach Osteuropa. Ein Grossinvestor moniert, der Name Vögele klinge wegen des «ö» in Osteuropa nicht so sexy wie bei uns. Planen Sie eine Namensänderung?

Bothe: Unsere Filialen in Slowenien, wo die Umlaute auch nicht zum Alphabet gehören, zählen gruppenweit zu den am besten laufenden Standorten; es kann also nicht am Namen liegen.

Dieser Grossinvestor ist auch mit dem Aktienkurs unzufrieden.

Bothe: Das kann ich verstehen, wenn man mit dem Swiss Index vergleicht. Im Vergleich zur Branche schneiden wir aber gut ab: Von zwölf Vergleichsunternehmen weisen nur eine kontinental und zwei weltweit tätige Firmen eine bessere Entwicklung auf als die Charles-Vögele-Aktie.

Welches sind die nächsten Schritte in Osteuropa?

Bothe: In Slowenien, Ungarn und Polen wollen wir stärker expandieren. Tschechien ist dieses Jahr noch Testmarkt. Der Zeitpunkt für Rumänien als Testmarkt haben wir aufgrund des überhitzten Immobilienmarktes verschoben. Später wird wahrscheinlich auch Bulgarien als Testmarkt ausgewählt werden. Wir müssen unser Expansionstempo steigern. Das sage ich auch kritisch. Unsere Wachstumsdynamik in Osteuropa und in den bestehenden Märkten ist noch zu gering.

In Osteuropa erzielen Sie erst 4% des Umsatzes. Ihre nächsten Ziele?

Bothe: In den nächsten vier bis fünf Jahren müssen wir in Osteuropa 20 bis 25% unseres Umsatzes erzielen. Die Wachstumsdynamik von Handelskonzernen liegt heute in Osteuropa. Wenn Sie nicht internationalisieren, fällt es schwer, Wachstum zu erzielen.