Welche Idee steckt hinter dem Naturemade-Star-Fonds?

Christoph Busenhart: Das Ziel ist die Umsetzung von möglichst gewinnbringenden Projekten für die Natur. Zukünftig stehen dem Naturemade-Star-Fonds des EWZ pro Jahr rund 2,1 Millionen Franken für diese ökologischen Ausgleichsmassnahmen zur Verfügung. So kommt das Engagement der Kundinnen und Kunden des EWZ, die Ökostrom kaufen, direkt der Natur zugute.

Bedingt aber der Betrieb eines Wasserkraftwerks nicht auch immer einen Eingriff in die Natur?

Busenhart: Um die Naturemade-Star-Zertifizierung zu erhalten, erfüllen die Kraftwerke strenge Auflagen, welche die Gewässer schonen, schützen und beleben. Nebst einem möglichst umweltschonenden Betrieb werden die Anlagen umweltgerecht gestaltet und es werden zusätzlich ökologische Ausgleiche geschaffen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Mit besonderen Massnahmen - wie zum Beispiel Fischaufstiegshilfen oder naturnaher Gestaltung der Ufer - wird die Artenvielfalt unserer Gewässer gesichert.

Seit wann gibt es den Fonds?

Busenhart: Das Eawag, eine Forschungsanstalt des ETH-Bereiches, hat 1999 im Auftrag des Vereins für umweltgerechte Energie (VUE) einen wissenschaftlichen Kriterienkatalog und Zertifizierungskriterien festgelegt, aus denen die Qualitätslabels Naturmade Basic und Naturemade Star entstanden sind. Ende 2000 konnte das EWZ-Kraftwerk Höngg zusammen mit dem BKW-Kraftwerk Aarberg als erstes das Naturemade-Star-Label der Schweiz entgegennehmen.

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Welchen konkreten Beitrag leisten die Ökostrom-Kunden des EWZ?

Busenhart: Diese leisten einen wertvollen Beitrag für die Natur: Einerseits fördern sie mit dieser Wahl ihres Stromproduktes die ökologische Stromproduktion - und damit den Bau und Ausbau weiterer Solarstrom-, Wind- und Biomasseanlagen -, anderseits stellen sie als Bezüger von ökologischer Wasserkraft pro Kilowattstunde 1 Rappen für ökologische Aufwertungsmassnahmen bereit.

Wie läuft die Verteilung der Fondsgelder? Wer entscheidet, welche Gebiete in den Genuss von Aufwertungen kommen?

Busenhart: Ein Lenkungsgremium mit Vertretern von EWZ, regionalen Naturschutzorganisationen und kantonalen Umweltbehörden evaluiert und kontrolliert die Projekte. Es werden primär Projekte ausgewählt, die im Umfeld der Gewässer der Konzessionsstrecke liegen. Oftmals hat es gerade in den Zuflüssen noch viel Verbessserungspotenzial.

Kürzlich wurden im Rahmen solcher Massnahmen die Arbeiten zur Aufwertung des Limmat-Ufers und des Binzerli-Weihers in Oetwil an der Limmat bis auf die Ansaat abgeschlossen. Wie bewerten Sie die Projektergebnisse?

Busenhart: Renaturierung und Aufwertung der Uferpartie auf 500 Metern Länge wären ohne unseren Fonds nicht zustande gekommen. Niemand hätte das Geld sprechen können. Die Gemeinde Oetwil an der Limmat war die Initiantin und hat das Projekt nach Kräften unterstützt.

Was freut Sie bei diesem Projekt persönlich?

Busenhart: Dass es uns allen gelungen ist, die Bevölkerung voll und ganz für das Projekt zu begeistern. Es gab keine einzige Einsprache. An der Infoveranstaltung zu Baubeginn im letzten Herbst waren doppelt so viele Personen anwesend wie an der gut besuchten Gemeindeversammlung.

Gab es auch Stolpersteine bei der Umsetzung?

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Busenhart: Keine grossen! Wir mussten für wenige Wochen die Bauarbeiten einstellen, da die Limmat - wie erwartet - über eine gewisse Zeit sehr viel Wasser führte. Dies war einkalkuliert. Mehrkosten gab es aber nicht.

Wie viele Projekte befinden sich aktuell

in Umsetzung?

Busenhart: Ein halbes Dutzend Projekte. Dieses Jahr wurden rund 1,5 Millionen Franken investiert. Dies ist ein neuer Rekord.