2008 ist ein Jubiläumsjahr für Mikron. Mit guten Zahlen konnten Sie im 1. Semester allerdings nicht glänzen. Der Finanzmarkt zeigte sich von Ihren Leistungen enttäuscht. Zu Recht?

Eduard Rikli: Ja, angesichts der Zahlen. Wir haben auch unsere eigenen Ziele für das 1. Halbjahr nicht erreicht.

Die Bestellungen sind für beide Divisionen zurückgegangen. Wie gut ist Mikron im 2. Semester 2008 ausgelastet?

Rikli: In der Vorjahresperiode lag unser Bestellungseingang auf Rekordniveau. Deshalb kommt jetzt ein gewisser Basiseffekt zum Tragen. Wir befinden uns 2008 auf einem normalisierten Niveau und sind gut unterwegs.

Was erwarten Sie für das Gesamtjahr?

Rikli: Die für uns relevante Grösse ist hier der Umsatz. Wir erwarten einen Zuwachs in der Grössenordnung des Vorjahres, also ein Plus von gegen 10%.

Wie lange ist Mikron mit den Aufträgen ausgelastet?

Rikli: Für das laufende Jahr sind wir gut ausgelastet. Sollten Korrekturen nötig werden, haben wir einen gewissen Spielraum, weil wir unter anderem mit Temporärangestellten arbeiten.

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Konnten Sie bisher immer pünktlich liefern?

Rikli: Leider ist dies nicht in allen Fällen gelungen. Vereinzelte Kundenprojekte mussten wir mit Verspätung abschliessen ? auch, weil wir Schwierigkeiten auf der Beschaffungsseite hatten. Aber das soll nicht als Entschuldigung gelten, die Terminverantwortung liegt bei uns.

Haben Sie Ihre Beschaffungslage verbessert?

Rikli: Die Situation hat sich im Vergleich zum Vorjahr etwas entspannt. Insofern können wir mit den aktuellen Verhältnissen ganz gut leben.

Sie konnten die Ebit-Marge nur marginal von 3,2% auf 3,6% steigern. Warum?

Rikli: Unsere beiden Akquisitionen haben der Gruppe einen Verlust von 1,8 Mio Fr. beschert. Sie sind der Hauptgrund für die unbefriedigende Margenentwicklung. Für das Gesamtjahr haben wir eine höhere Erwartung an unsere Profitabilität.

Ist für das Gesamtjahr eine Ebit-Marge über 4% realistisch?

Rikli: Ja, durchaus.

Mittelfristig soll Mikron eine Ebit-Marge von 8% erzielen. Halten Sie daran fest?

Rikli: Ja. Wir hatten in den Vorjahren Sonderereignisse, die unsere Profitabilität nach unten drückten ? leider auch dieses Jahr. Wir sind angesichts unserer operativen Leistung zuversichtlich, dass ein Wert von 8% mittelfristig realistisch ist.

Es erscheint angesichts der konjunkturellen Schwäche eher utopisch.

Rikli: Natürlich schaffen wir das nicht in einem Jahr, es ist ein mittelfristiges Ziel.

Von wie vielen Jahren reden wir?

Rikli: Wir haben bisher noch nie genaue Angaben zu internen Zielvorgaben gemacht, und dabei bleiben wir.

Sie geben sich zuversichtlich, wenngleich sich das Klima generell verschlechtert. Wann erwarten Sie eine Abkühlung des Geschäfts von Mikron? 2009?

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Rikli: Das ist möglich, aber wir wissen es nicht genau. Sogar innerhalb derselben Marktsegmente empfangen wir unterschiedliche Signale unserer Kunden. Für uns sind zwei Segmente entscheidend: Die Automobilzulieferer und die Medtech-Industrie.

Der Automobilsektor kämpft mit sinkenden Absatzzahlen. Mikron erzielt rund 40% des Umsatzes mit Grosszulieferern wie Bosch und Continental. Was spüren Sie?

Rikli: Kunden, die direkt an die Neuwagenproduktion angehängt sind, agieren zurückhaltend. Projekte, die sich um die Einführung neuer Technik drehen ? etwa neue Motoren ? laufen dagegen ungebremst weiter. Letztere machen umsatzmässig den grösseren Anteil für Mikron aus, daher bleiben wir zuversichtlich.

Zeitverzögert wird Mikron aber trotzdem getroffen, wenn weniger Autos verkauft werden.

Rikli: Klar, wenn sich die Märkte stark abkühlen, trifft es irgendwann auch die zuletzt erwähnten Projekte. Aber wir sind zuversichtlich, weil derzeit viele Hersteller auf neue, verbrauchsarme Motorengenerationen umstellen. Davon profitieren wir.

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Auch in den schwächelnden USA?

Rikli: Ja. Noch findet diese Entwicklung hauptsächlich in Europa statt, doch auch in den USA findet ein Umdenken statt. Wir verzeichnen rege Aktivitäten bei den grossen drei US-amerikanischen Herstellern.

Continental soll gegen ihren Willen von Schaeffler übernommen werden. Hat eine solche Verschiebung Auswirkungen auf Mikron?Rikli: Nein, weil sich die Geschäfte von Continental und Schaeffler eher komplementieren. Es gibt kaum Überschneidungen. Grosszulieferer werden von den Autoherstellern gezwungen, zu immer tieferen Preisen zu liefern. Wächst auch der Druck auf Mikron?

Rikli: Nein, so direkt nicht. Wir beobachten allerdings seit einigen Jahren, und das in sämtlichen Marktsegmenten, dass Kunden versuchen, einen immer grösseren Risikoanteil an uns zu überwälzen.

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Wie ist Ihre Verhandlungsposition?

Rikli: Wir sind dazu angehalten, Verträge, die wir mit Kunden eingehen, vor der Unterzeichnung genau zu prüfen. Natürlich kommt es vor, dass Kunden dann einen unserer Mitbewerber vorziehen, weil dieser bereit ist, zu einem wesentlich höheren Selbstrisiko zu liefern, als wir es sind.

Mikron ist mit einem Umsatzanteil von rund 75% stark auf Europa ausgerichtet. Wie entwickeln sich die Märkte?

Rikli: Losgelöst von Mikron betrachtet, läuft der Maschinenbausektor in Deutschland und in den umliegenden Märkten noch sehr gut. Grossbritannien entwickelt sich leicht schwächer.

Russland will seinen Maschinenbausektor signifikant hochfahren. Ist das ein Markt für Mikron?

Rikli: Langfristig sicher. Wir haben bereits vereinzelte Projekte bearbeitet und gehen davon aus, dass es weiter aufwärts gehen wird.

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In welchen Produktbereichen sehen Sie in Russland Chancen für Mikron?

Rikli: Im Automobilmarkt sowie in Bereichen der Konsumgüterindustrie.

Sie bauen das Geschäft mit neuen Kundengruppen laufend aus, um die Abhängigkeit vom Automobilmarkt zu reduzieren. Wo stehen Sie?

Rikli: Wir reden hier von Neugeschäft und nicht von einer Reduzierung des Automobilgeschäfts. Wir sehen Wachstumschancen im Präzisionstechnik- und Elektromechanikbereich.

Was heisst das genau?

Rikli: Präziser kann ich aus Vertraulichkeitsgründen gegenüber dem Kunden nicht werden. Was ich sagen darf: Wir haben zwei Projekte in diesen erwähnten neuen Bereichen akquiriert.

Werden diese Projekte einen spürbaren Beitrag zum Ergebnis des laufenden Jahres leisten?

Rikli: Ja.

Das US-Geschäft der Montagedivision war 2007 unprofitabel. Wie entwickelt sich Ihr Sorgenkind 2008?

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Rikli: Wir gehen zum heutigen Zeitpunkt davon aus, dass diese Einheit im laufenden Jahr profitabel wird.

Weniger gut entwickeln sich die beiden Akquisitionen aus dem Vorjahr, die Tessiner Namco und die Singapurer Integral Systems. Im Vorjahr sagten Sie, dass es zwar Aufräumarbeiten gebe, die Firmen aber keinerlei Auswirkungen auf die Ertragssituation der Gruppe hätten. Nun zeigt sich, dass sie die Ebit-Marge mit 1,2 Prozentpunkten doch spürbar belasten. Was ist los?

Rikli: Die Aufräumarbeiten dauern nun doch länger, als wir erwartet haben. Für beide Unternehmen, allerdings aus unterschiedlichen Gründen, ist das laufende Jahr eine Übergangsphase.

Was heisst das konkret?

Rikli: Bei Namco müssen die Aufräumarbeiten Ende September abgeschlos- sen sein. Den Verlust aus dem 1. Halbjahr kann diese kleine Gesellschaft aber nicht mehr wettmachen. Integral Systems soll im laufenden Jahr eine schwarze Null erreichen.

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Waren die Akquisitionen eine Fehlinvestition?

Rikli: Nein, die mittelfristigen Wachstumschancen sind vorhanden ? und gut.

Ihre Aktionäre müssen sich also weiter mit Geduld wappnen. Warum sollen Sie an Mikron festhalten?

Rikli: Wir haben viel gearbeitet und Umsatz und Rendite Jahr für Jahr verbessert. Wir wollen so weitermachen.